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Dokumentarfilmer Andreas Kieling : Die Bären sind nicht deine Freunde

„Kein Land auf der Erde bietet solche Vielfalt“: Kieling entdeckt in ganz Deutschland die Natur - selbst im Hotelfoyer in Leipzig Bild: Busse, Christoph

Einsames Kind, Radsportler, DDR-Flüchtling, Matrose, Jäger und Tierfilmer: Andreas Kieling hat ein abenteuerliches Leben. Er ist nur zwei Monate im Jahr daheim.

          Andreas Kieling schnieft, seine Stimme ist belegt. Auf seiner jüngsten Reise hat er sich erkältet, ausgerechnet, denn es ist keine Abenteuer-, sondern eine Vortragstour durch Deutschland, die er „Mein Leben mit wilden Tieren“ genannt hat und bei der Alaska eine große Rolle spielt. Gut 14 Jahre, mit Unterbrechungen, lebte er im Norden Amerikas und zog sich, wie er sagt, nie eine Erkältung zu. Die Luft dort sei einfach zu kalt und zu trocken für Bakterien. Hinzu kommt, dass er in der Wildnis oft monatelang mit niemandem außer sich selbst und seinem Hund redete, nun aber jeden Abend vor Tausenden Zuschauern zweieinhalb Stunden lang ununterbrochen frei sprechen musste.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Kieling ist erstmals auf Tournee gewesen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft“, sagt er vor einem Auftritt in Leipzig, der wie die meisten anderen bereits seit Wochen ausverkauft ist. Nach jedem Vortrag steht das Publikum - Familien, Jugendliche, Rentner - Schlange, lässt sich seine Bücher signieren und Tipps für Trips geben. Kieling freut das sehr, aber die Tour (die inzwischen zu Ende gegangen ist) hat ihm auch zu schaffen gemacht. Selten war er vor Mitternacht im Bett, jeden Tag in einer anderen Stadt, und immer wieder stürmten Menschen mit neuen Wünschen auf ihn ein.

          52 Jahre, die man ihm nicht ansieht

          Auf der Bühne trägt er Turnschuhe, Jeans und ein rotes Kapuzenshirt; sein Gesicht ist gegerbt von Sonne, Wind und Kälte, der Körper durchtrainiert, seine 52 Jahre sieht man ihm nicht an. 200 Liegestütze macht er täglich, joggt, fährt Rad und boxt. Zum Gespräch hat er einen mächtigen Tierschädel mitgebracht, den er später auch stolz dem Publikum zeigen wird. Der Knochen ist schmal, mit Öffnungen für Augen und einer Art Trichter für die Nase. Ist es ein Elch, ein Hirsch oder ein Keiler? Kieling lacht. „Die meisten tippen auf Drachen“, sagt er, auch weil er das Skelett in Alaska in einer Höhle fand und das Tier längst ausgestorben ist. Es ist der Schädel eines Kurzschnauzen-Bärs, eines Vorläufers des Grizzlys.

          Kieling hat lange mit Grizzlys, Schwarz- und Eisbären gelebt und kennt die Tiere wie kein Zweiter; im Fernsehen nennen sie ihn deshalb auch den „Bärenmann“. Zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählen die von Grizzlys, welche an einem Wasserfall in Alaska auf springende Lachse warten, die ihnen einfach ins Maul fliegen. Für solche Bilder ist Kieling Monate mit Bären unterwegs, er gewinnt ihr Vertrauen, so dass sie ihn und seine Kameras kaum noch beachten. Sowohl die Tiere als auch sich selbst beim Filmen nimmt er auf. Man kann das für eitel halten, doch entstehen auf diese Weise sehr persönliche, beinahe intime Expeditionsberichte.

          Natur und Tiere faszinieren ihn seit jeher. Als Kind liebt er den Wald vor seinem Haus am Rande von Gotha in Thüringen. Mit drei Jahren fängt er Eidechsen, beobachtet Fische im Bach und Wildschweine und Füchse auf der Lichtung. Später, als ihn Menschen schwer enttäuschen, wird seine Leidenschaft fast zur Manie. Sein Vater verlässt die Familie, da ist Kieling gerade sieben Jahre alt; der Stiefvater verprügelt den Jungen, die Mutter steht schweigend daneben. Kieling flüchtet sich in die Natur, ist tagelang mit dem Rad unterwegs, übernachtet allein im Wald, fängt Hirschkäfer und prägt sich mit Bestimmungsbüchern Namen von Tieren und Pflanzen - auch auf Latein - ein.

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