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Drogenkonsum : Heroin ist aus der Mode

In Europa wird nach wie vor Cannabis am häufigsten konsumiert. Kokain ist die zweithäufigste Droge geworden - und liegt somit vor Amphetaminen und Ecstasy. Dennoch ist die Überdosierung mit Opioiden wie Heroin eine der häufigsten Todesursachen.

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          Die europäischen Gesellschaften sehen sich nach Einschätzung der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) einem „immer komplexeren Bild chronischer Drogenprobleme“ gegenüber. Die aus den achtziger und neunziger Jahren vertraute, um Heroin und intravenösen Drogengebrauch zentrierte Wahrnehmung des Themas Rauschgift müsse erheblich erweitert werden, schreibt die Behörde in ihrem jüngsten Jahresbericht.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Nach ihren Erhebungen scheint die Gruppe der Personen, die zur Zeit einen problematischen Umgang mit Rauschgift entwickelt, „zumindest hinsichtlich der konsumierten Substanzen heterogener zu sein als in der Vergangenheit“. Ursächlich für diese Entwicklung ist nach Angaben der EBDD das Aufkommen synthetischer Rauschgifte, die illegale Verwendung von Arzneimitteln, ein zunehmender Gebrauch von Kokain sowie die weite Verbreitung von Haschisch und Marihuana.

          Überdosierung mit Opioiden häufige Todesursache

          Die stärksten Belastungen für das Gesundheitswesen gehen nach wie vor von Heroingebrauchern aus, heißt es in dem Bericht der in Lissabon ansässigen Behörde, die sich auf ein Netz von „Knotenpunkten“ in allen 25 EU-Mitgliedstaaten, in Norwegen sowie den Beitrittskandidaten Bulgarien, Rumänien und der Türkei stützt. So würde in vielen Ländern eine wachsende und alternde Gruppe von Heroinpatienten betreut, die wahrscheinlich noch für viele Jahre im Therapiesystem verbleibe und beträchtliche Ressourcen in Anspruch nehme. Gleichzeitig seien Überdosierungen mit Opioiden eine der häufigsten Todesursachen junger Menschen in Europa, vor allem unter jungen Männern in städtischen Gebieten. Insgesamt, so die Behörde, trage der Gebrauch von Opioiden in einem Umfang von zehn bis 23 Prozent zu der „Gesamtmorbidität“ von Erwachsenen im Alter von 15 bis 49 Jahren bei.

          Bild: F.A.Z.

          Nicht mehr in der Mehrheit sind Heroingebraucher indes unter den Personen, die sich erstmals wegen Problemen mit Rauschgift in ambulante oder stationäre Behandlung begeben. Auf der Basis der nationalen Berichte für das Jahr 2004 hat die EBDD ermittelt, daß mittlerweile nur noch 42 Prozent der „neuen Patienten“ hauptsächlich wegen Heroingebrauchs Hilfe suchten. Nahezu jeder dritte neue Patient wandte sich vorrangig aufgrund von Problemen im Umgang mit Cannabis an eine Hilfseinrichtung. Auch der Anteil neuer Kokainpatienten ist mittlerweile deutlich höher als unter den Patienten, die sich seit längerem in Behandlung befinden.

          Cannabis ist in Europa weit verbreitet

          Auch dieses Bild ist unvollständig. Es läßt außer acht, so die EBDD, daß einzelne Rauschgiftgebraucher häufig mehrere sowohl illegale als auch legale Substanzen, allen voran Alkohol, benutzten. Dieser „polyvalente“ Gebrauch von mehr als zwei Drogen im selben Zeitraum ist offenbar weit verbreitet, auch wenn er das Gesundheitsrisiko stark erhöht. Eine genauere Erforschung dieses „problematischen Drogenkonsums“ steht in Europa indes ebenso noch aus wie die Schärfung des Bewußtseins für die besonderen Risiken, die damit einhergehen.

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