https://www.faz.net/-gum-qb2y

Ehe : Vorher fragen Sie bitte Ihren Therapeuten

  • -Aktualisiert am

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet” - ein alter, aber sinnvoller Grundsatz Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wer frisch verliebt zum Standesamt schreitet, denkt natürlich nicht an Probleme. Vorbeugendes Training wäre aber gar nicht schlecht. Irgendwann ist auch Sex keine Lösung mehr, sondern bloß ein weiteres, heikles Problem.

          Laues Frühlingslüftchen, es grünt und duftet, zwischen jubelnden Menschen schweben Braut und Bräutigam auf Blumen dem Honigmond entgegen: So mag man sich das Heiraten vorstellen. Wenn dazu noch das Glück in Gestalt einer Schnapszahl kommt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Das scheinen zumindest viele Heiratswillige zu glauben, die sich in diesem Jahr vorausschauend den 5.5.05 oder den 20.05.2005 als Termin auf dem Standesamt gesichert haben.

          Tatsächlich aber ist das Ganze eine Schnapsidee. Gerade Schnapszahlen sind wenig krisenfest. Zwei Drittel aller am 9.9.99 in Berlin geschlossenen Ehen gibt es inzwischen nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine Ehe lebenslang hält, sinkt sowieso. Bereits heute endet jede dritte Ehe mit Scheidung, in den Städten sogar jede zweite.

          Online-Sprechstunden für die Ehe

          Angesichts solcher Zahlen stellt sich die Frage, warum man auf die Institution Ehe nicht einfach verzichtet. Doch Heiraten ist romantisch und schön, und der menschliche Wille zur Zweisamkeit bleibt unbeirrt von der Statistik. In der noch ganz jungen Generation wollen die meisten einmal heiraten. Und eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt: Auch bei Menschen, die mit dem hoffnungsvollen Projekt Ehe bereits gescheitert sind, gibt es nach der Trennung kein Aufatmen - so lange jedenfalls nicht, bis die nächste Hochzeit ansteht.

          Der Mensch als Beziehungslemming? Nicht ganz. Denn nicht jeder schmeißt die Flinte kampflos ins Korn. Immer mehr Paare, die mittendrin stecken in der Abwärtsspirale aus Streit, Schuldzuweisungen und emotionalem Entzug, suchen Hilfe. Entsprechend blüht das Angebot: Von Online-Sprechstunden und Wiederfindungsworkshops bis zu klassischen Eheberatungsstellen und psychologischen Paartherapeuten, Anlaufstellen gibt es viele. Ob sich die Krise schon durch ein bißchen romantische Auffrischung oder doch eher mit Hilfe professioneller Therapie bewältigen läßt, hängt in den Augen der Experten vor allem von einem ab: von der Art und Weise, wie die Partner miteinander kommunizieren.

          Nur blöde Geschenke

          „Stellen Sie sich einen Kippschalter vor“, erläutert der Braunschweiger Paarpsychologe Kurt Hahlweg den Zustand einer Partnerschaft. „Zu Beginn ist er immer nach rechts gekippt.“ Wenn nun der Mann Blumen mitbringt - was denkt die Frau? Klar: daß er sie liebt und einfach an sie gedacht hat. Hat sich die Beziehung aber schon ein bißchen weiterentwickelt, kann es auch ganz anders laufen. „Wenn der Schalter dann auf ,negativ' umgelegt wird, interpretiert die Frau den Blumenstrauß nicht mehr als Nettigkeit“, erklärt Hahlweg. Sie mag keine Lilien, das müßte er doch wissen. Und auf die Idee ist er auch nicht von allein gekommen. Schließlich hat sie neulich geklagt, daß er ihr nie Blumen mitbringt.

          Solche Kippschalter gibt es nach Hahlwegs Ansicht in vielen kaputten Beziehungen. Der negative Anteil der Kommunikation mit dem Gegenüber nimmt zu, man redet anders oder gar nicht miteinander, und irgendwann ist auch Sex keine Lösung mehr - sondern ein besonders heikles Problem auf der Liste. Wie der amerikanische Psychologe John Gottmann schon vor Jahren postulierte, wird schließlich auch die gemeinsame Geschichte umgeschrieben: Er hat von Anfang an sowieso nur blöde Geschenke gemacht und sie als Persönlichkeit gar nicht begriffen. Sie hat von der ersten Verabredung an sowieso nur blöd auf seine Geschenke reagiert, seine Liebe ständig in Frage gestellt und permanent Theater um die Schwiegereltern gemacht.

          Weitere Themen

          Tote nach Absturz eines Kleinflugzeugs Video-Seite öffnen

          Bruchsal : Tote nach Absturz eines Kleinflugzeugs

          Laut Polizei wurden bei dem Aufprall auf die Fassade eines Baumarkts drei Menschen getötet. Die Wand des Baumarkts wurde dabei jedoch nicht durchbrochen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.