https://www.faz.net/-gum-93ty5

Bedrohte Tierart : Trump erlaubt Amerikas Großwildjägern Einfuhr von Elefantenköpfen

Der Afrikanische Elefant gilt als bedrohte Art Bild: dpa

Barack Obama hatte zum Schutz der Elefanten verboten, dass Großwildjäger Trophäen der Tiere aus Sambia und Zimbabwe in die Vereinigten Staaten einführen. Donald Trump macht das jetzt rückgängig – seine Söhne dürften sich freuen.

          Es ist ein Foto, das Donald Trump Jr. wahrscheinlich bis zu seinem Lebensende verfolgen wird: Lächelnd blickt der Sohn des heutigen Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Kamera – in der rechten Hand hält er ein Messer, in der linken den blutigen Schwanz eines Elefanten, dessen Kadaver zu seinen Füßen liegt. Tierschützer hatten dieses Bild vor fünf Jahren zusammen mit mehreren Fotos veröffentlicht, auf denen Donald Trump Jr. und sein Bruder Eric bei ihrem Hobby zu sehen sind: Der Großwildjagd. Sie posierten mit erlegten Leoparden, Krokodilen, Büffeln und Elefanten. Seitdem tauchen die Fotos immer wieder auf, zum Beispiel, wenn Hugh Grant versucht, Amerikanern das britische Wort „Wanker“ („Wixer“) zu erklären. Oder als Symbolbilder für den Umgang der Trumps mit der Partei der Republikaner, deren Wappentier der Elefant ist.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Unter Donald Trump hat die Partei wenig zu sagen, symbolisch dafür könnte sich der Präsident bald den Kopf eines Elefanten über seinen Kamin hängen. Er hat gerade ein Verbot gekippt, das Barack Obama 2014 erlassen hatte: Großwildjäger aus Amerika dürfen jetzt wieder die Trophäen erlegter Elefanten aus Sambia und Zimbabwe in die Vereinigten Staaten einführen – obwohl der Afrikanische Elefant von der amerikanischen Behörde für Fisch und Wildtiere als bedrohte Tierart bezeichnet wird. Trotzdem heißt es jetzt in einer Stellungnahme genau dieser Behörde vom Mittwochabend unter der Überschrift „Trophäenjagd kann zur Erhaltung der Biodiversität beitragen“, dass eine „legale, regulierte Sportjagd“ Anreize für die lokale Bevölkerung schaffen könne, die Arten zu erhalten. Das kann man eigentlich nur so verstehen: „Kümmert Euch um Eure Elefanten, dann kommen die reichen Amerikaner, erschießen sie und lassen Euch ein paar Dollar da.“ 

          Sechs Prozent weniger Elefanten in Simbabwe seit 2001

          Applaus gab es für diese abenteuerliche Argumentation dann auch weniger von der lokalen Bevölkerung in Sambia oder Zimbabwe, als von einer der mächtigsten Organisation in den Vereinigten Staaten, deren Linie Trump oft und gerne übernimmt: Die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) bezeichnete die Entscheidung als einen „bedeutenden Schritt vorwärts“. Die Jagd würde endlich wieder die Anerkennung erhalten, die sie als ein Werkzeug des Wildtiermanagements verdiene, hieß es in einer Stellungnahme. Fast wortgleich hatte die Lobby-Organisation im Oktober die Entscheidung kommentiert, dass auch Trophäen von Löwen, die 2016, 2017 und 2018 in Sambia und Zimbabwe erschossen wurden, wieder nach Amerika eingeführt werden dürfen. 2014 hatte die NRA gemeinsam mit dem Jagdverband „Safari Club International“ gegen Obamas Einfuhrverbot für Trophäen geklagt.

          Tierschützer reagierten auf die jüngste Entscheidung entsetzt: „Nicht nachvollziehbares Verhalten der Trump-Administration“, twitterte „The Elephant Project“. Schon jetzt würden jeden Tag hundert Elefanten erlegt, Trumps Entscheidung würde zu noch mehr Wilderei führen. Davon geht auch Wayne Payle aus. Der Chef der „Humane Society of the United States“, die mehr als zehn Millionen Mitglieder hat und sich für den Tierschutz einsetzt, schrieb: „Die Elefantenpopulation in Simbabwe ist seit 2001 um sechs Prozent zurückgegangen und es gibt Beweise dafür, dass die Wilderei in Gebieten, in denen Trophäenjagd erlaubt ist, zugenommen hat.“ Laut der im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie „Great Elephant Census“ ging die Elefantenpopulation in 18 afrikanischen Ländern zwischen den Jahren 2007 und 2014 um fast ein Drittel auf etwa 350.000 Tiere zurück. 

          Wayne Payle erinnerte auch an die Aufregung um den Großwildjäger, der sich die Erlaubnis gekauft hatte, den Löwen Cecil in Zimbabwe zu schießen. „Was für eine Botschaft ist das, wenn arme Afrikaner, die ums Überleben kämpfen, Elefanten nicht töten dürfen, um davon zu leben, es aber reichen Amerikanern erlaubt wird, die nur auf der Jagd nach Trophäen sind?“, fragte Payle. Donald Trump Jr. hatte in einem Gespräch mit einem Portal für Jäger mal gesagt: „Wir jagten in einem Gebiet, in dem es zu viele Elefanten gab. Die Tiere würden verhungern. Oder die Einheimischen töten sie, weil sie ihnen die Äcker zertrampeln. Weil wir ihnen jedoch viel Geld zahlen, retten wir die Tiere vor dem Aussterben.“

          Weitere Themen

          Da hilft nur noch: Abtauchen!

          Hitzerekord erwartet : Da hilft nur noch: Abtauchen!

          Wird diese Woche wieder ein Wetterrekord geknackt? Experten halten das für möglich. Neben der extremen Hitze kommt noch eine weitere Belastung hinzu: eine besonders gefährliche UV-Strahlung.

          Rettungshündin Frida geht in Rente Video-Seite öffnen

          Ein Dutzend Leben gerettet : Rettungshündin Frida geht in Rente

          „Ihr Bellen gab immer Hoffnung, und in Zeiten des Schmerzes und der Unsicherheit brachte sie Erleichterung.“ Frida suchte bei Erdbeben in Mexiko, Haiti und Equador nach Überlebenden. Zwölf Menschen bewahrte sie dadurch vor dem Tod. Jetzt geht sie in Rente.

          Kein Zutritt für Behindertenhund!

          Theater verklagt : Kein Zutritt für Behindertenhund!

          Weil sie nur ohne ihren Begleithund in ein Musical in München durfte, hat eine Epilepsie-Patientin das Theater verklagt. Das Gericht sieht keinen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot. Der Hund musste wegen der Sicherheitsvorkehrungen draußen bleiben.

          Topmeldungen

          EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber

          Streit um EU-Jobs : EVP-Kandidat Weber greift Macron an

          Manfred Weber geht im Ringen um den Job als EU-Kommissionspräsident in die Offensive. Er wirft seinen Gegnern destruktives Verhalten vor und warnt: „Die Frustration von Wählern ist absehbar.“

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.