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Einlassverbot im Hofbräukeller : Die Rache der ungeliebten Gäste

  • -Aktualisiert am

Andere Zeiten: der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel, Finanzminister Rudolf Eberhard, Senatspräsident Singer und Kultusminister Theodor Maunz 1963 im Münchner Hofbräukeller. Bild: Picture-Alliance

Mit einem Reservierungsverbot für Studentenverbindungen handelte sich der Wirt des Münchner Hofbräukellers einen deftigen Shitstorm ein.

          In München wird die kulturpessimistische Einschätzung widerlegt, das Wirtshaus sei kein politischer Ort mehr. Es ist ein hochpolitischer Ort geblieben, zumindest am Wiener Platz, an dem der Hofbräukeller steht, eine Münchner Traditionsgaststätte mit einem der schönsten Biergärten der Stadt. Friedrich Steinberg, der Wirt des Hofbräukellers und Spross einer Münchner Gastronomendynastie, hatte in den vergangenen Monaten und Jahren Ärger mit einzelnen Studentenverbindungen. Gäste und Personal seien belästigt, Inventar beschädigt, rechtsradikale Gesänge angestimmt worden, sagt Steinberg. Er zog daraus die Konsequenz, Reservierungen von Verbindungen nur noch „äußerst restriktiv zu behandeln“.

          Als zu Beginn dieser Woche ein Reservierungswunsch einer Verbindung im Hofbräukeller abgelehnt wurde, brach ein Sturm im Internet los. Binnen weniger Stunden hagelte es auf Bewertungsportalen Tausende negativer Einschätzungen über den Hofbräukeller. Teils wird mit offenem Visier gekämpft und Steinberg vorgehalten, er werfe alle Verbindungen in einen Topf und diskriminiere eine Minderheit. Teils werden die gastronomischen Leistungen als angeblich grottenschlecht dargestellt. Manche der „Bewerter“ sind auf den Portalen nur mit einem Eintrag präsent – über den Hofbräukeller, der als „Touristenfalle mit politisch korrekten Schickeria-Allüren“ geschmäht wird.

          Es ist ein digitaler Guerrillakampf, dem Steinberg ausgesetzt ist und der Wirkung zeigt. Die pauschale Ablehnung von Reservierungswünschen sei ein Fehler gewesen, sagt Steinberg mittlerweile. Er suche einen Weg, wie er eine kleine Minderheit unter den Verbindungen, die sich rechtsradikal gebärde, von seinem Wirtshaus fernhalten könne; alle anderen seien natürlich willkommen.

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