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Interview mit einem Über-Papa : „Ich wollte Harrison Ford sein“

Sie beschreiben in Ihrem Buch sehr selbstironisch die Ängste, die man als Vater hat. Eine besondere Herausforderung ist der erste Freund der Tochter. Wie haben Sie sich gefühlt, als Kevin vor dem Fenster Ihrer Tochter ein Lied von Oasis sang?

Oh, das war ein Blender, mit Oasis kriegt man schließlich jede rum. Aber im Ernst: Da ist mein Herz kurz stehen geblieben. Das ist wirklich ein Einschnitt im Leben eines Vaters.

Gewöhnt man sich irgendwann daran?

Es relativiert sich mit der Zeit, auch wenn ich natürlich für den Rest meines Lebens möchte, dass der größte Held im Leben meiner Tochter Harrison Ford bleibt – also ich.

Als Ihre Tochter ihre letzte Abiturprüfung hatte, standen Sie mit Blumen vor dem Klassenraum. Ihre Tochter fand das „hardcore peinlich“. Hat Sie Ihnen das Überengagement oft übelgenommen?

Ich habe sie schon sehr genervt. Sie sagt immer zu mir: „Papa, deine Liebe reicht für zehn Töchter.“ Andererseits erkennt sie aber an, dass ich immer ein Interesse an ihrem Leben hatte und an dem, was sie tut. Und eben nicht wie manche Eltern sage: Mach du mal, ich kann mich nicht auch noch darum kümmern. Das betrifft ja auch die Schule im Allgemeinen. Ich finde, Lehrer verdienen eine Wertschätzung. Viele bringen ihnen keinen Respekt entgegen, oder sie werden von den ganzen Juristeneltern auch noch verklagt. Ich habe es immer als eine wichtige Aufgabe empfunden, den Lehrern klarzumachen, dass man sie als wichtig betrachtet in einem Lebensabschnitt, wo sie fast so viel Einfluss wie die Eltern haben.

Sie hatten mal vorgeschlagen, alle Lehrer in Hugo Boss einkleiden zu lassen. Das kam nicht so an...

Kleidungstechnisch könnten Lehrer schon noch was lernen. Der Erdkundelehrer in seiner abgewetzten Lederjacke und die Musiklehrerin in ihrem Maxirock, mit dem sie wahrscheinlich mal nach Woodstock fahren wollte, aber nur bis ins Wendland kam. Das gibt es immer noch.

Haben Sie noch Kontakt zu Manni, dem Sportlehrer?

Nein, darauf lege ich auch keinen Wert (lacht). Aber zur Direktorin und zur Klassenlehrerin habe ich immer noch Kontakt. Das sind wichtige Leute, die an entscheidender Stelle Einfluss auf das Leben unserer Kinder nehmen, deshalb muss man sie in einer adäquaten Form begleiten, ohne sie zu bedrängen und alles besser zu wissen. Es kann ja auch viel Spaß machen, mit seinem Kind sozusagen noch mal in die Schule zu gehen und ein besseres Abi zu machen, als man vielleicht selbst gemacht hat.

Ihre Tochter machte ein Einser-Abitur. Erst danach haben Sie ihr gestanden, welche Note Sie selbst im Abitur hatten.

Äh, darüber wollen wir hier nicht reden.

Ihre Frau warf Ihnen wiederholt vor, dass Sie Ihre Tochter zur Unselbständigkeit erziehen. Sie argumentierten im Gegenzug mit Rousseau: „Väter sind die besten Lehrer“. Ihre Tochter ist jetzt erwachsen. Wer hatte am Ende recht?

Ich kann nur so viel sagen: Unser Kind studiert jetzt in London und wohnt im Stadtteil Peckham, das ist sozusagen das Neukölln von London und nicht ungefährlich. Sie kommt da sehr gut klar und ist selbständig geworden – trotz meiner Erziehung.

Ihre Tochter war im Tennisclub, Golfclub und auf einem Elitegymnasium in Berlin-Grunewald. Hätte es nicht nahegelegen, sie nach St. Andrews zu schicken, wo die Royals studieren?

Das war natürlich der langfristige Plan, dass sie einen Lord kennenlernt, damit ich später mit meiner Frau auf dessen Landsitz ausreiten kann. Das hat nicht geklappt.

Immerhin ist sie kein Snob geworden...

Ja, sie studiert an einer schönen Universität, an der schon Vivienne Westwood war. In ihrer WG lebt ein Mädchen aus Paris, eines aus Mailand, eines aus Manchester, und ihr Freund kommt aus Irland. Unabhängig vom Studium und was daraus wird: Alles, was sie dort lernt – ohne mich –, ist ein Wert an sich, der einen fürs ganze Leben prägt.

Der letzte Satz Ihres Buches lautet: „In großer Ausgeglichenheit bereite ich mich auf das Studium vor“. Harrison Ford bleibt also am Ball und schickt gute Ratschläge nach London?

Natürlich. Letztens musste meine Tochter ein Medienthema vorbereiten, in dem es um die Türkei und die Auseinandersetzung mit Jan Böhmermann ging. Da habe ich mich richtig reingekniet und ihr Millionen Links geschickt – die sie sich wahrscheinlich bis heute nicht angeguckt hat.

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