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Gestiegene Erwartungen : Her mit der Polizei!

Angerempelt, im Gesicht getätschelt

Als „Prügelknabe der Nation“, wie es Polizeigewerkschafter gerne formulieren, will sich indes kein Polizist sehen. Die meisten lieben ihren Beruf, nehmen Risiken, Überstunden und mäßige Bezahlung hin, halten die Meinungsfreiheit hoch, selbst wenn die jüngste Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu der von Polizeigegnern gern zur Schau getragenen Parole „All cops are bastards“ (ACAB) von vielen als „falsches Signal zur falschen Zeit“ empfunden wird.

Was die Polizisten jedoch vielmehr umtreibt, ist die zunehmende Respektlosigkeit, die ihnen auf der Straße entgegenschlägt. Ein Empfinden, für das Polizisten sich fast entschuldigen zu müssen meinen. „Es mag altmodisch klingen, aber gerade auch dieser Mangel an Respekt fordert die Kollegen sehr, vor allem die jungen Polizisten. Das versuchen wir in den Trainings aufzufangen“, sagt Fritz Rüffel, Leiter des Karlsruher Innenstadtreviers und seit 1977 im Dienst.

„Aufzufangen“ heißt, im Einsatztraining in Rollenspielen immer wieder durchzuexerzieren, dass man bei jeder normalen Kontrolle mit „Fick dich“ beschimpft werden kann, dass Polizistinnen vor allem von Migranten als „Dreckshuren“, Polizisten als „Nazi-Ärsche“ geschmäht werden, dass man geduzt, angerempelt, im Gesicht getätschelt oder als „Vollpfosten“ verspottet wird.

„Deeskalieren“ als Handlungsprinzip

Vor allem aber wird trainiert, dass man sich dabei nicht provozieren lässt. „Deeskalieren“ als Handlungsprinzip. Dass die Impulskontrolle bei derartiger psychischer und körperlicher Beanspruchung in den meisten Fällen gelingt, während man sich gleichzeitig vor Tritten und Schlägen wegducken muss, spricht für Ausbildungsqualität und Berufsethos der Polizei.

Wie vielfältig der Polizeialltag sein kann, ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt; es sei denn, man bekommt zufällig mit, wie Polizisten – auch das gehört mitunter zum Job – morgens auf einem Spielplatz, der nachts als Schwulentreff genutzt wird, hinter dem Klettergerüst gebrauchte Kondome einsammeln, bevor Kinder diese finden.

Damit Staatsanwälte und Richter sich besser ein Bild davon machen können, über was sie zu verhandeln haben, laden manche Polizeiinspektionen sie regelmäßig ein, nachts mit auf Streife zu fahren. Das „Spannungsfeld“ dieses Berufs will die Kampagne „Auch Mensch“ der Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit Videoclips und Plakaten verdeutlichen: Man sieht zum Beispiel einen jungen Polizisten, der zur Hälfte in Uniform, zur anderen Hälfte zivil gekleidet ist. Auf der Uniformseite läuft ihm dickflüssige, blaue Farbe durch das Gesicht, nach einer Attacke mit einem Farbbeutel.

Viele scheitern schon vor den Aufnahmetests

Traumjob Polizei? Offenbar nicht mehr für allzu viele. Die Polizei nehme inzwischen jeden, „der kein Bein nachzieht und kein Strafverfahren gegen sich laufen hat“, meint André Schulz, Bundesvorstand des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BdK). Zwar würden die Bundesländer verneinen, dass die Bewerberzahlen drastisch zurückgingen. „Aber die zählen auch jede Online-Bewerbung dazu.“

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