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„Solar Impulse 2“ : Ein Stempel für den Weltrekord

  • -Aktualisiert am

Fliegt ohne einen Tropfen Sprit: die „Solar Impulse 2“ am Himmel über Indien Bild: AP

Sie können Weltrekorde brechen, vielleicht sogar ohne einen Tropfen Benzin um die ganze Welt fliegen – aber die indische Bürokratie, die tricksen die Piloten der „Solar Impulse 2“ nicht aus.

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          Der Solarflieger muss eine Zwangspause einlegen. In den vergangenen fünf Tagen hatten die beiden Piloten André Borschberg und Bertrand Piccard alles versucht, um die notwendigen Stempel für den Weiterflug zu bekommen, „und jeden Tag sagte man uns ,morgen’“. So konnte die „Solar Impulse 2“ mit Pilot André Borschberg erst am Mittwoch aus der indischen Stadt Ahmedabad zu seiner nächsten Etappe um die Welt aufbrechen und weiter nach Varanasi fliegen – drei Tage später als geplant.

          Piccard konnte seinen Frust am Mittwoch nur mühsam verbergen. „Die Verspätung ist das Ergebnis von Verwaltungsarbeit, Papierkram und Stempeln.“ Er wolle niemanden persönlich etwas vorwerfen, aber es sei doch sehr ermüdend gewesen. Allerdings ist Piccard nicht ganz unschuldig an der Verspätung. Bei seiner Ankunft mit dem Solarflugzeug in Indien hatte er vergessen, seinen Reisepass abstempeln zu lassen. An jenem Tag gab es eine große Willkommensfeier. „Ich wurde überhäuft mit Girlanden, Schals und Geschenken und habe das dabei schlicht vergessen.“

          Das nächste Ziel: Varanasi

          Schon die vorherigen Stationen ihrer Reise wurden von vielen Menschen aufmerksam verfolgt. Die „Solar Impulse 2“ war am 9. März in Abu Dhabi am Persischen Golf gestartet. Das Ziel der ersten Etappe war Maskat, die Hauptstadt des Sultanats Oman. Das allein von Sonnenenergie angetriebene Flugzeug brauchte dann fast 16 Stunden bis nach Ahmedabad im Westen Indiens. Die Pause, die Borschberg und Piccard dort einlegen mussten, dauerte wegen der bürokratischen Vorschriften dann jedoch wesentlich länger als geplant.

          Der Vorgang in Ahmedabad dürfte auch Indiens Premierminister Narendra Modi in Verlegenheit bringen. Schon im Wahlkampf hatte Modi der ausufernden Bürokratie in Indien den Kampf angesagt und angekündigt, das Dickicht aus Gesetzen, Bestimmungen und Regelungen zu lichten und Formalitäten zu vereinfachen – auch um vermehrt ausländische Investoren anzulocken. Seine Unterstützer verweisen dabei immer wieder auf Modis Erfolge als Ministerpräsident von Gujarat. Nur: Ahmedabad liegt in Gujarat.

          Pilot Piccard veröffentlichte bei Twitter mehrere Fotos, auf denen er glücklich mit seinem abgestempelten Reisepass in die Kamera blickt. Dazu der Kommentar: „Before having the stamp, you are nobody. Thank you all for your support.“

          Das nächste Ziel seines Solarflugzeugs ist Varanasi. Der Flug quer durch Indien ist mehr als 1000 Kilometer lang und soll rund 15 Stunden dauern. Die Stadt am Ganges gilt gläubigen Hindus als heilig. Millionen Inder pilgern jedes Jahr in die Tempelstadt, um in den Ganges einzutauchen. Für alte Menschen ist es oft die letzte Reise. Sie glauben, den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen, wenn sie in Varanasi sterben.

          Für die „Solar Impulse 2“ ist es hingegen erst die dritte von insgesamt zwölf Etappen auf ihrer Reise um die Welt. Von Varanasi soll es weiter über nach Myanmar gehen. Der 2,5 Tonnen schwere Einsitzer wird auch dann nur mit Sonnenenergie angetrieben. So wollen Borschberg und Piccard für die Förderung erneuerbarer Energien werben. Wann sie die Welt umrundet haben werden, ist ungewiss.

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