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Dutroux-Prozeß : „Er hat unsere Körper und unseren Geist vergewaltigt“

  • Aktualisiert am

Laetitia Delhez: „Dutroux hat mir nicht nur die Jungfräulichkeit geraubt.” Bild: dpa/dpaweb

Mit Laetitia Delhez hat erstmals ein Opfer von Marc Dutroux den brutalen Mißbrauch durch den mutmaßlichen Kindermörder vor den schockierten Prozeßteilnehmern beschrieben.

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          Mit Laetitia Delhez hat erstmals ein Opfer von Marc Dutroux den brutalen Mißbrauch durch den mutmaßlichen Kindermörder beschrieben. „Er fragte mich: Tut das weh?“ berichtete die 22jährige am Dienstag den schockierten Prozeßteilnehmern im südbelgischen Arlon über ihre mehrfache Vergewaltigung durch Dutroux. Reue habe ihr Peiniger allerdings nie gezeigt. Er habe sogar gelacht, während er sich an ihr verging. Dutroux hatte Laetitia als 14jährige im August 1996 entführt, mißbraucht und in ein Kellerverlies eingesperrt. Sie ist eine von zwei Überlebenden. Vier andere Mädchen gingen an den Torturen in Dutroux' Kerker zugrunde.

          Zum ersten Mal versuchte Dutroux zudem eine Entschuldigung gegenüber seinen Opfern. An Laetitia und die 20jährige Sabine Dardenne gerichtet sagte er: „Ich bin mir des Unheils bewußt, das ich angerichtet habe. Ich möchte mich dafür bei Sabine und Laetitia entschuldigen.“ Die völlig aufgebrachte Sabine, die bereits am Montag ausgesagt hatte, wies diese Entschuldigung entschieden zurück: „Es ist zu spät. Um es vulgär zu sagen: Er kann damit krepieren.“

          „Ich mißtraue Männern stets“

          Der Prozeßtag hatte mit einem heftigen Wortgefecht zwischen Marc Dutroux und seinem Entführungsopfer Sabine Dardenne begonnen. Zudem erhob Dardennes Mitgefangene Laetitia Delhez gegenüber einer Zeitung schwere Vorwürfe gegen ihren Peiniger. „Dutroux hat nicht nur unsere Körper, er hat auch unseren Geist vergewaltigt“, sagte die 22jährige „La Dernière Heure“.

          Ihr Freund begleitet Laetitia Delhez ins Gericht
          Ihr Freund begleitet Laetitia Delhez ins Gericht : Bild: REUTERS

          „Dutroux hat mir nicht nur die Jungfräulichkeit geraubt“, sagte Delhez dem Blatt, das das Interview am Dienstag veröffentlichte. Ihre sechstägige Gefangenschaft, von der die damals 14jährige drei Tage mit ihrer Leidensgenossin Sabine Dardenne in einem engen Kellerverlies verbrachte, hat das Verhältnis der jungen Frau zu Männern insgesamt negativ beeinflußt. „Ich mißtraue Männern stets“, so Delhez. Im Gerichtssaal weiche der Hauptangeklagte Dutroux ihrem Blick seit Prozeßbeginn vor acht Wochen aus.

          Delhez bekräftigte, während ihrer Gefangenschaft drei Telefonate von Dutroux belauscht zu haben. Darin habe Dutroux einem Jean-Michel oder Michel kurz nach ihrer Entführung gesagt: „Es hat geklappt“. Diese Aussage gilt als Hinweis auf einen möglichen Auftrag des Mitangeklagten Michel Nihoul zur Entführung des Mädchens. Nihoul läßt sich auch Jean-Michel nennen.

          Dardenne: „Muß ich Ihnen dankbar sein, oder was?“

          Dutroux solle ihr erklären, warum sie nicht in einem Pädophilen-Netzwerk des Mitangeklagten Michel Nihoul verschwunden sei, verlangte Sabine Dardenne zum Auftakt der Gerichtssitzung am Dienstag in Arlon. Dutroux erwiderte, er habe nicht gehandelt wie von ihm verlangt worden sei. „Ich habe sie nicht an Nihoul gegeben, damit sie nicht wie An und Eefje getötet würde“, sagte Dutroux.

          Der Hauptangeklagte erklärte weiter, er habe sich Sabine nach einiger Zeit verbunden gefühlt und sie darum beschützen wollen. „Da muß ich Ihnen sogar dankbar sein, oder was?“, fragte die junge Frau, die im Mai 1996 als Zwölfjährige entführt wurde. „Ich bin sehr einsam gewesen und wurde fast jeden zweiten Tag mißbraucht.“ Dutroux sagte dazu, Sabine habe ihm monatelang mit dem Wunsch nach einer Freundin in den Ohren gelegen. Danach entführte er die damals 14jährige Laetitia Delhez. Dardenne reagierte aufgebracht auf die Erklärungen ihres Peinigers: „Können wir ihn nicht bitten, den Mund zu halten?“

          Am Montag hatte Sabine Dardenne im Gerichtssaal ausgesagt. Dabei war die Mutter von Laetitia Delhez mit einem Schwächeanfall zusammengebrochen und vorübergehend im Krankenhaus behandelt worden. Dardenne hatte berichtet, sie habe während ihrer 80 Tage im Dutroux-Haus Todesängste ausgestanden. Laetitia Delhez wurde sechs Tage nach ihrer Entführung aus dem Kellerverließ befreit.

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