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Dresdner Frauenkirche geweiht : „Großes Werk im Geist der Versöhnung“

  • Aktualisiert am

Ein Freudentag für Dresden Bild: dpa/dpaweb

60 Jahre nach ihrer Zerstörung ist der Neubau der Dresdner Frauenkirche durch den sächsischen Landesbischof Jochen Bohl geweiht worden. Bundespräsident Horst Köhler würdigte den Wiederaufbau des Gotteshauses als eine gesamtdeutsche Leistung.

          Die wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche ist am Sonntag in Anwesenheit der höchsten Repräsentanten von Kirche und Staat feierlich geweiht worden.

          Im Festgottesdienst mit 1800 Gästen, darunter Bundespräsident Horst Köhler, der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine designierte Nachfolgerin Angela Merkel, würdigte Bischof Jochen Bohl den Wiederaufbau des 1945 von englischen Bombern zerstörten evangelischen Gotteshauses als ein „großes Werk im Geist der Versöhnung“. Köhler sprach von einer gesamtdeutschen Leistung, die Mut mache.

          Kurz vor Beginn des Gottesdienstes war es zu einem Stromausfall gekommen. Trotzdem konnte die Feier pünktlich beginnen. Unter den Ehrengästen waren auch die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, Johannes Rau und Richard von Weizsäcker, der Herzog von Kent als Vertreter des englischen Königshauses sowie die Botschafter der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs.

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          „Ein großer Tag“

          Der Festgottesdienst begann mit einer feierlichen Prozession. Den Gottesdienst mit der Losung „Friede sei mit Euch“ leitete der Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche, Jochen Bohl. In seiner Predigt sprach Bohl von einem großen Tag, „den wir miteinander erleben dürfen“. Es sei ein Fest, wie es nur wenige gebe. „Unsere Herzen und Sinne sind bewegt von Dankbarkeit und großer Freude.“ Der Wiederaufbau der Frauenkirche habe winzig klein begonnen, aber es sei ein großes Werk im Geist der Versöhnung geworden.

          Der Geistliche erinnerte an die Jugendlichen, die erstmals am 13. Februar 1982, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens, in der damaligen DDR Kerzen an der Ruine der Kirche entzündeten. Die Ruine sei zur Botschaft geworden. Die Bilder der brennenden Kerzen, die zum Frieden gemahnt hätten, seien um die Welt gegangen, sagte Bohl.

          „Wiederaufbau als Gleichnis“

          Anfang der neunziger Jahre sei der „Ruf aus Dresden“ gekommen und damit der Impuls zum Wiederaufbau. Im Blick auf das Kuppelkreuz, einem Geschenk aus England, könne jeder ein großes, anrührendes Werk der Versöhnung sehen, betonte Bohl. „Es begann im Kleinen, und darum wird der Wiederaufbau uns zu einem Gleichnis.“ Aus einem unscheinbaren Anfang könne etwas zu kraftvoller Größe heranwachsen.

          Nach Ansicht des Bischofs macht die Geschichte des Wiederaufbaus die Sicht frei auf die geistliche Dimension des Lebens. „Wo wir das Gute tun und unseren Mitmenschen liebevoll begegnen und wo wir bereit sind zu vergeben und uns zu versöhnen, da wächst das Gottesreich.“ Wer sich dagegen blindlings in der Realität der Welt einrichte, werde das Leben verfehlen. „Wir brauchen eine Kraft, die das Dunkel der Welt und das Leiden der Menschen in ihr überwindet, damit es gut wird mit uns“, sagte Bohl.

          Bundespräsident Horst Köhler nannte den Wiederaufbau eine gesamtdeutsche Leistung. „Was hier in Dresden erreicht wurde, sollte Deutschland insgesamt Mut machen“, sagte Köhler in seiner Ansprache nach der Weihe des Gotteshauses. Er erinnerte an einen Ausspruch des Dichters Gerhart Hauptmann, der 1945 gesagt hatte: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Dem sei 60 Jahre später hinzuzufügen: „Wer die Zuversicht verloren hat, der gewinnt sie wieder beim Anblick der wiedererstandenen Frauenkirche.“

          12. Februar 1990: Aufruf zum Wiederaufbau

          Die Initiative zum Wiederaufbau ergriffen Dresdner Bürger am 12. Februar 1990 mit einem Aufruf zur Gründung einer internationalen Stiftung. Mit dem Engagement Tausender Förderer wurde Geld für das Vorhaben gesammelt. Im Januar 1992 begannen Bauarbeiter damit, den 13 Meter hohen Trümmerberg wegzuräumen. Am 27. Mai 1994 begann offiziell der Wiederaufbau.

          Die Frauenkirche ist ein Jahr früher als geplant fertiggestellt. Die Gesamtkosten des zu zwei Dritteln aus privaten Spenden finanzierten Wiederaufbaus beliefen sich auf etwa 180 Millionen Euro. Die reinen Baukosten lagen bei 131 Millionen Euro.

          Am 15. Februar 1945, kurz nach den Bombenangriffen auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945, war die Frauenkirche brennend in sich zusammengebrochen. 60 Jahre später erstrahlt sie nun in neuem Glanz und gibt Dresden ein wesentliches Stück seiner historischen Stadtansicht zurück.

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