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Domainnamen : Gib mir ein „ö“!

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Icann-Vertreter Müller-Maguhn kann jetzt mit ü ins Netz Bild: dpa

Von diesem Montag an ist es möglich, Domainnamen mit Umlauten unter der Endung .de zu registrieren, vom 16. März an auch unter .info. Bis alle Programme damit umgehen können, kann es jedoch noch dauern.

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          Wer eine Internet-Domain mit der Endung .de und einem Umlaut im Namen registrieren möchte, kann das jetzt tun. Denn die Vergabestelle für .de-Domains, Denic hat am 1. März auf sogenannte Internationalized Domain Names (IDN) umgestellt. Die Vergabestelle für .info-Domains, Afilias, zieht ab dem 16. März nach. Mit IDNs sind Umlaute und andere Schriftzeichen in Domainnamen möglich. Doch die beiden Vergabestellen handhaben den neuen Standard unterschiedlich.

          Der größte Unterschied ist, daß es bei Afilias zunächst nur drei neue Buchstaben, nämlich ä, ö, ü, gibt, während die Denic nach einer Komplettüberarbeitung ihrer Strukturen gleich 92 neue Zeichen einführt. Man wolle keine Teil-Zeichensätze aufnehmen, heißt es auf der Website der Denic. Deshalb kommen außer den deutschen Umlauten alle lateinischen Buchstaben mit allen Accents und beispielsweise auch allen dänischen und tschechischen Zusätzen hinzu - also alle Zeichen, die zum erweiterten lateinischen Zeichensatz gehören. Als Gründe für diese Auswahl gibt die Denic an, daß die neuen Domainnamen in ganz Europa benutzbar sein sollen, und daß die neu hinzukommenden Zeichen auf gängigen Tastaturen auch darstellbar sind. Die neue Struktur ermöglicht nach Angaben von Denic-Pressesprecher Klaus Herzig außerdem ein leichteres Einpflegen weiterer Zeichensätze, so daß die erweiterte lateinische Schrift nur ein erster Schritt zu wirklich internationalen Domainnamen mit beispielsweise chinesischen oder persischen Schriftzeichen ist.

          Afilias mit zunächst drei Zeichen

          Afilias und auch die österreichische Vergabestelle halten es für leichter, die technischen Probleme zunächst an drei Zeichen auszuräumen und dann zu erweitern. Dabei verschob sich bei Afilias der Starttermin mehrfach, da viele verschiedene Programme auf Kompatibilität geprüft werden mußten, was die Umstellung des eigentlich auf die englische Sprache ausgelegten Internet auf Landesspezifika erschwerte.

          Auch wenn es möglich sein wird, bei Afilias IDN zu registrieren, ist die Seite jedoch noch nicht sofort online. Das dauert noch bis zum 15. April, weil bis dahin eine Sperrfrist läuft, in der Interessenten für neue Domainnamen sich zwar registrieren können, jedoch bis zu einer Klärung der Namens- und Markenrechte abwarten müssen. Denn in einem Teil der Fälle möchten sich vermutlich zwei oder mehr Nutzer einen bestimmten Namen sichern. Dann muß geklärt werden - vielleicht sogar vor Gericht - wer den Namen bekommt. Grundsätzlich bekommt ihn derjenige, der sich zuerst registriert, wenn er ein Recht auf den Namen nachweisen kann. So könnte ein Herr Müller die Domain www.müller.de registrieren und aufgrund des Namensrecht zurecht behalten, aber ein Herr Meier, der den Namen später teuer an Milchreis-Müller verkaufen will, würde die Domain abtreten müssen. Denn das sogenannte Domaingrabbing ist weit verbreitet. Afilias will das durch die Sperrfrist verhindern. Die Denic verzichtet auf eine solche Sperrfirst und verweist darauf, daß der, der eine Domain registriert, selbst die rechtlichen Weiterungen zu tragen hat.

          Goethe bleibt Goethe

          Außerdem schreiben weder Denic noch Afilias schon registrierte Namen, die Umlaute enthalten könnten, automatisch um. mueller.de wird also nicht automatisch zu müller.de, denn es gibt nach Angaben der beiden Vergabestellen keinen sachlichen Grund, daß die Domains mit Umlauten etwas mit denen ohne zu tun hätte. Die Denic gibt als Beispiele www.bauer.de, das als baür.de umzuschreiben wäre, oder poet.de und pöt.de an. Anhand solcher Beispiele und statistischer Auswertungen fand das Institut für Deutsche Sprache, das bei den Regelungen mitarbeitete, heraus, daß die 1:1-Umschreibung nur in einem kleinen Teil der Fälle sinnvoll ist. Wer also eine Domain mit Umlauten will, muß sich ganz normal dafür registrieren lassen.

          Nun gibt es eine Ausnahme im deutschen Schriftsatz, die sich auch mit den neuen Domainnamen nicht greifen läßt. Das ß wird es nicht geben, denn als die allgemeingültige Zeichentabelle ASCII definiert wurde, wurde das ß mit ss gleichgesetzt. Und das passiert auch in Domainnamen. Denn alle IDN müssen, ehe sie von einem Server verarbeitbar sind, zunächst durch einen Filter, der Vorgaben wie ß=ss umsetzt und Groß- in Kleinbuchstaben umwandelt. Danach werden sie in ASCII-Zeichen übersetzt, die jeder Computer und alle Programme verstehen. Dabei werden Umlaute mittels eines bestimmten Codes übersetzt, der festsetzt, wie die Übersetzung lauten muß, damit die Umlaute am richtigen Ort sitzen. zääz.de würde danach beispielsweise zu xn--zz-viaa.de. Dazu hat die Icann, das Gremium zur Vergabe von Internet-Adressen, einen Standard definiert, den jetzt auch Denic und Afilias anwenden. Dieser sogenannte Punycode übersetzt eindeutig IDN in die Buchstaben von A-z, die Zahlen 0 bis 9 und das Zeichen Minus (-).

          Die ASCII-Übersetzungen sind auch das, was Internet-Nutzer eingeben müssen, wenn sie mit Programmen arbeiten, die nicht IDN-fähig sind. Zwar sollen die Browser Netscape 7.1, Mozilla 1.4 und Opera 7 die neuen Namen selbstständig erkennen und übersetzen, doch bis auch der Internet Explorer und alle Mailprogramme das tun, wird noch Zeit ins Land gehen.

          Zusammen mit .de gelten die Domainnamen mit Umlauten auch für Domains mit den Länderendungen .ch, .at und .li. Damit ist die Einführung der IDNs im deutschsprachigen Raum flächendeckend.

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