https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/drehort-spanien-szenen-fuer-the-crown-auf-netflix-18474858.html

Spanien als Drehort : Capri ist ein Strand an der Straße von Gibraltar

Double für Paris: Szenen wie die Paparazzi-Jagd auf Lady Diana wurden in Barcelona gedreht. Bild: Getty

Spanien wird immer häufiger als Drehort genutzt. Auf Mallorca und in Barcelona spielten Folgen der Netflix-Serie „The Crown“ , in Cadíz war James Bond unterwegs. Das ist ganz im Sinne der spanischen Regierung.

          3 Min.

          Neapel ist Palma, Capri ein Strand an der Straße von Gibraltar. Eine Reise nach Italien soll in der jüngsten Staffel von „The Crown“ die Ehe von Prinz Charles und Lady Di retten. Doch in Wirklichkeit besteigt das Paar die Yacht Christina O im Club de Mar der Inselhauptstadt von Mallorca, die dann später in der Bucht von Puerto de Sóller vor Anker geht: Fast alles, was nicht in Britannien spielt, wurde in den zehn neuen Netflix-Folgen in Spanien gedreht.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Selbst Ägypten verlegte man auf die Iberische Halbinsel: Das Alexandria der britischen Kolonialzeit ist in Wirklichkeit das andalusische Jerez de la Frontera. In Sevilla dienen die Arkaden des historischen Pilatus-Palasts als Kulisse einer Hochzeitsfeier der Familie Al-Fa­yed in Kairo. Und die antiken Säulen, durch die Charles mit seiner Familie und Freunden streift, sind zwar echt römisch. Aber sie stehen nicht auf der Insel Capri. Die römische Ruinenstadt Baelo Claudia liegt nicht weit vom Hafen- und Urlaubsort Tarifa entfernt.

          Die Baleareninsel hat es den Produzenten der Netflix-Serie besonders angetan. Immer wieder kehren sie nach Mallorca zurück. Mehr als hundert Statisten waren für eine Szene am Strand von Sant Elm im Einsatz, an dem Diana mit ihren Söhnen mit einem Motorboot anlegt. Im Film dauert sie keine Minute. Da es 1991 nur klobige Mobiltelefone gab, mussten alle Mitwirkenden ihre Smartphones in der Garderobe lassen, damit sie sich nicht in ihren Taschen abzeichneten.

          Game of Thrones, James Bond und Indiana Jones

          Das Filmteam machte noch einen Abstecher nach Marbella und nach Puerto Banús. Die spanische Costa del Sol gibt die Côte d’Azur, an der Diana und Dodi Al-Fayed im Sommer 1997 ihren letzten Urlaub verbrachten, bevor beide bei einem Autounfall in Paris ums Leben kamen. Die Superyacht Titania – die Wochenmiete beträgt angeblich mehr als 600.000 Euro – wird in der Serie zum Schiff von Dodis Vater. In der vierten Staffel verwandelte sich schon Málaga in die australische Stadt Brisbane. Zuvor wurde das Hotel Alfonso XIII. in Sevilla nach Kalifornien verlegt, wohin Prinzessin Margaret in den Sechzigerjahren reiste.

          „The Crown“ ist keine Ausnahme: Immer mehr Filmproduktionen zieht es besonders in den Süden Spaniens. Andalusien war der erste spanische Drehort von „Game of Thrones“. Im Alcázar von Sevilla hatte das Königreich Dorne seinen Palast. Weitere Folgen spielten in der Extremadura, im Baskenland und in Katalonien. In der andalusischen Atlantikstadt Cádiz war James Bond unterwegs. In „Stirb an einem anderen Tag“ wurde sie zur kubanischen Hauptstadt Havanna. Die Wüste von Tabernas in der Nähe von Almería wurde zum Hintergrund vieler Western und anderer Abenteuerfilme. Teile von „Lawrence von Arabien“ und Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ entstanden dort. Madrid war die Bühne für die Serie „Haus des Geldes“.

