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Echo-Verleihung : Fehlstart trotz charmanter Bösartigkeiten

Amy Macdonald gewann als internationale Newcomerin und sang ihren Hit „This Is The Life” Bild: AP

Oliver Pochers böse Kommentare waren das Beste an der Echo-Verleihung - abgesehen von wenigen musikalischen Höhepunkten. Einige Laudatoren waren klar fehlbesetzt. Zudem hatte der diesjährige Beitrag zum „Eurovision Song Contest“ Premiere. Er kam nicht gut an.

          Den größten Mut bewies Florian Silbereisen, der Peter Alexander der Volksmusik. Schon die auf ihn überleitenden Worte von Oliver Pocher, Silbereisen habe für die Echo-Verleihung extra seine „rote, frischgebügelte Glücksunterhose“ angezogen, waren mehr als nur eine Anspielung. Tatsächlich war der Empfang für den Laudator alles andere als freundlich.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Doch der blonde Musikantenstadl-Sänger wusste vor dem ihm ungewohnten Publikum nicht nur einzustecken, er teilte auch aus. Du traust dich beim Echo nicht auf die Bühne, hätten viele zu ihm gesagt. Aber: „Ich bin es wirklich“, rief Silbereisen. Denn er unterstütze gerne Nachwuchskollegen: „Alles Gute, Oliver Pocher.“ Silbereisen überreichte den Echo für den besten „Newcomer National“, den - ausnahmsweise - nicht Peter Fox, sondern Thomas Godoj bekam, der 2008 bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hatte. Ansonsten aber war der Berliner Fox mit drei von insgesamt 27 Trophäen der große Gewinner des Abends.

          Bis 2008 war die Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises bei RTL zu sehen gewesen, sechs Mal hintereinander hatte Oliver Geissen (zuletzt mit Nazan Eckes) die Sendung moderiert. Nun ging am Samstag abend die ARD mit Oliver Pocher und Barbara Schöneberger an den Start, um im Auftrag der Deutschen Phono-Akademie schon zum 18. Mal die erfolgreichsten Leistungen nationaler und internationaler Musikkünstler zu ehren. Ausgerechnet zur selben Zeit zeigte RTL seine wöchentliche Superstar-Suche - und sorgte dafür, dass die ARD-Show zum Quoten-Flop wurde. Nur rund drei Millionen Zuschauer (Marktanteil 10,6 Prozent) sahen den Echo, fast 5,4 Millionen (17,3 Prozent) schalteten die RTL-Castingshow ein.

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          Pochers Bösartigkeiten waren das beste an diesem Abend

          Am Moderatoren-Duo lag es gewiss nicht. Man kann Oliver Pocher zwar auch nicht mögen, die ARD aber sollte froh sein, ihn zu haben. Seine Bösartigkeiten (die charmante Barbara Schöneberger stand ihm kaum nach) waren das Beste an der Echo-Verleihung - sieht man von einigen wenigen musikalischen Höhepunkten ab. Den jämmerlichsten Auftritt legte Laudator Bruce Darnell hin, der offenbar glaubt, spontan auf allen Bühnen erscheinen und reden zu können. Er kann es nicht.

          Helene Fischer war zu bedauern, dass sie gleich zwei Trophäen („Bester deutschsprachiger Schlager“ und „Beste Musik-DVD-Produktion National“) von Darnell entgegen nehmen musste. Kein Wunder, dass Barbara Schöneberger danach vor Entsetzen so tat, als würde sie an der weißen Sofakante der anderen Nominierten in Tränen ausbrechen. Und Pocher kommentierte: „Warum hatte Bruce Darnell mit seiner Show in der ARD keinen Erfolg? Sie haben den Grund gerade gesehen.“

          Fehlbesetzung bei den Laudatoren

          Merkwürdig war die Laudatoren-Auswahl überhaupt: Box-Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko, der die Scorpions mit einem Echo für ihr Lebenswerk auszeichnete, zählte noch zu den besseren Lobrednern. Doch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der Komiker Michael Mittermeier, Fußballspieler Arne Friedrich oder auch Schwimmerin Britta Steffen waren klar fehlbesetzt. Die Sportlerin war so nervös, dass sie kaum ihren einen, auswendig gelernten Satz aufsagen konnte.

          Auch Peter Fox fehlten beim dritten Echo (unter anderem „Bester Künstler National/International Hip Hop Urban“) die Worte. Denn er bekam sogar noch den erstmals verliehenen Kritikerpreis zugesprochen. Udo Lindenberg wurde zum besten „Künstler National Rock/Pop“ gewählt, Paul Potts bekam die Trophäe in der Kategorie „International“. Bei den Frauen gewannen Stefanie Heinzmann und Amy Winehouse, die allerdings nicht eigens nach Berlin gekommen war. Dafür traten unter anderen Depeche Mode, U2, Lionel Richie und Amy MacDonald („Bester Newcomer International“) auf.

          Zudem hatte der deutsche Beitrag für den diesjährigen „Eurovision Song Contest“ Premiere. Der Ohrwurm „Miss Kiss Kiss Bang“ von Alex Swings Oscar Sings kam allerdings schon bei den deutschen Zuschauern nicht gut an. An einen Platz unter den besten fünf in Moskau glaubt offenbar nur H.P. Baxxter von Scooter, der zu den deutschen Grand-Prix-Juroren gehören wird. Ihren zwölften Echo konnten die Kastelruther Spatzen („Volkstümliche Musik“) mit nach Südtirol nehmen - ein einsamer Rekord.

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