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Gestiegene Erwartungen : Her mit der Polizei!

Mit der ins Militärische übergreifenden Aufrüstung der Polizei – kein deutsches Phänomen, wie die geplante Verstärkung der Londoner Polizei durch schwerbewaffnete und vermummte Kräfte („Operation Hercules“) zeigt – steigen die Erwartungen an sie. Doch man wird die Polizei auch mental-psychologisch, wie immer man es nennen mag, auf ihre sich wandelnde Rolle einstimmen müssen. Denn das, was in München geschah, war für die Polizei nicht nur logistisch ein immenser Kraftakt.

Unterfordert war die Polizei auch bislang schon nicht. Um die Gefahren, die dieser Job mit sich bringt, am eigenen Leib zu spüren, muss man als Polizist nicht unbedingt von Terroristen angegriffen werden. Es reicht, auf die Straße zu gehen und zu einem beliebigen Einsatz gerufen zu werden. Wie der 46 Jahre alte Polizist im hessischen Herborn, der im vergangenen Dezember an Heiligabend in einem Regionalzug von einem Mann erstochen wurde, der auch seinen Kollegen schwer verletzte.

Maschinenpistolen im Kofferraum

Die beiden Polizisten waren vom Zugbegleiter zu Hilfe geholt worden, da sich der Mann einer Fahrkartenkontrolle widersetzt hatte. Und als vor sechzehn Jahren die Diskussion über die Pflicht zum Tragen schusssicherer Westen im Einsatz hochkochte, waren zuvor nach Routine-Verkehrskontrollen in Dortmund und im bayerischen Bubenreuth vier Polizisten erschossen worden.

Das waren noch die Zeiten, als die Polizei in einem anheimelnden Bahamabeige und Schilfgrün auf Streife ging und nur drei Dinge an ihrem Gürtel trug: Waffe, Handschellen, Gummi-Schlagstock. Heute schleppen die Polizisten an ihrem Gürtel neben Waffe, Teleskopschlagstock und Einsatzmagazin zumeist noch Funkgerät, Pfefferspray, Taschenlampe, Kombinationswerkzeug, Latex-Handschuhe, Handschellen aus Metall und, wenn ein Paar nicht ausreicht, zusätzliche Plastikschließen mit sich herum.

Im Kofferraum der Streifenwagen liegen längst Maschinenpistolen (auch das schon vor dem Terror), und die neuen Uniformen vermitteln inzwischen in fast allen Bundesländern eindrücklich das Machtmonopol in Mitternachtsblau.

„Nicht gekannte Brutalität“

Schutzwesten tragen die Polizisten am besten bei jedem Einsatz, am Körper befestigte Bodycams sollen Angreifer abschrecken, und wenn die Bereitschaftspolizei in voller Kampfmontur ausrückt, wie in Frankfurt bei der EZB-Eröffnung, meint man, Transformers hätten die Straße übernommen. Nach diesem Großereignis im März vergangenen Jahres sagte der Frankfurter Polizeipräsident, die Attacken auf Polizei und Rettungskräfte seien von einer „nicht gekannten Brutalität“ gewesen.

Das statistische Hintergrundrauschen zu Protektoren und Pfefferspray liefern allein schon die Zahlen im Bundeslagebild des Bundeskriminalamts zum Thema „Gewalt gegen Polizeibeamte“, die sich seit 2011 auf einem gleichbleibend hohen Niveau bewegen: So wurden im Jahr 2015 33.773 versuchte und vollendete Fälle von Gewalttaten gegen Polizisten registriert. Darunter Delikte wie Mord (11 Fälle), Totschlag (37) oder Körperverletzungen und Bedrohungen (insgesamt rund 13.000 Fälle).

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