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Doppelgänger von Prominenten : „Ist er das jetzt?"

  • Aktualisiert am

Christian Wessel alias Oliver Kahn Bild: Niklaus Spoerri

Der Schweizer Fotograf Niklaus Spoerri hat unzählige Doppelgänger von Prominenten porträtiert. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Faszination der Kopie, übers Geldverdienen und ausgebuchte Terminkalender.

          Herr Spoerri, Sie haben viele Doppelgänger von Prominenten fotografiert. Welcher war für Sie am authentischsten?

          Beeindruckt hat mich die Doppelgängerin der Queen in England. Eine ältere Dame, die eine Filmographie hat, die viele Schauspieler neidisch machen würde. Aber am authentischsten fand ich lustigerweise ein Double, das in den Augen der anderen gar nicht so gut war: Prince Charles. Er hat mich mit seinem Auftreten und seinem ganzen Spiel sehr geblufft. Ich war so beeindruckt, dass ich ganz feuchte Finger bekomme habe, weil ich dachte, der echte Prince Charles steht vor mir.

          Wie kamen Sie auf die Idee, eine Porträtreihe über Doppelgänger zu machen?

          Ich hatte immer schon ein Interesse an künstlichen Welten. Dazu gehört auch, dass manche Menschen vorgeben, jemand anderes zu sein. So bin ich auf Doubles gestoßen. Sie werden mit einer anderen Person in Verbindung gebracht, ohne dass sie sich das ausgesucht haben.

          Wie haben Sie so viele gefunden?

          Es ist relativ schwierig, an diese Leute zu kommen. Die meisten Doppelgänger erreicht man nur über Agenten. Mir war es aber wichtig, dass es Menschen sind, die sich mit ihrer Rolle schon befasst haben, die genau diese Person spielen möchten. Es reicht nicht, wenn jemand einer Person einfach nur ähnlich sieht. Der Doppelgänger von Sean Connery weiß zum Beispiel ganz genau, welche Augenbraue er hochziehen muss, damit er dem Schauspieler ähnlich sieht. Schließlich sind die beiden keine Zwillinge.

          Nach welchem Prinzip haben Sie die Doppelgänger ausgewählt?

          Eigentlich habe ich mir die Doubles nicht ausgesucht. Ich habe keine Bilder studiert und mir überlegt, ob ich Ähnlichkeiten finden kann. Letztendlich ging es um die Menschen dahinter. Sie bieten an, dass sie aussehen wie ein Prominenter. Also habe ich mich einfach überraschen lassen. Das hat auch dazu geführt, dass man an der Tür stand und sich dachte: Ist er das jetzt, oder ist er das nicht?

          Das Double von Michelle Hunziker sieht dem Original nicht sehr ähnlich. Wieso tritt sie dennoch als Doppelgängerin auf?

          Hier spielt auch das „Ich will das sein“ mit rein. Ich habe nicht versucht, das beste Double zu finden. Die Überprüfbarkeit überlasse ich den Zuschauern. Sie können sich überlegen, ob der Doppelgänger für sie funktioniert oder nicht.

          Wie wichtig ist die Kleidung?

          Die Kleidung und Aufmachung einer Person kann schon sehr wichtig sein. Bei Udo Lindenberg funktioniert das gut mit Hut und Brille. Egal, wem man das aufsetzen würde, wahrscheinlich würde jeder Zweite aussehen wie Udo Lindenberg. Es gibt eben Zeichen, die einfach funktionieren, wo das Double gar nicht mehr so gut sein muss.

          Sie haben die Doubles jeweils zu Hause fotografiert. Warum?

          Die persönliche Umgebung war sehr wichtig für die Bilder. Denn so fragt sich der Zuschauer: Ist das wirklich möglich? Dadurch lassen wir eine Illusion im Kopf entstehen. So zeigt ein Bild eigentlich Peter Hugo vor seinem Wagen. Wir denken aber aufgrund seines Aussehens, dass es Prince Charles ist.

          Ist es Last oder Segen, einem Prominenten ähnlich zu sehen?

          Das kommt auf die Person an. Die deutsche Doppelgängerin von Julia Roberts, Judith Gresky, findet es großartig. Man wird von einer Limousine abgeholt und läuft über den roten Teppich. Aber am nächsten Morgen wacht man auf und hat seine Ruhe. Sie genießt das Starsein, ist aber froh, wenn sie wieder abschalten kann. Ganz anders empfindet das Liza Minellis Double aus Berlin. Sie hat jahrelang versucht, sich zu verstecken, weil sie immer angesprochen wurde. Sogar die Haare ließ sie sich färben, damit die Menschen sie nicht mehr verwechselten.

          Wo haben Sie die meisten Doppelgänger gefunden?

          In England ist es ein Riesenbusiness, während es in der Schweiz nicht sehr viele Doppelgänger gibt. Je mehr Presse es gibt, desto mehr Doubles braucht man. In England hat eine Persönlichkeit teilweise zwei Doppelgänger, um Termine gleichzeitig wahrnehmen und das Bedürfnis nach der eigenen Figur befriedigen zu können.

           Welches Double würden Sie als das erfolgreichste bezeichnen?

          Die Doppelgängerin der Queen, Jeanette Charles. Das liegt vor allem an dem Original. Die Königin von England ist schließlich überall auf der Welt bekannt.

          Gibt es auch kuriose Doppelgänger-Geschichten?

          Ja. Ich habe mal ein Double von David Beckham getroffen. Bei ihm hatte ich manchmal das Gefühl, er lebt dieses Doppelgängerleben vollkommen. So finanziert er sein ganzes Leben dadurch und umgibt sich nur mit Menschen aus dieser Branche. Lange Zeit war er sogar mit einem Double von Victoria Beckham zusammen.

          Was reizt die Menschen daran, Double eines Stars zu sein?

          Man kann damit wirklich sehr viel Geld verdienen. Der Doppelgänger von Anthony Hopkins hat mir erzählt, dass er diesem Job sein Leben verdanke. Er hatte seine Arbeit verloren, seine Frau trennte sich von ihm, und er musste seinen Sohn versorgen. Als auf einmal „Das Schweigen der Lämmer“ in die Kinos kam, hatte er endlich wieder Arbeit und konnte davon leben.

          Und was fasziniert uns so an Doppelgängern?

          Ich glaube, das Doppelgängertum ist gar nicht so faszinierend. In Wirklichkeit sind es die Prominenten, die wir anhimmeln. Viele lieben das Spiel rund um Berühmtheiten. Die Doubles sind in dieser Maschinerie einfach das Mittel zum Zweck. Schließlich will man gar nicht wissen, wer das Double ist, sondern nur dessen äußere Hülle wahrnehmen. Von diesem lässt man sich dann auch gerne Autogramme geben - selbst wenn man weiß, dass es sich gar nicht um die echte Person handelt.

          Noch mehr Doppeldänger

          Niklaus Spoerri, „Who is who? Fotodokumentarisches Nachschlagewerk der internationalen Double-Szene“. Verlag für moderne Kunst; 208 Seiten, 152 Abbildungen, 38 Euro.

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