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„Dr. Poch“ : Der Hitler, der in Indonesien starb

Wer ist dieser Mann? Für indonesische Augen ein eindeutiger Fall Bild: Archiv

Bis 1970 hat der deutsche Diktator als Arzt in den Tropen gelebt, behauptet ein Buch. Beweis gefällig? Seine neue Frau nannte ihn „Dolf“. Fotos weisen allerdings verblüffend wenig Ähnlichkeit mit Hitler auf, dafür um so mehr mit Goebbels.

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          Anknüpfungspunkte zwischen Deutschen und Indonesiern sind traditionell rar, aber nun gibt es einen. Ob man schon gewusst habe, dass Adolf Hitlers Grab nördlich von Surabaya liege, in Ngagel, fragte man den deutschen Gast unlängst bei einem Abendessen in Jakarta. Wusste der nicht - und besorgte sich gleich am nächsten Tag das Buch, von dem durchaus amüsiert die Rede gewesen war: „Hitler Mati Di Indonesia“ - Hitler starb in Indonesien.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Mehr als 150 Mal sei das 121 Seiten dünne Bändchen schon über den Tisch gegangen, sagte der Verkäufer im Buchhandel „Gramedia“. Hitler verkauft sich offenbar immer, erst recht in einem Land, das nur selten mit weltgeschichtlichen Ereignissen und Personen in Verbindung gebracht wird. Indonesier dürfen nun also der Lektüre entnehmen, dass ihr Land zur zweiten Heimat des deutschen Diktators geworden ist.

          „Dr. Poch“ starb am 15. Januar 1970

          Der Autor, Soeryo Goeritno, ist überzeugt, dass Hitler nicht im Berliner Führerbunker verbrannte, sondern sich in den Endkriegswirren mit seiner Frau Eva über Salzburg, Sarajevo und Rom auf die indonesische Insel Sumbawa durchgeschlagen hat. Dort leitete er angeblich als „Dr. Poch“ ein Krankenhaus, heiratete - nachdem Eva zurück nach Deutschland gegangen war - eine sundanesische Regierungsangestellte und starb erst am 15. Januar 1970 im Alter von achtzig Jahren an einem Herzinfarkt.

          Mehr als 150 Mal verkauft: „Hitler Mati Di Indonesia” - Hitler starb in Indonesien

          Der Autor ist bislang nicht mit historischen Studien hervorgetreten, verfügt aber über einen Moskauer Universitätsabschluss und einen gewissen Ruf als Förderer des indonesischen Boxsports. Soeryos „Belege“ gehen zu weiten Teilen auf die Beobachtungen eines indonesischen Arztes zurück, der den mysteriösen Poch Anfang der sechziger Jahre auf Sumbawa kennenlernte. Dr. Sosro wurde misstrauisch, nachdem er bei dem damals über 70 Jahre alten Poch einen Mangel an medizinischen Grundkenntnissen ausgemacht hatte. Seine Ahnung, es könne sich um Hitler handeln, stützte sich unter anderem auf die Beobachtung, dass Poch von seiner Frau „Dolf“ genannt wurde.

          Poch zog ein Bein hinter sich her und litt unter Parkinson

          Auch soll er immer wieder vertraut von Joseph Goebbels gesprochen haben. Als Sosro Jahre später Biographien studierte, in denen Hitlers körperlicher Zustand beschrieben wurde, verdichtete er seinen Verdacht zu einer ernsthaft vorgetragenen und in einem indonesischen Zeitungsartikel publizierten Gewissheit: Poch trug nicht nur den kantigen Schnauz, sondern zog ein Bein hinter sich her und litt unter Parkinson.

          Ähnlich überwältigende Indizien werden der Sundanesin Sulaesih zugeschrieben, die Eva Brauns Nachfolge angetreten haben soll. Sie soll behauptet haben, dass ihr Ehemann seine wahre Identität als Adolf Hitler im Vertrauen offenbart habe. Im Nachlass befindet sich überdies ein Notizbuch, das Namen von Deutschen in klassischen Nazi-Exilen enthält - neben so entlarvenden Eintragungen wie „Ich und meine Frau in Salzburg 1945“. Sollte der deutsche Gast das nächste Mal nach dem tropischen Nachleben des „Führers“ gefragt werden, wird er seine Zweifel aber nur mit den abgebildeten Fotos des „Dr. Poch“ begründen, die verblüffend wenig Ähnlichkeit mit Adolf Hitler aufweisen, dafür um so mehr mit Joseph Goebbels.

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