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Ehrung : Rolling Stone Mick Jagger in Adelsstand erhoben

  • -Aktualisiert am

Nachzügler unter den britischen Altstars: auch Mick Jagger wird Sir Bild: AP

Überrascht hat es wohl nur noch ihn selbst: An diesem Freitag erfuhr auch Mick Jagger, dass er zum Ritter geschlagen werden soll.

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          Mick Jagger (58), das „enfant terrible“ des britischen Rock'n'Roll, hat nach 40 Jahren im Showgeschäft nun endlich seine „Satisfaction“ bekommen. Seine Ernennung zum „Sir“ durch Königin Elizabeth II. bedeutet für Jagger die endgültige Anerkennung durch das britische Establishment.

          Als Chef der Rolling Stones hatte er es oft genug provoziert. Der Rebell, der sich selbst den Titel „Seine Satanische Majestät“ gab, galt gemeinhin als ein Symbol der Verdorbenheit. Nach vier Ehen, sieben Kindern und als Großvater nahm der Rock-Veteran die Ehrung mit Demut an: „Ich bin sehr glücklich. Es ist ein Kompliment.“

          Tony Blair spielte Stones-Songs in Studentenband Ugly Rumours

          Jagger hatte zusehen müssen, wie vor ihm Paul McCartney, Elton John, Cliff Richard und andere in den Buckingham-Palast geladen wurden, um sich mit der symbolischen Schulterberührung durch ein Schwert von der Queen zum Ritter schlagen zu lassen. „Time Is On My Side“, mag er sich während des langen Wartens manchmal gedacht haben. Berichte, wonach er sich gelegentlich an einflussreichen Stellen über die ausbleibende Ehrung beschwert habe, wies Jagger mit den Worten zurück: „Ich habe es nie erwartet, niemals.“

          Die Ehrung des „Großvaters des britischen Rocks“ („Daily Telegraph“) bleibt umstritten. Eifrige Zeitungsrechercheure erinnerten daran, dass ein gewisser Tony Blair in seinen Studententagen in der Band Ugly Rumours (Üble Gerüchte) mit Vorliebe Jagger-Nummern vortrug. Das Vorschlagsrecht des heutigen Premierministers für die Geburtstagsehrungen der Queen hätte wohl eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, den „alten Teufel“ salonfähig zu machen, schrieb der „Telegraph“.

          Wertvoller britischer Exportartikel oder untaugliches Rollenmodell?

          Andere Kommentatoren entdeckten ihr moralisches Gewissen und fanden, dass der „Steuerflüchtling“ Jagger, ganz anders als Bob Geldof, Sting und Bono, nie in seinem Leben etwas für wohltätige Zwecke getan habe. Sein Drogenkonsum, das Urinien auf offener Straße, provokative Texte und vor allem ein wildes Privatleben machten ihn als Rollenmodell untauglich und der Ehrung unwürdig, schrieben die Boulevardblätter. Dass Jagger, dessen Ehe mit Jerry Hall 1999 zerbrach, sich auch mit zunehmendem Alter bei seinen Frauengeschichten nicht zügelt, wird dem Sänger besonders übel genommen.

          Während Jagger sich sozusagen selbst treu bleibt, liegt in dem gnadenlosen Zerriss seiner Ehrung eine gewisse Heuchelei, fand der „Independent“ (Samstagausgabe). Immerhin habe der Skandal-Rocker schon in den 60- und 70er Jahren mit (der im Februar verstorbenen) Prinzessin Margaret auf der Karabik-Insel Mustique wilde Strand-und Poolpartys gefeiert, in den Häusern einiger konservativer Politiker ging er ein und aus. „Jagger war über 40 Jahre lang ein wertvoller britischer Exportartikel und dabei manchmal erfolgreicher als British Airways oder Rolls Royce.“

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