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Dürre in Deutschland : Die Nebenwirkungen der Sommerhitze

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Auch der Münchner Arnulfpark ist angesichts der ausgedorrten Wiese kaum wiederzuerkennen. Bild: dpa

Alarmierend niedrige Pegelstände der Flüsse, verbrannte Pflanzen, vertrocknete Grünanlagen: Die Sonne hat Teile Deutschlands regelrecht ausgedörrt. Die größten Gefahren lauern in den Wäldern.

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          Die große Hitze und ausbleibender Regen haben in manchen Teilen Deutschlands eine starke Dürre verursacht. Im südlichen Brandenburg sei der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht, twitterte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag. Davon betroffen seien auch Südhessen sowie Teile Nordbayerns und Sachsens. Völlig ausgetrocknet seien die obersten 30 bis 60 Zentimeter Erde, sagte Udo Busch, Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, der Deutschen Presse-Agentur. Dies schade allen Pflanzen mit kürzeren Wurzeln.

          Folgen der Hitze : Dampfschifffahrt sitzt auf dem Trockenen

          Landwirte befürchten hierdurch Probleme bei der Ernte von Kartoffeln und Mais. Auch der Grünfutterbereich leide stark unter der Hitze. „Viele Viehhalter werden im Winter vermutlich Heu zukaufen müssen“, sagte Holger Brantsch vom Landesbauernverband.

          Drastische Auswirkungen hat die aktuelle Wetterlage auch auf die Waldbrandgefahr. Mit Ausnahme der Landkreise Prignitz und Oder-Spree gilt ab Dienstag die höchste Warnstufe fünf, teilte Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, am Montag mit. In den anderen beiden Kreisen gilt die zweithöchste Stufe vier.

          Auch die Flüsse leiden unter der massiven Trockenheit. Am Elbepegel Wittenberge (Prignitz) wurden am Montagmorgen eine Wasserhöhe von 87 Zentimetern gemessen. Das sind 37 Zentimeter unterhalb des Wertes für das Mittlere Niedrigwasser (MNW), teilte die Wasser- und Schifffahrtverwaltung auf dem Portal „Pegel Online“ mit.

          Die Situation an der Oder ist ähnlich: In Frankfurt wurden am Montag 1,02 Meter festgestellt. Das sind 21 Zentimeter unterhalb des Mittleren Niedrigwasser. Besser sieht es aktuell im nördlichen Verlauf der Havel aus. Erst ab der Berliner Stadtgrenze erreicht die Wasserhöhe den Niedrigwasserbereich.

          Um das Niederschlagsdefizit der vergangenen Monate auszugleichen, müsste es nach den Worten Buschs etliche Tage fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter regnen. Gewittergüsse, bei denen oft in ganz kurzer Zeit mehr als zehn Liter Regen pro Quadratmeter fallen, seien nicht langfristig hilfreich. Dieses Wasser sei nach drei bis vier Tagen verdunstet. Meteorologen rechnen für das Wochenende in der Region mit einer leichten Abkühlung und einigen Schauern.

          Die Winzer sind alarmiert

          Und auch die hessischen Winzer rechnen mit erheblichen Ernteausfällen, falls es weiterhin so trocken bleibt. „Wir haben Wassermangel überall“, sagt Otto Guthier, Geschäftsführer der Bergsträßer Winzergenossenschaft in Heppenheim der Deutschen Presse-Agentur. Auch qualitative Einbußen seien in diesem Jahr nicht auszuschließen. An der Bergstraße und im Rheingau werden die Jungpflanzen künstlich bewässert.

          Weinernte : Einbußen durch anhaltende Trockenheit

          „Wir müssen wieder Wasser kriegen“, stellt der Präsident des Rheingauer Weinbauverbands, Peter Seyffardt, in Geisenheim fest. In beiden Regionen werden Parallelen zum heißen „Jahrhundertsommer“ von 2003 gezogen, der bei der Ernte Verluste von 20 bis 30 Prozent brachte. Noch gebe es aber Chancen auf ein gutes Jahr, heißt es.

          Am größten ist der Dürrestress an der Bergstraße für Reben auf flachen Böden mit felsigem Untergrund - und im Rheingau auf Schieferböden sowie in Steillagen. Auch der Sonnenbrand, der Reben vertrocknen lässt, ist inzwischen eine reale Gefahr. „80 bis 90 Prozent der Reben sehen aber gut aus“, sagt Guthier. Seyffardt verweist darauf, dass die Rebe grundsätzlich wegen ihrer tiefen Wurzeln sich besser mit der Trockenheit arrangieren könne als andere Kulturpflanzen.

          Immerhin hält die Hitze Schädlinge fern

          In der Reife sind die Reben zwar rund zehn Tage voraus. Eigentlich aber müssten sie wegen der dauernden Sonneneinstrahlung noch weiter sein. „Doch die Trockenheit bremst die Entwicklung aus“, sagt Guthier. Bei der Qualität hoffen die Winzer, dass sich 2003 nicht wiederholt. Dieser Jahrgang brachte alkoholreiche Weißweine hervor, denen es aber oft an Säure und Frucht mangelte. Für die Säureentwicklung etwa beim Riesling sind auch kühle Nächte sehr wichtig. Noch sei es aber dafür nicht zu spät, heißt es.

          Immerhin hat die Hitze für die Winzer auch etwas Positives: Schädlingsbefall durch Pilze gebe es kaum, sagt Seyffardt. Auch die Kirschessigfliege, die im vergangenen Jahr vor allem bei Obst und roten Reben Einbrüche brachte, sei bisher nicht gefährlich.

          Unter den beiden Regionen, in denen bevorzugt Riesling angebaut wird, kommt der Rheingau auf eine Anbaufläche von rund 3100 Hektar. Mit 440 Hektar ist die Bergstraße deutlich kleiner.

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