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Gestiegene Erwartungen : Her mit der Polizei!

Polizei im Einsatz: Blockupy-Proteste 2015 in Frankfurt Bild: Jens Gyarmaty

Die Sehnsucht der Bevölkerung nach einer starken Polizei ist so groß wie seit Jahren nicht mehr. Der „Schutzmann“ soll uns Sicherheit geben. Gefährdet aber sind vor allem die Polizisten selbst.

          Alle lieben nun die Polizei. Nach München, weil alle Angst um Leib und Leben hatten, als man nicht wusste, ob sich dort jetzt Paris oder Nizza oder Brüssel wiederholt oder alles zusammen, und deshalb innerhalb von Minuten alles auf die Straße geworfen wurde, was an Einsatzkommandos in Deutschland und Österreich zu haben war – vor den Augen der Welt, tadellos funktionierend.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Schon während des Einsatzes wurde die Polizei auf allen Kanälen gelobt, der Pressesprecher der Münchner Polizei als Star gefeiert, und selbst Renate Künast twitterte nicht: „2300 Polizisten für ein paar vermeintliche Terroristen? Ist das nicht too much? Fragen!!!“

          So schnell wie Todesangst wirkt keine Imagekampagne. Es braucht also, so niederschmetternd das für die Polizei sein muss, Lebensgefahr und die Bilder von SEKlern mit MP im Anschlag, um vielen Menschen vor Augen zu führen, dass die Polizei, und zwar auch eine ganze Menge davon, zur Stelle ist, wenn man sie braucht. Dass diese Polizisten nicht nur die „Schupos“ sind, die mit der roten Kelle winken oder einen anhalten, wenn man beim Fahrradfahren mit dem Handy telefoniert.

          Über Nacht, durch die Nacht von München in erster Linie, aber auch zuvor die Nächte von Würzburg und danach Ansbach, ist nun der Polizist, der eigentlich doch „Freund und Helfer“ sein sollte, wieder zum „Schutzmann“ im Wortsinne geworden, zum Schutzmann der gesamten Nation jedoch. Eine Rolle, die so deutlich noch nie zuvor von ihm verlangt wurde.

          „Sicherheitspakete geschnürt“

          Denn bislang war die Polizei in der öffentlichen Wahrnehmung immer für den Schutz von Individuen oder den Schutz bestimmter Gruppen zuständig: von Politikern und Industriellen zu Zeiten der RAF, heute vor allem von Asylbewerbern, um sie vor den zunehmenden rechtsextremen Übergriffen zu schützen.

          Wer als Bürger jedoch nie (potentielles) Opfer war, hat sich meist wenig um Polizei in ihrer Schutzfunktion gekümmert, es sei denn, wenn Missstände anzuprangern waren wie die Fehler, die während der Ermittlungen zu den NSU-Morden gemacht wurden. Jetzt nimmt jedoch die breite Masse „ihre“ Polizei in die Pflicht. Zu spüren war es das erste Mal direkt nach den Geschehnissen in der Silvesternacht auf der Kölner Domplatte, als alle Welt, auch Polizeiskeptiker der Grünen, auf einmal tönte: Her mit der Polizei!

          Ein paar Monate und viele Anschläge später werden nun in Deutschland „Sicherheitspakete geschnürt“, allein Bayern will nicht nur 2000 Polizisten bis 2020 einstellen, sondern auch ballistische Helme, spezielle Schutzwesten und gepanzerte Fahrzeuge anschaffen.

          Die Erwartungen steigen

          Die Hightech-Warrior-Anmutung täuscht indes schnell darüber hinweg, worum es eigentlich geht: dass diese Helme bestimmter Munition, der aus Kriegswaffen wie Kalaschnikows, trotzen sollen, ohne durchschossen zu werden. Denn, wie es ein Polizist formuliert: „Unsere normalen Westen der Schutzklasse 1 sind für Beschuss mit Kurzwaffenmunition konzipiert. Doch da muss man jetzt umdenken.“

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