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Gestiegene Erwartungen : Her mit der Polizei!

Von den vielen Online-Bewerbungen, die „zum Spaß schnell mal abgeschickt werden“, bleibe jedoch am Ende oft nicht die Anzahl „qualifizierter“ Bewerber übrig, die nötig sei, um die offenen Stellen zu besetzen, sagt Schulz.

Viele Bewerber scheitern auch schon vor den Aufnahmetests, die auf ihre Bewerbung erst noch folgen. Schulz berichtet von einem jungen Mann, der nach seiner Bewerbung aufgefordert wurde, seine Geburtsurkunde nachzureichen, und dann das kleine Armband mit seinem Namen drauf schickte, das ihm als Neugeborenem im Krankenhaus umgebunden wurde.

Anforderungen herabgestuft

Nach Bewerbern, vor allem auch solchen mit Migrationshintergrund, sucht die Polizei inzwischen auf allen Kanälen mit aufwendigen Video-Clips und Bildern durchtrainierter, smarter Polizistinnen und Polizisten. Ein eigener Instagram-Account soll jetzt auch der durch die Flüchtlingskrise besonders beanspruchten Bundespolizei helfen, Interessenten für ihre „vielfältigen Karrieremöglichkeiten“ zu begeistern.

Dabei stuft die Polizei die Anforderungen an ihre Bewerber schon seit längerem herab, vieles gilt inzwischen als verhandelbar: das Höchstalter, der Notendurchschnitt, der Sporttest, die Mindestgröße. Hier war zum Beispiel die Bundespolizei mit bislang 1,65 Meter für Männer und 1,63 Meter für Frauen nie besonders fordernd. Jetzt heißt es dazu bei Facebook auf der „offiziellen Karriere-Fanpage“ der Bundespolizei: „Eine weitere gute Nachricht: Für die Einstellung 2016 ist keine Mindestgröße mehr vorgesehen.“

Offenbar denkt man erstmals auch darüber nach, ob sichtbare Tätowierungen an Gesicht, Hals oder Händen wirklich K.-o.-Kriterien bleiben müssen. Rechtschreibfehler sind es schon lange nicht mehr: Schleswig-Holstein will im Prüfungsdiktat des Auswahlverfahrens keine Rechtschreibfehler mehr zählen, um die Durchfallquote zu senken.

„Wir helfen beim Anziehen“

Da könnte sich die Polizei über den Zuspruch von Polizistensohn Jan Böhmermann eigentlich freuen, der mit seinem Anti-Gangsta-Rap-Song „Isch hab Polizei“ dem Kasperle-Polizisten ein Hipster-Hau-drauf-Modell entgegenstellt: „Polizei kennt von jeden BMW den Fahrzeughalter. / Guck mal am Gürtel da. Mein Gott Walther! / Polizei fickt dich böser Junge und deine Gangsta-Ehre. / Denn Polizei hat Maschinengewehre.“

Als „gelungen“ bezeichnete das Video Kevin Komolka, 27, Bundesvorsitzender der „Jungen Gruppe“ der GdP. Auch wenn „nicht alle Aussagen“ zuträfen (damit meint er vielleicht Zeilen wie „Brichst du Gesetz, bricht Polizei dir die Beine“), könne er sich doch vorstellen, dass junge Leute durch das Video „Lust“ bekämen, sich mit Polizei zu befassen und „bei uns anzufangen“.

Wie viel Humor und Spaß an ihrem Job Polizisten allen Fährnissen zum Trotz haben können, zeigt eine Twitter-Aktion der Berliner Polizei, die unter dem Hashtag „#24hPolizei“ die Öffentlichkeit immer wieder mal mit Informationen über ihre Einsätze unterhält – und im Mai in einem Tweet mitteilte: „In #Mitte zieht sich gerade eine Frau vor einer Tram an der Endhaltestelle aus. Wir helfen beim Anziehen.“

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