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Einzelhandel : Kaffee teurer - aber in mehr Variationen

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Kaffee - im Trend aber auch wieder teurer Bild: dpa

Zu Hause oder im Coffee-Shop, Kaffee liegt im Trend. Aber lieber als die "Auslese" trinken die Deutschen Espresso, Capuccino und Latte Macchiato.

          3 Min.

          Espresso, Cappuccino, Caffelatte oder Latte Macchiato - Immer mehr Deutsche wollen die leckeren Kaffeespezialitäten jetzt auch zu Hause genießen. Für diesen Trend bereiteten die Coffee-Shops in Deutschland den Boden: Mit qualitativ hochwertigem Kaffee in allen Variationen locken spezielle Cafés die Kundschaft in Scharen an und brachte vor allem junge Leute auf den Geschmack. „Kaffee ist moderner geworden“, betont denn auch Winfried Tigges, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes. Leider wird das Getränk auch teurer.

          Der Deutsche Kaffeeverband schätzt, dass die Preise im neuen Jahr wieder anziehen, nachdem sie im Dezember einen Tiefstand erreichten. „Dieser Preisverfall gefällt uns überhaupt nicht“, betonte Verbands-Hauptgeschäftsführer Winfried Tigges. Auf dem internationalen Markt habe sich die Entwicklung bereits umgedreht. „Die meisten Markenkaffees sind momentan für 2,30 Euro bis 2,90 Euro pro Pfund zu bekommen“, sagte Tigges. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2002 kostete das Pfund noch 3,14 Euro, im Vorjahreszeitraum noch 3,28 Euro.

          Röstkaffee rückläufig

          Dabei sind die Absatzzahlen für Röstkaffee rückläufig. Im ersten Halbjahr 2002 wurde rund ein Prozent weniger verbraucht als im Vorjahreszeitraum. Wegen der am Boden liegenden Kaffeepreise sind die Umsatzeinbrüche sogar noch dramatischer. Aber die Tiefstpreise dürften bald ein Ende haben: Allein von Anfang September bis Anfang Dezember stiegen die Rohkaffee-Preise auf dem internationalen Markt um 35 Prozent an. Wann sich die Preissteigerungen auf dem deutschen Markt durchsetzen, ist noch fraglich; Tigges rechnet aber mit ersten Anpassungen zum Beginn des neuen Jahres. Auf Dauer gehe der Preisverfall auch zu Lasten der Verbraucher, warnte der Verbandsgeschäftsführer.

          Wer wie die Kaffeebauern in den armen Ländern seine Produkte zu Tiefstpreisen verkaufen müsse, spare früher oder später an der Produktion, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Am Ende leide darunter zwangsläufig die Qualität. „Das ist schon ein großes Problem“, betonte Tigges. „Gerade weil wir in Deutschland sehr stolz darauf sind, dass wir qualitativ guten Kaffee handeln.“ Momentan sei der deutsche Kaffee noch nicht betroffen, weil bei den hier zu Lande üblichen Mischungen leicht eine schlechtere Sorte durch eine andere ersetzt werden könne. „Aber auf Dauer geht das natürlich auch nicht“, betonte Tigges.

          Kaffeetrend hin zu Espresso und Konsorten

          Trotzdem lässt sich der Kaffeetrend nicht verleugnen. So blitzen plötzlich verchromte Espressomaschinen in bundesdeutschen Küchen, wo früher hauptsächlich die Kaffeemaschine zu finden war. Im Jahr 2001 wurden nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung fast genauso viele Espressogeräte wie gewöhnliche Filter-Kaffeemaschinen verkauft.

          Und weil dazu die gute alte „Auslese“ nicht so recht passt, kann sich auch der passende Kaffee über exzellente Wachstumsraten freuen. 8.000 Tonnen vorwiegend italienischen Espresso-Röstkaffees wurden nach Angaben des Kaffeeverbandes im Jahr 2000 in Deutschland abgesetzt, ein Jahr später waren es schon 600 Tonnen mehr. Lutz Quasdorf, Gesellschafter des italienischen Espresso-Herstellers Cellini, berichtet für das laufende Jahr von 45-prozentigen Wachstumsraten seiner Marke im deutschen Einzelhandel. Seine persönliche Erklärung für den Boom: „Ich glaube, dass alles, was mit Italien zusammenhängt, im Moment sehr gut läuft.“ Die Deutschen hätten beim Urlaub unter südlicher Sonne eben gemerkt, dass der Kaffee dort anders - und häufig besser - schmecke als zu Hause.

          Die Crema macht's

          Espresso wird anders als Filterkaffee unter hohem Druck gewonnen. Dadurch ergibt sich in der Tasse ein cremiges, dickflüssiges Getränk mit viel Geschmack und vollem Kaffeearoma. Nicht zu vergessen ist die so genannte Crema, das hellbraune Schaumhäubchen. Außerdem enthält Espresso durch das spezielles Herstellungsverfahren viel weniger Koffein und Bitterstoffe und ist damit schonender. Auch die weniger exklusive Cappuccino-Variante hat weiter Wachstumsraten, von denen die deutschen Röstkaffee-Hersteller nur träumen können.

          Allein im ersten Halbjahr 2002 ist der Absatz von löslichen Kaffeegetränken um 22 Prozent auf 18.300 Tonnen gestiegen - im Vergleich zu den 186.000 Tonnen Röstkaffee natürlich immer noch sehr wenig. „Vor allem bei jungen Leuten sind diese Kaffeespezialitäten beliebt“, ist Tigges überzeugt. Die ursprüngliche Vorstellung von Kaffee und Sahnetorte sei dagegen out, ist man beim Kaffeeverband überzeugt.

          Tee ist der Verlierer

          Einen Verlierer dieses Booms gibt es offenbar auch schon: Wer sich in geselliger Runde gern einen Latte Macchiato mit selbst aufgeschäumter Milch macht, kann auf Tee anscheinend weitgehend verzichten. Die Zahlen für den einst so hochgejubelten grünen und auch für den schwarzen Tee sprechen jedenfalls für sich: Laut Nielsen-Marktforschung gibt es beim Grüntee Absatzeinbrüche um knapp zwölf Prozent, Schwarztee geht beim Verbrauch immerhin um 3,7 Prozent zurück.

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