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Digitales Kino : Wie die Bilder besser laufen lernen

  • -Aktualisiert am

Bilder wie dieses aus dem Film „Balls of Fury” könnten mit digitaler Technik im Kino noch schärfer werden Bild: ddp

Das Leinwandtheater gewöhnt sich nur langsam an das digitale Kino. Dabei gefällt die bessere Bildqualität nicht nur Kameraleuten, sondern auch Zuschauern. Dennoch rüsten Kinobetreiber nur zaghaft um, denn die Kosten dafür sind hoch.

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          „Was, hier werden noch richtige Filmrollen eingelegt?“ Die Verwunderung von Kinogängern über das Polyester teilen auch Leute vom Film. Der Regisseur Wolfgang Petersen bemerkte einmal, wie seltsam es sei, dass im Internetzeitalter weiterhin Lastwagen über Land fahren und Filmrollen transportieren, bevor Kinovorführer mehrere Rollen zu einem großen „Teller“ zusammenkleben, um den kompletten Spielfilm abzuspulen. Bei großen Filmstarts wie „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“ werden mehr als 1000 Kopien durch Deutschland gefahren, bevor sie am Ziel angelangt sind: im Vorführraum der Kinos.

          Und was gibt es zu sehen? Allzu oft technisch minderwertige Qualität. Heute reißt zwar kaum noch ein Film. Aber allzu oft sieht man Farbschlieren oder lauscht einer miserabel verarbeiteten Tonspur. Der Vorführer trägt daran keine Schuld – für die Massenkopien sind die Verleiher verantwortlich. Dass solche Bilder auch besser laufen können, beweisen brillante Gala- und Pressevorstellungen von Premierenkopien auf Festivals. Warum also sollte nicht auch das Lichtspieltheater in der Provinz von der digitalen Moderne ausgeleuchtet werden?

          Sisyphos-Kampf der Provinz-Kinobetreiber

          Oder sind das nur Illusionen? Florian Stiglhofer, der im bayerischen Oberstdorf unter anderem das Kurfilmtheater betreibt, meint: „Der durchschnittliche Besucher wird zunächst keinen Unterschied zur herkömmlichen Projektion erkennen.“ Kameramann Benedict Neuenfels, dessen jüngste Arbeit „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ im Oktober in den Kinos anläuft, hält dagegen: „Ich werde froh sein, wenn es endlich eine flächendeckende digitale Projektion gibt. Erst dann sind meine Filme in jedem Kino auf der Welt in der gleichen Bildqualität erlebbar.“

          Das Digitale erblickte in den neunziger Jahren das Licht der Kinowelt. Zunächst kamen die mehrkanaligen digitalen Tonformate Dolby Digital und DTS zum Einsatz. Im Juni 1999 wurde mit George Lucas’ Sternensaga-Fortsetzung „Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“ erstmals eine durchgängig digitale Filmkopie an vier amerikanische Kinos ausgeliefert. Seitdem haben sich zwei Leinwand-Realitäten herausgebildet: Die Technikwelt buchstabiert erbarmungslos 2K, DLP, DCP, JPEG 2000, DCI, SMPTE und andere Akronyme durch, die Kunstwelt wird meist noch vom schlichten 35-Millimeter-Film dominiert und erlebt den gewohnten Sisyphos-Kampf der Provinz-Kinobetreiber um Startkopien. Das alles vor einem dramatischen Abspann: der Angst der Branche, dass die Zuschauer zugunsten von DVD-Player und Flatscreen-Fernseher der Leinwand Lebewohl sagen.

          Die Umrüstung ist teuer

          Das Historienepos „The Last Samurai“ mit Tom Cruise im Jahr 2003 gilt als der hundertste Hollywood-Film, der digital vertrieben wurde. Allmählich musste ein umfassender Standard her, der – ähnlich wie der seit 1889 gebräuchliche 35-Millimeter-Filmstreifen mit doppelseitiger Perforation – eine hochwertige Projektion ermöglicht. Die Digitalisierung muss von Ingenieuren der Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) in verbindliche Standards übergeführt werden. Bis Ende 2008 soll der Standardisierungsprozess abgeschlossen sein, sagt SMPTE-Mitglied Siegfried Fößel vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen. Parallel hat eine Standardisierung durch die internationale Normungsorganisation ISO eingesetzt, um das D-Cinema rundweg international etablieren zu können. Hersteller von Projektoren und Servern müssen nun ihre Geräte DCI-konform gestalten.

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