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„Discovery“ : Nasa: Geringe Gefahr für die Crew

  • Aktualisiert am

Hier löst sich die Discovery vom Tank Bild: REUTERS

Beim Start der Discovery hat sich ein Trümmerstück abgelöst und möglicherweise das Hitzeschild beschädigt. Inzwischen gibt die Nasa so gut wie Entwarnung: „Die Ingenieure sind nicht der Meinung, daß das eine wichtige Sache ist“.

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          Nach dem Ablösen eines Trümmerstücks beim Start der Raumfähre Discovery hat die Nasa die Gefahr für die Crew als gering eingeschätzt.

          „Die Ingenieure sind nicht der Meinung, daß das eine wichtige Sache ist“, sagte der leitende Direktor für den Shuttle-Flug, Paul Hill, am Mittwoch vor Journalisten in Houston. Die amerikanische Raumfahrtbehörde habe damit gerechnet, daß beim Start des Shuttles eine gewisse Zahl von Trümmern abplatzen werde. Die gesamte Mission verlaufe „außerordentlich gut“, betonte Hill.

          Analyse soll bis Donnerstag abgeschlossen sein

          Aufnahmen vom Start der Discovery hatten am Dienstag gezeigt, daß sich beim Absprengen des Tanks ein Trümmerstück von der Raumfähre löste und möglicherweise auch ein kleines Stück einer Hitzekachel abplatzte. Schäden am Hitzeschild waren Schuld am Absturz der Vorgänger-Raumfähre Columbia.

          Hat das Trümmerteil das Hitzeschild beschädigt?

          Die Nasa will ihre Analyse des Vorfalls vor dem Andocken der Discovery an die Internationale Raumstation (ISS) am Donnerstag abgeschlossen haben. Die Discovery-Besatzung suchte am Mittwoch die Außenwände des Shuttles mit Hilfe einer Infrarotkamera und eines ausfahrbaren Roboter-Schwenkarms nach möglichen Schäden ab. Nasa-Experten am Boden untersuchten Fotos vom Start auf Hinweise, ob die abgesprengten Trümmerstücke Schäden am Shuttle verursachten, die möglicherweise repariert werden müssen (siehe auch: Video: Nasa inspiziert Discovery).

          Kleine Schäden nicht ungewöhnlich

          Laut einem Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde ist es nicht ungewöhnlich, daß sich beim Start einer Raumfähre Material ablöst und sie trotzdem sicher zurückkehrt. Über mehrere von Vögeln verursachten Dellen in der Außenhaut des Shuttle schien sich sowieso niemand Sorgen zu machen.

          Die Erleichterung nach dem erfolgreichen Start - neben der Landung die gefährlichste Phase der Mission - war am Dienstag deutlich zu spüren, ebenso aber auch die Nervosität nach der Entdeckung der beschädigten Hitzekachel. Sie rief sofort die Erinnerungen an die Katastrophe vor 30 Monaten wach: Damals war beim Start der Columbia ein Stück des Isolierschaums vom Außentank abgeplatzt und hatte unbemerkt die Hitzekacheln an der linken Tragfläche des Raumgleiters beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre hatten dann extrem heiße Gase das Aluminiumgerüst des Orbiters verglühen lassen. Beim Landeanflug brach das Shuttle auseinander, für die Crew gab es keine Rettung mehr.

          Pünktlicher Start

          Vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral war die Raumfähre am Dienstag pünktlich um 16.39 Uhr MESZ gestartet (siehe auch: Video: „Discovery“ erfolgreich gestartet). Nach dem Start beschleunigte die Discovery nach Angaben der Nasa innerhalb von nur acht Minuten auf eine Geschwindigkeit von mehr als 27.000 Kilometern in der Stunde. Weniger als neun Minuten nach ihrem Start hatte die Discovery ihre Erdumlaufbahn erreicht. Kurz zuvor war planmäßig der Haupttank abgesprengt worden. Die beiden Feststoff-Antriebsraketen waren schon nach zwei Minuten gelöst worden.

          Die beiden größten Risiken waren unmittelbar vor dem Start aus dem Weg geräumt. Nach Angaben der Nasa-Meteorologin Kathy Winters zeigte sich das Wetter besser als erwartet. Die Startwahrscheinlichkeit stieg von sechzig Prozent am Montag auf neunzig Prozent. Nach dem knapp dreistündigen Befüllen des fünfzig Meter hohen Außentanks mit 1,9 Millionen Litern flüssigem Wasser- und Sauerstoff atmeten auch die Nasa-Techniker auf. Bei den folgenden Tests zeigten alle vier Sensoren am Außentank „normal“ an. Ein Defekt am Sensor zwei hatte am 13. Juli noch zum Startabbruch geführt.

          Drei Spaziergänge im Weltall vorgesehen

          Wichtigste Aufgabe während des zwölftägigen Einsatzes ist nach Angaben der Nasa, das Shuttle auf mögliche Defekte zu untersuchen und neue Techniken für die Reparatur von Hitzekacheln auszuprobieren. Die Discovery soll außerdem rund fünfzehn Tonnen Nachschub an Verpflegung und Wasser sowie an Ausrüstungsteilen zur ISS bringen. Seit dem Absturz der Columbia hatten russische Raumfahrzeuge die internationale Raumstation allein versorgen müssen. Die russischen Schiffe haben allerdings eine weit geringere Transportkapazität als die amerikanischen Shuttles. Insgesamt sind drei Spaziergänge im Weltall vorgesehen, die jeweils länger als sechs Stunden dauern sollen.

          Die geplanten Stationen der Discovery im einzelnen: 28. Juli, 13.18 Uhr MESZ, Andocken an der Raumstation ISS; 30. Juli, 10.44 Uhr MESZ, erster Weltraumausstieg, sechseinhalb Stunden; 1. August, 10.14 Uhr MESZ, zweiter Weltraumausstieg, sechseinhalb Stunden; 3. August, 10.14 Uhr MESZ, dritter Weltraumausstieg, sechseinhalb Stunden; 5. August, 10.27 Uhr MESZ, Abdocken von der Raumstation ISS; 6. August, 11.14 Uhr MESZ, Interviews mit Besatzung; 7. August, 10.44 Uhr MESZ, Wiedereintritt in die Atmosphäre; 7. August, 11.46 Uhr MESZ, Landung in Cape Canaveral.

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