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19 Tote auf der Loveparade : Staatsanwälte beschlagnahmen Unterlagen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach dem Tod von 19 Menschen auf der Loveparade hat die Duisburger Staatsanwaltschaft Akten der Veranstalter und der Stadt Duisburg beschlagnahmt. Der Geschäftsführer der Loveparade kündigte an, die Veranstaltung nie wieder stattfinden zu lassen.

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          Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade mit 19 Toten und 340 Verletzten hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen und dafür Akten der Veranstalter und alle Planungsunterlagen der Stadt Duisburg beschlagnahmt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Unterlagen mit dem Sicherheitskonzept seien bereits kurz nach dem Unglück am Samstagnachmittag sichergestellt worden. Die Ermittlungen richteten sich gegen unbekannt.

          Zu dem Unglück war es gekommen, als Tausende Menschen durch einen Tunnel und eine anschließende Rampe auf das Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs zu gelangen versuchten. Bei einer Pressekonferenz am Sonntagmittag gab der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) die Zahl der Toten mit 19 und die der Verletzten mit 340 an. Unter den identifizierten Toten seien jeweils eine Person aus Australien, China, Italien und den Niederlanden.

          Duisburgs stellvertretender Polizeipräsident Detlef von Schmeling sagte, es seien „keine Menschen im Tunnel zu Tode gekommen“, sondern an der Zugangsrampe davor. 14 Menschen seien an einer Metalltreppe ums Leben gekommen, zwei an einer Plakatwand. Drei Verletzte waren im Krankenhaus gestorben. Das Alter der Toten liege zwischen 20 und knapp 40 Jahren.

          Am Aufgang der Rampe zum Gelände der Loveparade sind die Umrisse der Opfer auf den Boden gezeichnet

          „Mein persönlicher Eindruck bestätigt eine Massenpanik nicht“

          Von Schmeling sagte, dass die Polizei vor dem Unglück eine zweite Zugangsrampe geöffnet habe, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlassen könne. Teil des Sicherheitskonzeptes sei gewesen, den Zugang zum Tunnel zu regulieren. Das sei den ganzen Tag über durch die Polizei erfolgt. Der Zugang zum Gelände sei zu keinem Zeitpunkt gesperrt gewesen. Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens hat es nach Informationen von Schmeling durchaus noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe gegeben. „Mein persönlicher Eindruck bestätigt eine Massenpanik nicht“, sagte von Schmeling.

          Ein Augenzeuge berichtete FAZ.NET, das Vorgehen der Polizei sei am Unglücksort äußerst engagiert, aber zugleich auch unglücklich gewesen: Die Polizei habe die Situation zu lange unterschätzt. Der große Stau am Tunnel sei maßgeblich durch eine Polizeikette am unteren Ende der Rampe verursacht worden. Dieser Stau habe sich bis zur Panik nicht mehr aufgelöst. Polizisten hätten am Aufgang vom Tunnel zur Rampe vielen Menschen geholfen, dem größten Druck zu entkommen. Und zwar zum einen seitwärts über eine Treppe und zum anderen - ebenfalls seitwärts - über einen Masten auf der gegenüberliegenden Seite. Der großen Menschenmasse habe dies aber suggeriert, dass dies die wichtigsten Fluchtwege seien. Der Druck in der Menschenmenge sei unerträglich gewesen. An der östlichen Rampenwand habe es aber noch einen weiteren Ausweg gegeben. Er selbst sei darauf gekommen, weil drei weitere Polizisten hektisch gewunken hätten und ihn auf diesen Weg aufmerksam gemacht hätten. Der Druck sei, als er sich von unten in Richtung Rampe vorbewegt habe, nach wenigen Metern deutlich geringer geworden.

          Nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft hat das Sicherheitsproblem bei der Loveparade möglicherweise schon mit der Fehleinschätzung der Teilnehmerzahl begonnen. Der Veranstalter habe 500.000 Menschen angemeldet, sagte Erich Rettinghaus, NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft, am Sonntagabend im ZDF. Die Stadt habe seiner Kenntnis nach aber nur 250.000 Teilnehmer für das Gelände genehmigt. Man sei davon ausgegangen, dass sich die restlichen Partygänger an anderen Orten der Stadt verteilten, erläuterte Rettinghaus.

          Noch sei unklar, wie viele Besucher dann insgesamt bei der Loveparade waren, sagte von Schmeling. Die bisher genannte Zahl von 1,4 Millionen könne er zunächst nicht bestätigen. Als einzige feststehende Zahl nannte er 105.000 Menschen, die in der Zeit von 9.00 bis 14.00 Uhr mit der Bahn nach Duisburg gekommen seien.

          Der Leiter des Krisenstabes und Chef des Sicherheitsdezernats der Stadt Duisburg, Wolfgang Rabe, sagte, er und die Mitarbeiter seines Dezernates hätten inzwischen alle vorliegenden Unterlagen den Ermittlern übergeben. Der Platz habe bis zu 350.000 Menschen aufnehmen können. Der Platz sei „zu keiner Zeit in dieser Form gefüllt“ gewesen, sagte Rabe. Der Veranstalter soll 1000 Ordner im Einsatz gehabt haben, die Polizei war mit insgesamt 4000 Kräften vor Ort.

          Geschäftsführer: „Die Loveparade wird nie wieder stattfinden“

          Duisburgs Bürgermeister Sauerland warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. „Die Frage nach dem Warum aber ist berechtigt und muss beantwortet werden.“ Das Sicherheitskonzept verteidigte er als „stichhaltig“. Die Stadt hatte am Samstag eine Notfallnummer eingerichtet, bei der sich Angehörige melden konnten. Sie bestätigte, dass von rund 570.000 Anrufern nur 5400 Gespräche angenommen werden konnten.

          Rainer Schaller, der Geschäftsführer der Loveparade, kündigte an, die Veranstaltung nicht mehr fortzusetzen. „Die Loveparade wird nie wieder stattfinden.“ Die vor 21 Jahren gegründete Technoparty findet damit auch nicht wie zunächst geplant im kommenden Jahr in Gelsenkirchen statt.

          Als Nadelöhr erwies sich der Tunnel, an dessen Ende die Besucher über eine Rampe zum Veranstaltungsgelände kommen konnten. Die Katastrophe wurde nach Angaben der Behörden gegen 17.00 Uhr dadurch ausgelöst, dass Besucher versuchten, an dem einzigen Zugang zum Gelände Absperrungen zu übersteigen und dabei abstürzten.

          Auch nach Bekanntwerden der Katastrophe ließen die Organisatoren die Feier noch bis nach 23 Uhr weiterlaufen, um eine weitere Panik zu verhindern. In den angrenzenden Straßen feierten die Raver noch bis in die Nacht. Hubschrauber kreisten in der Luft, Notarztwagen mussten sich mitunter den Weg durch eine tanzende Menge bahnen.

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