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Turmspring-WM : Kommt ein Dirndl geflogen

  • Aktualisiert am

Strecksprung: Diese Teilnehmerin mag es klassisch. Bild: dpa

In Nürnberg kämpfen Männer und Frauen um den WM-Titel im Dirndl-Turmspringen. Die Herkunft dieses sonderbaren Sports ist umstritten.

          2 Min.

          Ein sonniger, warmer Samstag in einem Freibad in Nürnberg: Am Eingang sitzt eine Blaskapelle und spielt typisch bayerische Musik. Hier und da sind Damen und sogar Herren im Dirndl unterwegs. Pink, grün, beige, rot - es geht bunt zu. Was wie ein Volksfest im Schwimmbad aussieht, ist die Dirndl-Flug-Weltmeisterschaft.

          Dabei stellt sich ähnlich wie bei einem bekannten Halsbonbon die Frage: Wer hat es erfunden? „Die Österreicher sagen: Sie waren es. Es gab damals eine Damengesellschaft, die keine Badekleidung dabei hatte und angeblich mit dem Dirndl ins Wasser ist“, sagt Veranstalter Patrick Kraft. „Die Bayern sagen: Sie waren es. Eine Bäuerin war verschwitzt wollte aber nicht nackig ins Wasser.“

          Fiffi springt mit: Noch sitzt die falsche Frisur.

          Das Freibad ist ganz gut gefüllt. Die Blaskapelle umrundet das Becken, im Schlepptau: die Teilnehmer in Tracht. Da ertönt das Startkommando: „Auf die Dirndl, fertig, los.“

          Männer, Frauen in Dirndl - einzeln oder in Teams gehen an den Start, die Teilnehmer haben sich ausgefallene Namen ausgesucht: „Bobbers“, „Flipper“, „Jumper 007“ oder „Oma“. Dem Gewinner winkt ein Reisegutschein über 1200 Euro.

          Männer erwünscht: Auch wenn sie nicht die besten Haltungsnoten bekommen.

          „Bobbers“ heißt eigentlich Christian: Seine Firma ist einer der Sponsoren der Veranstaltung. Deshalb war es klar, dass er und seine Kollegin Franziska mit auf den rund zwei Meter hohen Sprungturm müssen.

          Als das Team an der Reihe ist, springt Franziska auf Christians Rücken und beide landen nicht besonders elegant im 22 Grad kalten Wasser. Doch dem Publikum und der Jury gefällt es: Vier Mal gibt es die Höchstpunktzahl 6, einmal die Note 5.

          Aufgeblasen: Hilfsmittel sind erlaubt.

          „Bobbers“ freut sich: „Wir haben als einzige eine Slapstick-Einlage hingelegt.“ Die Jury schaut besonders darauf, wie das Dirndl sitzt, ob die Teilnehmer auch noch Accessoires wie Hut oder Schirm dabei haben und wie der Sprung am Ende aussieht.

          Clemens aus Schwabach und Steffi aus Nürnberg sind die letzten beiden Teilnehmer in Runde eins, danach entscheidet sich, wer ins Finale springt. Steffi hat einen wahren Turm von einer Rokoko-Perücke auf dem Kopf, in der rechten Hand einen Fächer. „Es ist schon ein bisschen warm unter der Perücke“, sagt sie.

          Clever: Ein Schirm hilft beim Fliegen und gegen Regen.

          Clemens mit Badekappe auf dem Kopf und Schwimmflügel an den Armen will mit einem dreifachen Salto überzeugen, doch er hofft, nicht ins Finale der Besten zu kommen. Denn am späten Mittag hat der Schwabacher noch einen Termin. „Ab und zu trage ich auch gerne mal privat ein Dirndl“, erklärt Clemens voller Überzeugung. „Wenn ich zuhause beispielsweise wasche, ziehe ich mein Dirndl an - auch ohne Höschen. Da habe ich dann meine Freude dran.“

          Und genau darum geht es auch Veranstalter Patrick Kraft bei der Dirndl-Flug WM: Um den Spaß. Darum fragt auch kaum einer ernsthaft danach, wer diesen schrägen Wettbewerb gewonnen hat. Es war übrigens eine gewisse „Gitti Glitter“ alias Eva, im grün-weiß karierten Dirndl.

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