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Döner in Vietnam : Ein Stück „deutscher Esskultur“

  • Aktualisiert am

Döner gilt in Hanoi als „typisch deutsches Studentenfutter” Bild: dpa

Kulturexport der etwas anderen Art: Am Goethe-Institut in Hanoi wurden vor fünf Jahren die ersten Döner als „typisch deutsches Studentenfutter“ verkauft. Inzwischen gibt es Hunderte Stände in der vietnamesischen Hauptstadt. Ein Vietnamese brachte das Rezept aus Augsburg mit.

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          Hanoi kann sich als typisch asiatische Metropole vor Garküchen und Mini-Restaurants am Straßenrand nicht retten. Fast an jeder Ecke wird gebrutzelt und gekocht. Seit zwei, drei Jahren macht sich jedoch ein neues Phänomen im Stadtbild breit: Der Döner-Kebab-Stand - ein Stück „deutscher“ Esskultur.

          Das hat gute Gründe: Die Idee hat ein Vietnamese aus Augsburg mitgebracht. Der erste Grill stammte aus Deutschland und die Gewürze für die Soße ebenfalls. Am Goethe-Institut, dem deutschen Kulturzentrum, wurden vor fünf Jahren die ersten Döner als „typisch deutsches Studentenfutter“ verkauft. Inzwischen gibt es Hunderte Stände in der Stadt.

          Drahtzieher der Döner-Revolution ist Tran Minh Ngoc, seines Zeichens Küchenchef im Restaurant des Goethe-Instituts. Dort gibt es Sauerkraut, Spätzle und andere deutsche Köstlichkeiten. „Uns wurde aber schnell klar, dass die Gerichte, die wir hier anbieten, für die meisten Studenten zu teuer sind“, erzählt der Koch im Garten des Instituts. Billiger geht es nicht, weil er viele Zutaten einführen muss: Gewürze wie Majoran etwa, oder Sahne. „Wir wollten aber auch etwas für Studentengeldbeutel anbieten.“

          Inzwischen gibt es Hunderte Stände

          Tran dachte zuerst an Frikadellen mit Brötchen und Bratwurst mit Pommes, doch irgendwie klappte das nicht. „Es sollte ja auch etwas besonderes sein“, sagt er. Dann entsann sich der 47-Jährige an seinen Aufenthalt in Augsburg. Tran war 1989 Student in der Tschechoslowakei, einem sozialistischen Bruderstaat Vietnams, als die Berliner Mauer fiel. Plötzlich rückte der Westen in Reichweite. „Ich wollte Abenteuer, also bin ich rüber und in Augsburg gelandet.“ Dort arbeitete der Student bis 1996 in einer Weinkellerei. „Plötzlich fiel mir ein: wir haben uns dort immer von Döner ernährt“, erklärt er.

          Eine kurze Kalkulation ergab: für 40 Cent könnte das Goethe-Institut einen respektablen Döner mit Brot, Krautsalat und Soße auf die Beine stellen. Das rentierte sich aber nur im Straßenverkauf. So besorgte sich Tran in Deutschland einen Döner-Grill, baute ein Wägelchen auf Rollen dafür und stellte das Gefährt vor dem Goethe-Institut auf. „Erst probierten es die Studenten aus und sie waren begeistert“, berichtet Tran amüsiert. „Innerhalb kurzer Zeit kamen immer mehr Leute, wir hatten richtige Warteschlangen vor unserem Stand.“

          Er ließ sofort weitere Stände bauen. Inzwischen besitzt Tran zehn Stück. Doch zeigt ein Streifzug, dass sein Beispiel Schule gemacht hat. Hunderte, schätzt der erste Dönerverkäufer von Hanoi, haben inzwischen das schmackhaften Fleischgericht kopiert. Das stört ihn nicht. „Ich habe die Idee ja auch nicht erfunden, sondern bei anderen abgeschaut“, sagt Tran. Allerdings ist er überzeugt, dass nur seine Döner dem Original wirklich nahe kommen.

          „Wir haben uns natürlich ein bisschen dem vietnamesischen Geschmack angepasst“, erklärt der Standbesitzer. So verwendet er in der Regel Schweinefleisch, weil Lamm zu teuer ist. Statt des üblichen Pita-Brotes benutzen die vietnamesischen Verkäufer kurze, breite Baguettes - ein Überbleibsel der französischen Kolonialzeit. Sie haben mit dem leichten Weißbrot die Brot-Maßstäbe in Vietnam gesetzt. „Aber unsere Soße - das ist das beste, was es in der Stadt gibt“, versichert Tran. „Wir tun deutsche Gewürze rein - mehr verrate ich nicht.“

          Inzwischen kostet der Döner umgerechnet 60 Cent in Hanoi - und findet immer noch reißenden Absatz.

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