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Der Attentäter aus Norwegen : Einzeltäter aus der rechts-nationalistischen Szene

  • Aktualisiert am

Der mutmaßliche Täter Anders Behring B. Bild: dpa

Noch ist wenig über den Attentäter aus Norwegen bekannt. Doch die Beiträge, die Anders B. im Internet verfasst hat, deuten auf einen nationalistischen und islamfeindlichen Täter. Bis 2006 war er Mitglied einer rechtspopulistischen Partei.

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          „Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100 000, die nur Interessen haben“ - Das ist der einzige Satz, der unter dem Namen des mutmaßlichen norwegischen Attentäters Anders B. im Twitter zu finden ist. Datiert ist er auf den 17. Juli 2011. Nur fünf Tage später soll der 32-jährige Norweger mehr als 80 Jugendliche in einem Ferienlager kaltblütig ermordet und eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet haben. Insgesamt verloren mindestens 91 Menschen ihr Leben.

          Anders B. stammt aus Norwegens Hauptstadt und wird der rechts-nationalistischen Szene zugeordnet. Der Facebook-Seite zufolge, die wie andere Internetquellen von der Netzgemeinde noch in der Nacht zum Samstag aufgespürt und gesichert wurde, ist er christlich und konservativ, geht gerne jagen und spielt „Worlds of Warcraft“. Er soll mindestens zwei registrierte Waffen besitzen.

          Anders B. war früher Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) und seiner Jugendbewegung. Der Tatverdächtige sei zwischen 1999 und 2006 FrP-Mitglied gewesen, teilte die Partei am Samstag mit. Zwischen 2002 und 2004 habe er eine verantwortliche Stellung innerhalb der Jugendorganisation FpU innegehabt. Die frühere Mitgliedschaft des mutmaßlichen Täters mache sie „noch trauriger“, erklärte Parteichefin Siv Jensen.

          Auf diesem Bauernhof in Rena nördlich von Oslo soll Anders B. gewohnt haben

          Laut der in Stockholm ansässigen Expo-Stiftung, die rechtsextreme Aktivitäten überwacht, war der festgenommene Norweger seit 2009 bei einem schwedischen Neonazi-Internetforum angemeldet. Auf dem Internet-Portal namens Nordisk ist demnach ein breites Rechtsaußen-Spektrum vertreten - von Abgeordneten der rechtspopulistischen Schwedendemokraten bis hin zu Neonazis.

          Nach Angaben des TV-Senders NRK bewohnte der blonde, unverheiratete und kinderlose Mann bisher eine Wohnung am östlichen Stadtrand von Oslo. Vor einem Monat habe er sich bei den Behörden umgemeldet auf einen kleinen ländlichen Hof nahe der Hauptstadt. Fernsehbilder zeigen einen Bauernhof in Rena nördlich von Oslo. Im Handelsregister steht, er baue dort Gemüse, Melonen und Rüben an - der Kunstdünger könne als Sprengstoff benutzt werden, wird in den Medien spekuliert.

          Als Idole von Anders B. sind auf der Facebook-Seite der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens. Die einzigen Einträge unter seinem Namen sind Links auf Musikvideos: Vorwiegend Trance, dabei outet ihn das Profil zugleich als Liebhaber klassischer Musik, Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und Adam Smiths „Der Wohlstand der Nationen“.

          Auf der islamkritischen Internetseite document.no sind unter dem Namen Anders B. Dutzende islamkritische und nationalistische Einträge zu finden - alle wortgewandt. Demnach teilt Anders B. die Welt in Multikulturalisten und kulturkonservative Menschen. In den schon älteren Einträgen wird Multikulturalismus als „kultureller Marxismus“ und eine „anti-europäische Hassideologie“ bezeichnet, deren Ziel es sei, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören.

          Kulturkonservative, zu denen sich der Autor selbst zählt, würden dagegen als Rassisten abgestempelt - was genauso schlimm sei wie Judenverfolgung und Inquisition. Ein Eintrag wendet sich gegen norwegische Alternative und Antifa-Gruppen, die die politisch Konservativen bewusst terrorisierten. Genannt werden sie - in Anspielung auf die Hitler-Jugend - die „Stoltenberg-Jugend“.

          Weiteres über Anders B. ist auch von der Polizei nicht zu erfahren: „Wir wissen bisher auch nicht mehr als das, was die Medien zusammengetragen haben“, sagte Fahndungschef Øystein Mæland am Samstag.

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