          Szene aus der Netflix-Serie „Haus des Geldes“
          Szene aus der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ : Bild: TAMARA ARRANZ/NETFLIX

          Die spanische Regierung arbeitet daran, ihr Land in ein „Hollywood Europas“ zu verwandeln. Bei einem Besuch in Kalifornien versuchte Ministerpräsident Pedro Sánchez im vergangenen Jahr, amerikanische Produzenten und Regisseure selbst davon zu überzeugen. „Spain, Audiovisual Hub of Europe“, heißt der Plan für die „audiovisuelle Drehscheibe“, den man sich in Madrid insgesamt 1,6 Milliarden Euro kosten lässt.

          Zahl der Produktionen bis 2025 um 30 Prozent steigern

          Ziel ist es, die Zahl der Film- und Fernsehproduktionen im Land bis 2025 um 30 Prozent zu steigern, um Spaniens führende Stellung auszubauen. Es locken Steuervergünstigungen zwischen 30 und 50 Prozent. Bis zu zehn Millionen Euro können sie pro Produktion betragen. Die autonomen Regionen werben um die Interessenten. In Valladolid findet jedes Jahr die Fachmesse „Shooting Locations Marketplace“ statt, um Stadtverwaltungen und Produzenten zusammenzubringen.

          Spanien ist touristisch gut erschlossen und international bestens vernetzt. Es bietet praktisch alles, von schneebedeckten Bergen über Wüsten bis zu kristallklaren Meeren. Im Unterschied zu den USA sind die Wege kurz und die Personalkosten vergleichsweise niedrig. Dazu ist die Infrastruktur gut ausgebaut. In der Kleinstadt Algete bei Madrid hat einer der größten Kostümverleihe seinen Sitz, der auch „The Crown“ ausstattete. In Alicante öffnet gerade das „Ciudad de la Luz”-Studio wieder, in dem schon Regisseure wie Francis Ford Coppola und Ridley Scott drehten.

          Einer der beliebtesten historischen Drehorte in Spanien ist der Plaza de España de Sevilla. An dem halbrunden Platz entstanden schon Szenen für „Krieg der Sterne“ und in diesem Herbst für die Netflix-Serie „Kaos“. Im Jahr 2021 wurden in Sevilla 198 Produktionen gezählt, dieses Jahr erwartet man noch mehr. Auf Mallorca endeten vor wenigen Wochen die Dreharbeiten für die sechste und letzte Staffel von „The Crown“.

          Wie die Zeitung „Diario de Mallorca“ berichtete, ruhten im September die Dreharbeiten zeitweise wegen des Todes von Königin Elisabeth II. Im Oktober wurden sie in Barcelona fortgesetzt. Die katalanische Hafenstadt springt offenbar als Double für Paris ein, wo die Prinzessin von Wales bei einem Verkehrsunfall in der Alma-Unterführung tödlich verunglückte. Auf Twitter kursierte der private Mitschnitt einer Szene, in der Paparazzi den schwarzen Mercedes von Lady Di durch die Straße Maestro Nicolau verfolgen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Besonders teuer und begrenzt: Immobilien auf Sylt

          Erbschaftsteuer-Reform : Worauf es jetzt bei der Erbschaftsteuer ankommt

          Viele Ungerechtigkeiten sprechen für eine Reform der Erbschaftsteuer. Wichtig ist eine einheitliche Belastung. Mit einem Steuersatz von 10 Prozent sollten alle leben können – selbst vermögende Erblasser.
          Wahlunterlagen für die Wiederholungswahl in Berlin

          Karlsruhe : Eilantrag gegen Wahlwiederholung in Berlin abgelehnt

          Der Berliner Verfassungsgerichtshof hatte die Wahl zum Abgeordnetenhaus für nichtig erklärt. Dagegen wandten sich vierzig Kläger. In einem Eilverfahren lehnte Karlsruhe jetzt eine kurzfristige Verschiebung der Wiederholungswahl ab.
          Hass mit den schlimmsten Folgen: Gedenkkundgebung für die zehn Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau vom 19. Februar 2020

          Meinungskampf oder Moralkeule? : Rassismus ohne Rassen

          Der Vorwurf des Rassismus wird oft und schnell erhoben. Wer davon getroffen wird, weiß oft gar nicht, warum. Er versteht unter Rassismus etwas ganz anderes als die, die mit dem Finger auf ihn zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.