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Harry-Potter-Café : Edinburghs tropfender Kessel

Auf ein Butterbier mit Harry Potter: Hier schrieb J.K. Rowling an ihren Zaubererbüchern. Bild: action press

Ein Café in der Altstadt von Edinburgh ist zur Pilgerstätte für Harry-Potter-Fans aus aller Welt geworden: Im „Elephant House“ schrieb Joanne K. Rowling ihre erfolgreichen Romane über den Zauberlehrling.

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          Auf den ersten Blick erscheint die Sache klar: „Birthplace of Harry Potter“ steht in großen Buchstaben im Fenster des Cafés „The Elephant House“ in der Altstadt von Edinburgh. Über einer Zeichnung, die eine blonde Frau im rötlichen Halbdunkel des Cafés mit Stift und Papier zeigt, prangen die Worte: „Magisch! Das ist die einzige Art, das Elephant House zu beschreiben. Erlebe die gleiche Atmosphäre wie J.K. Rowling, als sie über einem Kaffee grübelte und ihren ersten Harry-Potter-Roman schrieb.“

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          „Die Frage, die mir die Kunden am häufigsten stellen, ist: ‚Wo hat sie gesessen?’“, sagt Cafébesitzer David Taylor. Eine befriedigende Antwort könne er darauf nie geben. Denn Rowling habe immer dort gesessen, wo sie im hinteren Teil des Cafés noch einen freien Platz finden konnte. Anders als manche Neider behaupteten, seien nämlich schon viele Menschen in das Café gekommen, bevor es als der Geburtsort Harry Potters vermarktet wurde.

          „Mit Inspiration muss man vorsichtig sein“

          David Taylor hat das „Elephant House“ im Jahr 1995 gemeinsam mit einem Partner eröffnet. Der hat Teile seiner Kindheit auf Borneo verbracht und schon immer Elefanten gesammelt – daher der Name des Cafés. Und die Deko: Elefanten auf Zeichnungen, als Porzellan- und Holzfiguren, auf Fotos, Gemälden und Stickereien schmücken das Lokal. Durch die großen Fenster des hinteren Raums, in dem Rowling vor fast 20 Jahren saß, blickt man direkt auf das Edinburgh Castle auf seinem grün bewachsenen Hügel. Ein Vorbild für die Burg, die das Zauberer-Internat Hogwarts beherbergt? Oder inspirierte Rowling eher die Schule in dem gotischen Gebäude um die Ecke? „Mit Inspiration muss man vorsichtig sein“, sagt Allan Foster. Das gelte auch für den verwitterten Friedhof Greyfriars hinter dem „Elephant House“, auf dem Rowling angeblich in ihren Schreib-Pausen spazierenging. So steht dort zwar der gewaltige, moosbewachsene Grabstein eines Tom Riddle – der bürgerliche Name des dunklen Magiers Voldemort aus den Potter-Romanen. „Aber das ist ein häufiger Name“, sagt der graubärtige Foster. „Mein Großvater hieß auch so.“

          Der Besitzer: David Taylor ist selten allein unter Elefanten.
          Der Besitzer: David Taylor ist selten allein unter Elefanten. : Bild: Leonie Feuerbach

          Allan Foster führt Touristen mit seiner „Buch-Liebhaber“-Tour zu den literarischen Orten Edinburghs. Zum „Elephant House“ bringt er seine Gruppen nicht. „Wieso sollte ich?“, fragt er angriffslustig und lenkt dann ein: „Ich streite nicht ab, dass Rowling dort geschrieben hat. Aber sie hat an vielen Orten geschrieben: In verschiedenen Cafés, in Bussen und auf ihrem Sofa.“ Und der Geburtsort Harry Potters sei kein Café gewesen, sondern ein Zug auf dem Weg von Manchester nach London. Dort, so hat Rowling es selbst erzählt, kam ihr die Idee zu Harry Potter. Das weiß auch der Harry-Potter-Fan Richard Duffy. Trotzdem zeigt der Student den Teilnehmern seiner „Potter Trail“-Tour das „Elephant House“ – als Ort, an dem vor allem der zweite Potter-Band entstand. Der erste, so Duffy und Foster, sei zu großen Teilen in einem anderen Café entstanden, dem „Nicolson’s“.

          Das Haus, in dem sich das „Nicolson’s“ einmal befand, liegt nur einige Straßen vom „Elephant House“ entfernt, aber dennoch abseits der Touristenströme. Auf einer kleinen Tafel an der Hauswand heißt es zurückhaltend, Rowling habe einige der frühen Kapitel von Harry Potter im ersten Stock des Gebäudes geschrieben.

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