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Ebola-Epidemie : Sorge vor Ebola-Ausbreitung steigt

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Verdachtsfälle in Frankreich, Spanien und Dänemark schüren die Angst vor der Ausbreitung von Ebola in Europa – und rufen die Politik auf den Plan. Weltweit haben sich rund 9000 Menschen mit dem Virus infiziert, etwa halb so viele sind daran gestorben.

          Die Angst vor der Ebola-Seuche nimmt weltweit zu. Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte mehrere Termine und Auftritte ab und kündigte wegen der offenbar mangelhaften Vorsorgemaßnahmen in Kliniken des Landes ein schärferes Vorgehen der Behörden an.

          Auf dem Flughafen von Madrid wurde am Donnerstag Ebola-Alarm ausgerufen, weil ein Passagier aus Nigeria während eines Flugs Schüttelfrost bekam. Auch in Dänemark und im amerikanischen Bundesstaat Connecticut werden Personen mit ebolatypischen Symptomen untersucht. Die EU setzt derweil auf stärkere Kontrollen von Fluggästen in den am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte eine deutlich stärkere internationale Kooperation an, um Ebola zu besiegen.

          Rund 4500 Tote

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat knapp 4500 Tote registriert, vor allem in Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die Zahl der Infizierten dürfte noch in dieser Woche die Marke von 9000 überschreiten. Die Dunkelziffer liegt höher.

          Barack Obama kündigte ein schärferes Vorgehen gegen die Seuche an.

          Merkel sagte im Bundestag, die „schreckliche Heimsuchung“ für die Menschen Westafrikas sei in der globalisierten Welt „nur mit einer deutlich engeren Zusammenarbeit und mit deutlich effektiveren Strukturen einzudämmen als wir sie im Augenblick haben“. Ebola mache nicht an Grenzen Halt, mahnte sie.

          Die internationale Gemeinschaft wollte eigentlich einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Dollar einrichten, um die Seuche zu bekämpfen. Nach UN-Unterlagen sind davon nach knapp einem Monat erst 100.000 Dollar wirklich eingetroffen. Bis Donnerstag waren Zusagen in Höhe von 365 Millionen Dollar eingegangen. Zu den Geldgebern gehören etwa Staaten, die Afrikanische Union, die EU oder die Weltbank.

          Republikaner machen sich die Gefahr zunutze

          In den Vereinigten Staaten versuchen die Republikaner wenige Wochen vor den Kongresswahlen, aus der Ebola-Angst politisches Kapital zu schlagen. Obama handele zu langsam, wenn es um den Schutz der Bürger gehe, lautet ihre Kritik. Abgeordnete wie der Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, fordern gar, Reiseverbote gegen die drei afrikanischen Staaten zu verhängen, von denen die Seuche ausgeht. Sie treffen damit den Nerv vieler Amerikaner, wie Umfragen zeigen.

          Verstärkt wurden die Sorgen durch die Infektion einer zweiten Krankenschwester in Texas, die kurz vor dem Ausbruch der Krankheit eine Flugreise unternahm und mit mehreren Personen in Kontakt kam. Sie gehörte zu den Betreuern von Thomas Eric Duncan, der eine Woche zuvor in Dallas gestorben war. In der Öffentlichkeit wurden Zweifel laut, ob Obama die Lage unter Kontrolle hat.

          Nach einer zweistündigen Kabinettssitzung kündigte er an, die Gesundheitsbehörde CDC werde ein Team in jedes Krankenhaus entsenden, in dem ein neuer Infektionsfall festgestellt werde. Zugleich betonte er, das Risiko einer Verbreitung des Virus in den Vereinigten Staaten sei sehr gering.

          Verdachtsfälle in Spanien, Frankreich und Dänemark

          Am Flughafen in Madrid wurde ein Notfallplan in Gang gesetzt. Ein Passagier eines Air-France-Flugs aus der nigerianischen Hauptstadt Lagos über Paris nach Spanien habe plötzlich Schüttelfrost bekommen, teilten der Betreiber Aena und die Gesellschaft mit. Die Reisenden hätten in der spanischen Hauptstadt das Flugzeug verlassen, das nun desinfiziert werde. Der Rückflug sei abgesagt worden.

          In Spanien hatte sich eine Krankenschwester bei einem inzwischen verstorbenen Priester mit Ebola angesteckt. Sie schwebt in Lebensgefahr, doch ist ihr Zustand nach Angaben der Ärzte stabil. Die Behörden teilten mit, eine Kontaktperson der Frau, die schon zu Hause unter Beobachtung gestanden habe, sei ins Krankenhaus gebracht worden. Sie habe Fieber bekommen, was ein Symptom der tödlichen Seuche sein kann.

          Ein Ebola-Verdacht bei einer Krankenschwester in Frankreich hat sich in einem ersten Test nicht bestätigt. Die Ergebnisse müssten allerdings noch durch weitere Untersuchungen überprüft werden, hieß es am Donnerstagabend von Behördenseite. Die Krankenschwester war am Donnerstag in ein Militärkrankenhaus eingeliefert worden, nachdem sie nach der Behandlung einer Ebola-kranken Patientin Fieber bekommen hatte.

          Ein Ebola-Verdachtsfall in Dänemark hat sich am Donnerstag nicht bestätigt. Ein Test auf die Viruserkrankung sei negativ ausgefallen, verlautete aus Kreisen der behandelnden Klinik. Der Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte sich in Westafrika aufgehalten und nach seiner Rückkehr nach Dänemark über leichtes Fieber geklagt.

          Diskussionen über die Verhinderung der Ausbreitung

          In der EU ging die Diskussion weiter, wie eine Einschleppung der Seuche verhindert werden kann. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe kündigte nach einer Sitzung mit seinen EU-Kollegen an, es werde geprüft, ob die von der WHO koordinierten Maßnahmen an den Flughäfen in Sierra Leone, Liberia und Guinea verbessert werden müssten. Eine EU-weite Kontrolle an den europäischen Flughäfen für Passagiere aus Westafrika sei nicht vorgesehen. Die EU-Staaten wollen sich nach Angaben Gröhes aber enger über Maßnahmen an den Flughäfen bei Direktflügen austauschen.

          Nach Deutschland gibt es keine Direktflüge aus den drei am stärksten betroffenen afrikanischen Staaten. Frankreich und Großbritannien hatten sich zu eigenen Schritten wie Fiebermessungen entschlossen.

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