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Königin Elisabeth II. : Sie lässt niemanden unangelächelt zurück

  • -Aktualisiert am

Unermüdlich lächelnd zeigte sich die britische Königin in Frankfurt. Bild: dpa

Königin Elisabeth II. kommt zum ersten Mal nach Frankfurt, die Landesregierung fühlt sich geehrt und zeigt sich mit ungewohnt lockerer Zunge zu den schmückenden Details des royalen Besuchs.

          Im Umgang mit der Presse ist die hessische Landesregierung normalerweise für ihre vornehme britische Zurückhaltung bekannt. Ausgerechnet beim Besuch der britischen Königin wurde diese aufgegeben. Schon Tage vor Ankunft des Gastes in Frankfurt hatte sich die Staatskanzlei sichtlich gern entlocken lassen, dass etwa die Gattin von Ministerpräsident Volker Bouffier einen in Frankfurt gefertigten Hut zu tragen beabsichtige; dass man beim Hauptgang des Mittagsbanketts in Sachen Spitzengastronomie „ein bisschen nach oben gehen“ werde; oder dass der Buckingham Palace - wie sympathisch! - aber auch nicht einen einzigen Sonderwunsch hinsichtlich des geplanten Programms geäußert habe.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Worauf gründet nun diese plötzliche Freude, alles zu sagen, was man weiß? Zum einen darauf, dass man kaum etwas weiß. Jedenfalls wurde zuletzt nicht nur von hessischen Politikern mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung immer wieder hervorgehoben, dass sich die Königin zu politischen Fragen nicht oder allenfalls durch die Farbe ihrer Hüte zu äußern pflege. Ein anderer Grund für die Freude: Die hessische Landesregierung ist natürlich und zu Recht sehr stolz darauf, dass sie die Königin trotz intensiver Bemühungen anderer noch schönerer Bundesländer für sich einnehmen konnte. Ob das nun wiederum daran lag, dass man verwandtschaftliche Beziehungen des britischen Königshauses zum Haus Hessen in die Waagschale warf oder schlicht daran, dass die Königin noch nie in Frankfurt war - auch darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

          Die Frankfurter Fans warten auf die Königin.

          Da war es schön, dass am Donnerstag Unbezweifelbares passierte. Der erste bekannte Mann, der vor der gemeinhin „Wiege der deutschen Demokratie“ genannten Paulskirche erschien, war der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der für diesen Tag offenbar noch eine Lücke in seinem Terminkalender gefunden hatte. Während er das Gespräch mit Bürgern suchte - nie klingt das Wort „Bürger“ so zweitklassig wie bei einem Besuch der britischen Königin - wurde ein paar Meter weiter mit einem sicher in Hessen produzierten Staubsauger der rote Teppich betretbar gemacht. Für alle Kritiker von derlei Veranstaltungen wie etwa die Linkspartei: Der Teppich ist nicht teuer, er kann im Prinzip in jedem Baumarkt zum privaten Gebrauch erstanden werden.

          Als dann ein Kinderchor der Frankfurter Domsingschule ein letztes Mal ansetzte, um „Die Gedanken sind frei“ - die zweite Strophe natürlich auf Englisch - zu proben, erschienen auf der anderen Seite der Straße Hans Eichel, Roland Koch, Thorsten Schäfer-Gümbel und Tarek Al-Wazir. Unweigerlich ertappte man sich da bei dem Gedanken, ob es überhaupt zu verantworten ist, so viele wichtige Leute an einem Ort zu versammeln. Daraus wurde Angst, als um vier Minuten nach Zwölf eine Polizeisirene das Kommen der ersten Fahrzeugkolonne ankündigte. Wenig später erschien zunächst der Protokollchef, sodann Bundespräsident Joachim Gauck nebst First Lady sowie schließlich der hessische Ministerpräsident. Auch dessen Frau war selbstredend mit dabei, tatsächlich mit einem Hut, genau gesagt einem violetten, der klein genug war, um einem Fascinator nicht unähnlich zu sein.

          Königin Elisabeth II. (3.v.l.), Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main Peter Feldmann (l.), der Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU, 2.v.l.) und Bundespräsident Joachim Gauck (r)

          Danach folgte 15 Minuten lang erst einmal: nichts. Die Sonne brannte auf die ungeschützten Köpfe der englischen Kollegen. Dann einige Polizeimotorräder, dann wieder nichts. Die Königin wird doch nicht falsch abgebogen und in Richtung Gallus unterwegs sein? Nein, ihre Ankunft verzögerte sich nur, weil so viele Menschen die Straßen säumten und die Königin sie nicht unangelächelt zurücklassen wollte. Kurz vor halb ein Uhr stand sie dann also da, mit einer Kombination, die Leute, die in Farben nicht ganz so versiert sind, vielleicht als Blau-Türkis beschreiben würden. Sie lächelte und ging vermutlich zunächst auf Joachim Gauck zu - so genau konnte man das nicht sehen, weil die Autotür des Range Rovers, mit dem sie gefahren wurde, die Sicht nahm. Aber alte Regel: Amt schlägt Etikette. Der hessische Ministerpräsident Bouffier orientierte sich rasch in Richtung Prinz Philip und sagte ihm mit seiner Stimme, die sich anhört wie der Motor eines Bentley Continental GT, etwas sicher Freundliches. Dann verschwand die Besuchergruppe in der Paulskirche, um sich dort, pointiert ausgedrückt, erklären zu lassen, wie es mit der Monarchie in den vergangenen Jahrhunderten so abwärts gehen konnte.

          Mehrere Tausend Menschen kamen zur Paulskirche

          Zur Paulskirche und dem nahegelegenen Römerberg waren mehrere Tausend Menschen gekommen. Sie alle wurden Zeugen, wie Königin Elisabeth II. samt Gefolge nach der Stippvisite in der Paulskirche auf einem inzwischen verlängerten Roten Teppich, der über verklebte Straßenbahnschienen (damit sie nicht umknickt!) führte, ins Frankfurter Rathaus schritt. Dort fand das besagte Mittagsbankett statt, bei dem im Hauptgang mit der Spitzengastronomie ein bisschen nach oben gegangen wurde.

          Als Gastgeber wurde dort dem hessischen Ministerpräsidenten die Ehre zuteil, die Tischrede zu halten. Er erinnerte an die schwierige Geschichte in den Beziehungen der beiden Länder, aus denen nun aber Partner und Freunde geworden seien. „Das vereinte Europa“, sagte Bouffier, „ist nicht das Paradies, aber ich kenne keine andere Region der Welt, in der Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und auch Wohlstand in solcher Weise gewährleistet werden. Es ist deshalb auch mein besonderer Wunsch, dass das Vereinigte Königreich auch zukünftig als wichtiger und starker Partner in diesem vereinten Europa bleibt.“ Mehr war an diesem Tag in Frankfurt nicht zu sagen. Um 15 Uhr bestieg die Königin ihren Range Rover zurück zum Flughafen.

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