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Die Spenden : Auf Geld aus aller Welt gebaut

  • Aktualisiert am

Spendete Preisgeld: Nobelpreisträger Günter Blobel Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hat von Beginn an Menschen in aller Welt begeistert. Etwa 600.000 Spender haben 100 Millionen Euro aufgebracht. Spenden werden auch für den Unterhalt nötig sein.

          Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist ein Jahrhundertprojekt, das von Beginn an Menschen in aller Welt begeistert hat. Etwa 600.000 Spender haben 100 Millionen Euro aufgebracht - drei Viertel der reinen Bausumme von 132 Millionen Euro. Das macht das Projekt nach Einschätzung Bernhard Walters, des Vorsitzenden des Stiftungsrats der Stiftung Frauenkirche, zu einem Zeichen dafür, „daß wir eine Bürgergesellschaft sein können, wenn wir es wirklich wollen“. Die Kirche wird auch nach der Weihe auf Spenden angewiesen sein - zum Unterhalt.

          Die kleinsten Beträge kommen durch Besucher zusammen, die nach Führungen ein paar Münzen in den Spendenkasten werfen. Der größte Einzelbetrag stammt von der Dresdner Bank, die 1997 fünf Millionen Mark für die Innenkuppel gab. Zudem erwies sich das Geldinstitut als bester Spendensammler. Über die „Stifterbriefe“ der Bank kamen mehr als 60 Millionen Euro zusammen. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, Herbert Walter, ist die Stifterbrief-Aktion das bislang größte bürgerschaftliche Engagement in Deutschland. Der Verkauf einer Sondermünze des Bundes brachte 23 Millionen Euro.

          „Friends of Dresden“ in aller Welt

          Steinmetze und Schreiner spendeten ihre Gesellen- und Meisterstücke für das Projekt. So sind knapp 5000 Werksteine in den Bau eingefügt, auf denen die Handwerker wie zu alten Zeiten in die sichtbaren Seiten ein eigenes Zeichen einschlagen durften. Firmen oder Berufsgruppen finanzierten besonders markante Gebäudeteile; Säule D heißt heute inoffiziell „Zahnärzte-Pfeiler“, weil sie mit dem Geld gebaut werden konnte, das nach dem Spendenaufruf einer Fachzeitschrift zusammenkam. Rund um die Welt entstanden 21 Freundeskreise mit 11.000 Mitgliedern, etwa in New York die „Friends of Dresden“ des Medizinnobelpreisträgers Günter Blobel, der den größten Teil seines Preisgeldes spendete. Der Dresdner Trompeter Ludwig Güttler, 1990 einer der Unterzeichner des „Rufs aus Dresden“, sammelte mit Konzerten bis heute 33 Millionen Euro.

          Mehr als 700.000 Pfund steuerte der britische „Dresden Trust“ bei und bezahlte damit unter anderem das goldene Turmkreuz. Die zwischen Breslau und Posen gelegene polnische Kleinstadt Gostyn stiftete eine in Sandstein gehauene „Flamme der Versöhnung“. In Gostyn hatten Wehrmachtsoldaten im Zweiten Weltkrieg die Einwohner zusammengetrieben und dreißig von ihnen erschossen. Eine Gruppe junger Gostyner bildete daraufhin eine Widerstandsgruppe, die jedoch bald aufflog. Ihre Mitglieder wurden nach Sachsen deportiert und zum Tode verurteilt. Der heute 84 Jahre alte Marian Sobkowiak wurde begnadigt, weil er zu jung war. Am Sonntag will er zur Weihe in Dresden sein.

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