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Ecstasy, Fälschung, Elfenbein : Die wichtigsten Funde des Zolls

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Ganz schön bunt beim Zoll: Ecstasy-Pillen sind wieder verstärkt im Kommen. Gefährlich daran: Sie haben einen höheren Wirkungsgrad als früher. Bild: dpa

Eine Tonne Pyrotechnik in einem Mehrfamilienhaus, Ecstasy-Pillen in einer Eisenrohr-Lieferung: Der Zoll hat 2016 viel Illegales aus dem Verkehr gezogen. Für Verbraucher hätten die Waren schwere Folgen haben können.

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          Wer Ecstasy für ein Phänomen der 1990er Jahre hält, wird bei einem Blick in das Kölner Flughafen-Terminal eines Besseren belehrt. Säckeweise liegen die bunten Pillen dort, sichergestellt vom Zoll, der an diesem Morgen seine Bilanz 2016 präsentiert - und von einem „Comeback“ der Droge unter Schmugglern spricht. Es ist nicht die einzige Entwicklung, die die Beamten zu bekämpfen versuchen. Ein Überblick.

          Boomt der Drogenschmuggel?

          Nicht bei allen Drogen. Auf Heroin etwa stoßen die Kontrolleure von Jahr zu Jahr weniger. Ganz anders sieht es etwa bei Ecstasy aus. „Wir haben deutliche Steigerungszahlen bei den synthetischen Drogen“, sagt der Chef des Zollkriminalamts, Norbert Drude. Und als Faustregel könne gelten: „Wenn wir mehr aufgreifen, wird auch mehr konsumiert.“ Gefährlich ist dabei, dass nach Angaben des Zolls der Wirkstoffgehalt der Pillen zunimmt. Im vergangenen Jahr zogen Kontrolleure allein im Juli und August mehr als 1,3 Millionen Pillen aus dem Verkehr, etwa versteckt in einer Lieferung von Eisen-Rohren. Nach Erkenntnissen der Ermittler kamen die Drogen aus den Niederlanden und sollten in Richtung Türkei weiterreisen.

          Wird zunehmend mit Fälschungen gehandelt?

          Die Zahl der Beschlagnahmungen sank zwar insgesamt, der Marktwert der Waren aber stieg von 130 Millionen Euro auf 180 Millionen. Der Zoll sieht das als Trend, dass zunehmend teure Markenware gefälscht wird. „Im Frühjahr letzten Jahres haben wir allein am Flughafen Frankfurt in nur sechs Wochen 15,6 Tonnen gefälschte Ware - Schuhe, Kleidung, Luxusartikel, Elektronikartikel - mit einem Marktwert von 25 Millionen Euro sichergestellt“, sagt der Präsident der Generalzolldirektion, Uwe Schröder. Das zeige plakativ den Trend. Die Fälschungen können für Kunden - womöglich auf der Jagd nach einem Schnäppchen - unangenehm werden. Kosmetika sind mitunter verunreinigt, im Schmuck stecken Metallverbindungen, die Hautreizungen auslösen.

          Wo hätte es für Verbraucher richtig gefährlich werden können?

          Etwa wenn man an gepanschten Schnaps geraten wäre. Der Zoll stellte 2016 Zehntausende Flaschen Wodka sicher, bei dem der zulässige Methanol-Wert um das Zigfache überschritten wurde. „Schon geringe Mengen hätten zu dauerhaften Gesundheitsschäden geführt“, sagt Generalzolldirektion-Präsident Schröder. Nach Angaben des Zolls landet derartige Ware in der Regel auf dem Schwarzmarkt und wird unter der Ladentheke verkauft. Auch in diesem Jahr wurde schon gepanschter Wodka entdeckt - kurz vor Karneval.

          Finanzminister Schäuble (Mitte) beim Zoll: Tödliche Waffen liegen auf dem Tisch vor ihm. Sie wurden vom Zoll konfisziert, ihr Präsident, Uwe Schröder (2.v.l.), präsentiert die Funde stolz. Bilderstrecke

          Gab es besonders spektakuläre Funde?

          Ja, etwa im Keller eines Mehrfamilienhauses in Berlin. Dort stießen Fahnder auf rund eine Tonne nicht zugelassener Pyrotechnik mit einer „Netto-Explosiv-Masse“ von rund 300 Kilogramm. „Wenn das hochgeht, ist das Haus weg“, sagt Oliver Pampel-Jabrane vom Zollfahndungsamt Berlin. Dem Pyro-Sammler kam man über die Kundenkartei einer ausländischen Website auf die Schliche. Generell nennt der Zoll die Entwicklung beim Schmuggel und Handel mit Pyrotechnik „besorgniserregend“. In dem Bereich setze man eine hohe Priorität.

          Spielt der Handel mit Elfenbein immer noch eine Rolle?

          Offensichtlich ja. Bei zwei zusammenhängenden Aufgriffen stellte der Zoll 2016 mehr als eine Tonne des Materials sicher. Auslöser war eine erste Lieferung, die vom Flughafen Schönefeld aus in den Vietnam gehen sollte - angemeldet als Kaminuhren aus Marmor.

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