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Queen besucht Frankfurt : Paulskirche, Kaisersaal, Römerbalkon

Bald persönlich in Frankfurt: Die Königin von England. Bild: dpa

In zweieinhalb Wochen kommt Queen Elizabeth nach Frankfurt. Die Vorbereitungen für den hohen Besuch aus England erfordern viel Detailarbeit.

          Dieter Beine kann so schnell nichts aus der Fassung bringen. Dafür ist er schon zu lange Protokollchef der Hessischen Staatskanzlei. Er kann gar nicht genau sagen, wie viele Diplomaten, Staatsmänner und gekrönte Häupter er auf ihren Besuchen in Hessen schon begleitet und geleitet hat, wie viele Empfänge, Bankette und andere Veranstaltungen er über die Bühne gebracht hat. Es müssen Tausende sein.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber auf den 25. Juni freut er sich trotzdem ganz besonders. Dann kommen nämlich die britische Königin ElisabethII. und ihr Gatte, Prinz Philip, nach Frankfurt – und an Dieter Beine führt bei diesem Besuch praktisch kein Weg vorbei.

          „Wissen Sie, das ist schon etwas ganz Besonderes und eine totale Ehre für Frankfurt und Hessen“, sagt der Protokollchef und erklärt dann ausführlich, was ein Staatsbesuch wie dieser vor allem für die Gastgeber bedeutet. „Das ist die höchste Güte des Protokolls“, sagt Beine. Das bedeutet: roter Teppich, Salutschüsse, Ehrenspalier, Motorrad-Eskorte, Staatsbankett. Das Essen findet allerdings in Berlin statt, weil die Queen und ihr Gemahl auf Einladung des Bundespräsidenten nach Deutschland kommen.

          Queen erstmals in Frankfurt

          Weil zu einem offiziellen dreitägigen Staatsbesuch wegen der föderalen Struktur der Bundesrepublik aber auch immer zwei „Länderanteile“, wie Beine es formuliert, gehören, bleibt in diesem Fall für die Verantwortlichen in Hessen und Niedersachsen, wo die Queen das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht, auch noch genug zu organisieren.

          Der Besuch der Königin ist der fünfte in Deutschland, vor genau 50 Jahren war sie auch schon einmal in Hessen, suchte damals aber die Landeshauptstadt Wiesbaden auf – in Frankfurt zusammen sind die 88 Jahre alte Monarchin und ihr dreiundneunzigjähriger Prinzgemahl noch nie gewesen.

          Am 25. Juni, einem Donnerstag, sollen die beiden gegen Mittag in Begleitung von Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Frankfurter Flughafen landen. Dort werden sie von Ministerpräsident Volker Bouffier und seiner Frau Ursula empfangen und in die Frankfurter Innenstadt begleitet.

          Auftritt auf dem Römerbalkon geplant

          Erster Programmpunkt ist der Besuch der Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie. Danach werden die Königin und ihr Mann die wenigen Schritte zum Römer gehen, in dessen Kaisersaal zu ihren Ehren ein festliches Mittagessen stattfindet. Danach ist ein kurzer Auftritt auf dem Balkon des Römers geplant, damit auch die Frankfurter einen Blick auf ihre royalen Gäste werfen können. Er wird allerdings nur wenige Minuten dauern, weil noch am Nachmittag der Rückflug nach Berlin ansteht, wo am Abend eine Party in der britischen Botschaft steigen soll.

          Die Auswahl der maximal 100 Gäste für den königlichen Lunch im Kaisersaal ist für Protokollchef Beine eine besondere Herausforderung. „Ja, da gibt es viele Leute, die anrufen oder schreiben, weil sie gerne dabei wären. Aber das ist normal“, sagt Beine. Er stellt die Liste zusammen, weil der Ministerpräsident der offizielle Gastgeber ist, involviert sind aber auch die britische Botschaft in Berlin, die Bundesregierung und der Buckingham-Palast.

          „Viele, viele Absprachen“, sagt der Protokollchef und hebt hervor, dass es sich bei den Auserwählten natürlich keineswegs nur um Politiker und Diplomaten handeln solle. „Das geht dann am Ende vom Frankfurter Oberbürgermeister über den Chef des English Theatre bis zu Frau Steigenberger – und da fangen dann sogar alte Männer an zu heulen, wenn man ihnen sagt, dass sie dabei sind.“

          Es soll etwas Regionales zu essen geben

          So aufwendig wie die Erstellung der Gästeliste ist die Auswahl des Blumenschmucks, der Speisenfolge und des Weins – schließlich sollen die Queen und ihr Prinz in Deutschland nicht immer das Gleiche sehen, essen und trinken. Was sie im Römer serviert bekommen, will Beine noch nicht verraten. Nur so viel: „Man macht natürlich etwas Regionales und berücksichtigt dabei die Vorlieben und Traditionen des Gastes.“

          Protokollchef Beine ist im Übrigen nicht der Einzige, der sich schon seit Wochen mit dem Besuch der Queen beschäftigt. Viele deutsche Fans der Monarchin wollen auf den Römerberg kommen, und auch die Frankfurter Geschäftswelt will profitieren: So hat ein Juwelier an der Goethestraße eigens vier „thematische Schaufenster“ gestaltet, ein Hotel am Sachsenhäuser Mainufer bietet ein Menü an, das sich an den Lieblingsspeisen der Königin orientiert, und aus Nordrhein-Westfalen will ein passionierter Dudelsack-Piper anreisen, um der Majestät vor dem Römer in traditioneller schottischer Montur aufzuspielen. Es heißt, Elisabeth II. liebe die Klänge des Dudelsacks, aber ob sie sich in Frankfurt tatsächlich die Zeit nimmt, um einen Moment zu lauschen, das weiß selbst Dieter Beine nicht.

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