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Elbphilharmonie : Aus Frust wird Vorfreude

Es ist geschafft: Die Elbphilharmonie ist fertig - und alle sollen es sehen. Bild: dpa

Die Elbphilharmonie wird eröffnet - und die Hamburger lieben sie jetzt schon. Besonders die Plaza hat es in sich. Konzertliebhaber müssen sich allerdings noch gedulden.

          Die Elbphilharmonie in Hamburg ist fertig. Nach fast zehn Jahren Bauzeit liegt sie nun an der westlichen Spitze der Hafencity, von der Elbe umspielt, wie ein Juwel auf Samt - strahlend, glitzernd und sündhaft teuer. Anfang der Woche war Bauabnahme zwischen der Baufirma Hochtief und der Stadt. Die Mängelliste umfasst immer noch mehrere hundert Positionen. Aber das sind alles Kleinigkeiten im Vergleich zur Baugeschichte zuvor, als alle Beteiligten derart zerstritten waren, dass ein Jahr lang überhaupt nicht mehr gebaut wurde - und die Elbphilharmonie zum Gegenstand des Spottes wurde wie der noch immer nicht fertige Flughafen Berlin-Brandenburg.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zur Bauabnahme leuchtete nun in den Fenstern ein „Fertig“, in der Stadt ist man stolz und erleichtert zugleich. Und wer hätte noch vor kurzem gedacht, dass in Hamburg inzwischen schon darüber gestritten wird, ob die „Elphi“, wie sie genannt wird, neues Wahrzeichen der Hansestadt wird oder es beim Michel bleiben sollte, der barocken St. Michaelis Kirche?

          Derzeit wird überall in der Elbphilharmonie noch fleißig gearbeitet. Am Freitag gibt es auf der sogenannten Plaza einen Festakt, für den ein Großteil der Teilnehmer der Gerechtigkeit wegen sogar ausgelost worden war. Denn die Neugier der Hamburger ist groß. Trotz der langen Baugeschichte und der enormen Kosten, die im Laufe der Zeit um das Zehnfache gestiegen sind, freut sich Hamburg auf sein Juwel.

          Überwältigender Blick von der Plaza

          Von Samstag an wird die Plaza, die Aussichtsplattform in 37 Meter Höhe, für die Besucher geöffnet sein. Damit der erwartete Besucheransturm bewältigt werden kann, müssen vorab Karten erworben werden. Im Vorverkauf kosten sie zwei Euro. Für den spontanen Besuch kosten sie zwar nichts, freilich müssen dann lange Wartezeiten in Kauf genommen werden.

          Die Plaza liegt im achten Obergeschoss, gleichsam auf dem Dach des alten Kaispeichers A, früher Teil des Hafens. Auf ihm wiederum wurde das eigentliche Konzerthaus als eine Art Glaspalast errichtet, der an ein wehendes Segel oder eine Welle erinnern will. Vom Haupteingang der Elbphilharmonie führt eine 82 Meter lange, gebogene Rolltreppe sechs Stockwerke aufwärts durch den Backsteinspeicher. Die Fahrt durch die sogenannte Tube endet an einem Panoramafenster, das den Blick elbabwärts freigibt. Über eine zweite, kurze Rolltreppe geht es noch einmal hinauf zur Plaza mit ihrem überwältigenden Blick auf Elbe, Hafen, Stadt und - Michel.

          Maximal 9000 Besucher pro Tag auf der Plaza

          Gut 40 000 Quadratmeter umfasst die Plaza, sie ist fast so groß wie der Hamburger Rathausmarkt. Auffällig sind die Bodenklinker, 188 000 Ziegel wurden extra dafür gebrannt. Eine besondere Herausforderung waren die geschwungenen Glaswände, die als Windschutz dienen und je nach Wetterlage geöffnet oder geschlossen werden können. Man mag gar nicht glauben, dass das mit einer solchen Leichtigkeit funktionieren kann - aber es funktioniert.

          Pro Tag können bis zu 9000 Besucher den Ausblick von der Plaza erleben. Es sollen aber nicht mehr als 1200 zur selben Zeit sein. Ebenfalls am Samstag öffnet das Fünf-Sterne-Hotel mit 244 Zimmern, die verteilt auf 19 Ebenen liegen. Gleichfalls Restaurant und Café - alles von der Plaza aus erreichbar. Die Wohnungen, die es in dem Bau ebenfalls gibt - es sind wohl die teuersten in Hamburg überhaupt -, sind weitgehend verkauft.

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