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Gestiegene Erwartungen : Her mit der Polizei!

Widerstandshandlungen nehmen mit rund 20.200 Fällen die größte Gruppe der Delikte ein. Doch die Anzahl der Polizisten, die bei all diesen Gewalttaten Opfer wurden, ist fast doppelt so hoch: 64.371 Polizisten waren es 2015. Das hängt damit zusammen, dass ein um sich tretender und schlagender Mann, der in Gewahrsam genommen wird, direkt mehrere Polizisten verletzen kann.

Die einzig wirklich positive Entwicklung

Denn es sind nicht nur die Großereignisse wie Fußballspiele oder Demonstrationen, bei denen es zu einer „hohen Bereitschaft zur Gewaltanwendung“ kommt, wie das BKA hervorhebt. Gerade der Anteil allein handelnder Täter zeigt demnach, dass die zunehmende Gewaltbereitschaft auf der Straße den Polizeialltag prägt. So will man in Bayern, auch das wurde im aktuellen Sicherheitspakt beschlossen, Angriffe gegen Polizei- und Rettungskräfte schärfer bestrafen und das Strafmaß bei „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ auf bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe erhöhen.

Immerhin, das ist die einzig wirklich positive Entwicklung im Lagebild, wurden 2015 mit insgesamt 79 Polizisten deutlich weniger Beamte Opfer von versuchten Tötungsdelikten als noch 2014: da waren es 123 Beamte. Dass es dennoch so viele sind, wundert Polizisten nicht, die schon lange im Dienst sind: Ein Messer oder eine abgeschlagene Flasche hat man heute schneller am Hals als noch vor zwanzig Jahren.

Was jedoch nicht zurückgeht, sind die „einfachen Körperverletzungen“, die für den steten Anstieg von Fall- und Opferzahlen in erster Linie verantwortlich sind. Das führt dazu, dass Polizisten zum Beispiel auch bei hochsommerlichen Temperaturen gerne ihre Lederhandschuhe tragen: Gebissen wird mittlerweile so häufig wie gespuckt.

Atmungsaktive Spuckhauben

Gerade das „Bespuckt-Werden“, meist als „Beleidigung“ gewertet, zählt zu den besonders erniedrigenden und oft genug im Wortsinne verletzenden Angriffen. Wie schnell es dazu kommen kann – in Bayern wurden 2015 rund 460 Fälle von „Anspucken“ registriert –, zeigt ein Blick in die Polizeiberichte deutscher Großstädte, in denen sich die durchschnittliche „Polizei-Kundschaft“ wiederfindet: Drogenabhängige spucken vor Polizisten auf den Boden oder ihnen ins Gesicht, ebenso Betrunkene oder Demonstranten, arabischstämmige Männer, deutsche Männer, deutsche Frauen.

Ende Juli kontrollierten in München Polizisten in der Drogen-und Trinkerszene am Hauptbahnhof einige Personen. Eine 23 Jahre alte Frau weigerte sich, trat nach den Beamten. Es wurden ihr Handschellen angelegt, die Frau wehrte sich massiv. Sie verletzte sich dabei leicht am Mund und bespuckte die Polizisten mit einem „Blutspeichelgemisch“. Drei Beamte warten nun auf das Ergebnis ihrer Blutuntersuchung, da die Frau angab, an Hepatitis C erkrankt zu sein.

Vom Ekel einmal abgesehen, den Geruch und Konsistenz fremder Spucke im eigenen Gesicht auslösen, birgt das Anspucken (wie das Beißen auch) ein hohes Gesundheitsrisiko: von Durchfallerkrankungen durch Noro-Viren über Hepatitis B und C bis hin zu HIV-Infektionen. Auch darauf hat die Polizei reagiert: Sogenannte Spuckhauben, durchsichtige und atmungsaktive Überziehhauben, gehören inzwischen zur Ausstattung vieler Polizeistreifen. Bis die Haube jedoch über den Kopf des Spuckenden gestülpt wird, ist es oft schon zu spät.

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