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Duisburgs Güterbahnhof : Das Terrain der geplatzten Träume

Die Brache, am Tag der Love Parade, wird rechts von der Autobahn 59 und links von Gleisen eingegrenzt Bild: dpa

Seit 15 Jahren schon wartet das 35 Hektar große Gelände des Güterbahnhofs in Duisburg darauf, städtebaulich entwickelt zu werden. Getan hat sich seither nichts. Alle Pläne und Modelle scheiterten.

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          Als am 12. September 1996 in Oberhausen das Einkaufszentrum „CentrO.“ eröffnet wurde, schellten nebenan in Duisburg laut die Alarmglocken. Denn das „neue Glanzlicht für unser Land“, so der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau bei der Eröffnung, drohte die mehr als doppelt so große Halbmillionenstadt in den Schatten zu stellen. Dass der neue Konsumtempel, der, mit einer Verkaufsfläche von 70.000 Quadratmetern, auf das abgeräumte Areal der HOAG, der Hüttenwerke Oberhausen AG, gesetzt worden war und die „Neue Mitte“ der erst 1929 aus Alt-Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade gebildeten Großstadt beanspruchte, „auch positive Auswirkungen“, wie der Landesvater hoffte, auf die Nachbarstädte haben würde, glaubte hier niemand. Im Gegenteil: Wie Bottrop, Dinslaken, Mülheim und sogar Essen befürchtete Duisburg einen Abfluss von Kaufkraft, der die schon damals klamme, vom Strukturwandel gebeutelte „Stadt-Montan“ weiter schwächen würde.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Doch die Stadtoberen wollten nicht klagen, sondern die Konkurrenz annehmen und - beim Geld hört auch heute noch die Vision von der Ruhrmetropole auf - zum Gegenschlag ausholen. Was Oberhausen vorgemacht hatte, wollte Duisburg nachmachen und übertreffen: Das größte innerstädtische Einkaufszentrum Deutschlands mit 160.000 Quadratmetern und damit mehr als doppelt so viel Verkaufsfläche wie im „CentrO.“ sollte entstehen. „Erst machen wir Düsseldorf platt, dann nehmen wir uns Paris vor“, strotzte Stadtplanungschef Jürgen Dressler vor mit Ironie unterlegtem Selbstbewusstsein, hatte die Stadt doch zwei Trümpfe zu bieten: Einmal ihr Einzugsgebiet, in dem nicht mehr als eine Stunde entfernt elf Millionen Menschen leben, zum anderen das Grundstück des Güterbahnhofs, den die Deutsche Bahn damals gerade aufgegeben hatte. Eine citynahe, 35 Hektar große Freifläche, die verkehrstechnisch anzubinden war. Ein trendiger Name war schnell zur Hand: „MultiCasa“ sollte die neue Einkaufs- und Erlebniswelt heißen. Getan hat sich auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände seitdem fast nichts: Es ist das Areal, an dessen Zugängen es zur Katastrophe der Love Parade kam.

          Der Ehrgeiz, es allen zu zeigen, war größer

          Die hochfliegende Vision beunruhigte nicht nur die Nachbarstädte, sondern auch viele Geschäftsleute in Duisburg. „MultiCasa“ könnte, so warnten sie, zum Moloch werden und die zentrale Einkaufsmeile Königstraße so weit veröden, dass sich Ramsch- und Ein-Euro-Läden ansiedeln. Doch der Ehrgeiz, es allen zu zeigen, war größer. Eine Projektgemeinschaft wurde gegründet, jahrelang verhandelt, getagt, begutachtet, geplant und 1999 bei den Hamburger Architekten Bothe Richter Teherani ein Entwurf bestellt, der, strahlend und aufsehenerregend, die räumliche Inszenierung einer stabilen und beweglichen Innenstadterweiterung vorschlug: Wellenartige Metallschuppen gaben im Wechsel mit transparenten Glasbändern die Hülle für einen geschwungenen Innenraum ab, der sich abschnittweise gliedern und flexibel nutzen lassen sollte. Das Signetgebäude ließ die Stadtoberen von der Metropole träumen, im Volksmund hieß es das „Gürteltier“.

          Nicht ganz so spektakulär nahm sich der Entwurf des japanischen Architekten Shin Takamatsu aus, der im Jahr 2002 das Gutachterverfahren gewann: Ein 65 Meter hoher, von innen beleuchteter Pylon bildete das Markenzeichen eines Komplexes, in dessen Inneren, so der Pressetext, zwei Erlebnisräume („Unicorn Plaza“ und „Capricorn Circus“) „Freizeit, Shopping und Familie auf ganz neue Weise definieren“ sollten.

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