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Elliott Erwitt : Ein Magnum-Fotograf zeigt seine Lieblingsbilder

Ein Absacker nach der Arbeit Bild: Elliott Erwitt/Magnum Photos

Elliott Erwitt hat als Magnum-Fotograf für die bekanntesten Zeitschriften der Welt gearbeitet. Nun sind die Fotografien, die der 81-Jährige für seine besten hält, neu aufgelegt worden. Wir zeigen eine Auswahl.

          Elliott Erwitt ist der Fotograf, der nicht ernst sein will. Bei den Eröffnungen seiner Ausstellungen trägt er bis heute am Revers ein Spiegelei aus Plastik, damit man ihn besser erkennt. Wenn er auf der Straße fotografiert, setzt er eine rote Plastiknase auf, damit die Menschen lachen. Und wenn er danach gefragt wird, was sich in dem halben Jahrhundert geändert hat, seit er ernsthaft zu fotografieren begann, sagt er: die Autos im Hintergrund. Es braucht kaum Menschenkenntnis, dahinter eine Scheu vor dem Leben und der Welt zu erkennen, und vielleicht war diese Scheu der Grund für Erwitt, Fotograf zu werden.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Die Kamera verstand er nie nur als Werkzeug, sie war ihm stets ein Schutz vor zu viel Nähe. Als er einmal Bilder einer Krebsoperation aufnehmen sollte, schrieb er bei Gelegenheit, schaute er sich schon am Tag zuvor im Krankenhaus um und fiel beim Anblick einer blutigen Lunge fast in Ohnmacht. Am nächsten Tag jedoch machte ihm all dies nichts mehr aus. „Alles Grausige und Beängstigende nahm die Kamera auf. Ich war auf der anderen Seite.“

          Der Witz als Selbstschutz

          Man muss im Werk Elliott Erwitts lange suchen, um Grausiges zu finden. Vielmehr werden seine Fotografien zur schier endlosen Aneinanderreihung von Kalauern. Da scheint ein Pferd zu schmunzeln angesichts der Männer, die versuchen, einen alten Lastwagen zu reparieren. Eine Bulldogge ersetzt durch die gewählte Perspektive den Kopf des Menschen, auf dessen Schoß sie sitzt. Oder in einem offenen Regal liegen genau auf Brusthöhe der alten Frau dahinter zwei kleine Kürbisse. Nicht Schnappschüsse, sondern Grabschschüsse nennt Erwitt solche Bilder. Es sind Momente, die es dem Betrachter schwermachen, die Welt übertrieben ernst zu nehmen.

          Ein Absacker nach der Arbeit Bilderstrecke

          Elliott Erwitt kam 1928 als Sohn russischer Emigranten in Frankreich zur Welt, wuchs in Italien auf und floh mit seinem Vater vor dem Faschismus nach Amerika. Vielleicht genügt das schon, den Blick immer wieder auf die alltäglichen Schrulligkeiten zu richten, geradeso, als sei Erwitt froh darüber, Flüchtling zu sein und sich nirgendwo zugehörig fühlen zu müssen. Deshalb vielleicht auch die zahllosen Hundefotos, mit denen er ein Buch nach dem anderen füllt. Am Ende, so erweckt es den Eindruck, wird ihm sogar die Weltgeschichte zum Witz. Da zeigt er auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1959 Richard Nixon, der dem russischen KP-Chef Nikita Chru- schtschow den Finger in die Brust bohrt - Kalter Krieg als Sache unter Männern.

          In den vielen Reportagen, die er als Magnum-Fotograf für die bekanntesten Zeitschriften der Welt gemacht hat, ist stets auch ein Moment von Melancholie zu spüren. Dann ahnt man, dass für Elliott Erwitt auch der Witz zu einer Art Selbstschutz wird. Er ist der Clown, der den Tücken der Welt gern entkäme, der sich nach etwas sehnt, von dem er nur eine ungefähre Vorstellung hat - und das vielleicht nie schöner dargestellt wurde als in seiner Aufnahme eines küssenden Liebespaares bei Sonnenuntergang in einem Auto am Strand von Kalifornien, fotografiert im Außenspiegel des Wagens; also gleich zweimal entrückt. Aufgenommen hat Erwitt das Bild, das heute zu seinen berühmtesten zählt, 1955. Entdeckt hat er es angeblich erst fünfundzwanzig Jahre später, als er in alten Negativen kramte. Nun sind die Fotografien, die er selbst für seine besten hält, erstmals als Paperpack erschienen. Wir zeigen eine Auswahl.

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