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Die Politik und das liebe Geld : Bananenrepubliken in aller Welt

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Stars, Bosse und Parteispender ins Weiße Haus einzuladen gehört dazu Bild: ASSOCIATED PRESS

Man findet sie nicht nur in der Dritten Welt: Auch im Herzen Europas und in Nord- und Südamerika gibt es Bananenrepubliken. Geschenkte Sportwagen in Spanien, plötzliche Parteiwechsel in Argentinien und selbst Obama hat keine weiße Weste.

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          Ist ein Land, in dem Unternehmer für ein Gespräch mit einem Ministerpräsidenten 6000 Euro hinblättern sollen, eine Bananenrepublik? Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der Bananen-Exporteure in mittelamerikanischen Staaten wie Honduras, Nicaragua oder Panama mehr Einfluss auf die Politik des Landes hatten als deren eigene Regierungen. Heute bezeichnet man als Bananenrepubliken vor allem Länder der Dritten Welt. Aber Wirtschaft und Politik kommen sich auch in hochentwickelten Gesellschaften nah, wie ein paar Beispiele aus aller Welt zeigen.

          In Amerika

          hatte Präsident Obama erst am Dienstag Gäste zum Abendessen - unter anderen der Chef des Telefonriesen Verizon, Ivan Seidenberg, der JP-Morgan-Boss Jamie Dion sowie die Vorstandsvorsitzenden von Pepsi und Walmart, Indra Nooyi und Michael Duke. Stars, Bosse, Freunde und zumal Parteispender ins Weiße Haus einzuladen, gehört zum Präsidentenamt wie die „Air Force One“. Zu Obamas Gästen gehörten gemäß veröffentlichter Gästeliste auch schon Oprah Winfrey, George Clooney, Brad Pitt, Denzel Washington, außerdem der Großspender für linke Organisationen George Soros sowie Microsoft-Gründer Bill Gates. Selbstverständlich bleiben der Präsident und seine Minister in ihren Entscheidungen unabhängig - sagt das Weiße Haus.

          Brachte Oppositionspolitiker zum Sinneswandel: Argentiniens Ex-Präsident Kirchner
          Brachte Oppositionspolitiker zum Sinneswandel: Argentiniens Ex-Präsident Kirchner : Bild: dpa

          In Argentinien

          beeinflusst man die Politiker gerne mit Geld. Die rabiateste Methode ist die des direkten „Kaufs“ von Abgeordneten, mit Geld, Ämtern oder Versprechungen. So war es, als der Abgeordnete Eduardo Lorenzo (Spitzname „Borocotó“) 2005 für die Opposition in den Kongress gewählt wurde. Wenige Tage später bezeichnete er sich plötzlich als dem Regierungslager zugehörig. Für seinen Sinneswandel hatte es nur einer kurzen Unterredung mit dem damaligen Präsidenten Néstor Kirchner bedurft. Ob Geld geflossen ist, wurde nicht bekannt. Der Wechsel muss sich für Borocotó aber gelohnt haben. In der argentinischen Umgangssprache heißt jedes politische Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel seitdem „Borocotización“.

          In Spanien

          breitet die Justiz die Affären von José María Aznars Partei, des Partido Popular, aus, seit der Sozialist José Luis Rodríguez Zapatero seinen konservativen Vorgänger ablöste. Das gilt insbesondere für den Fall „Gürtel“. Ein Unternehmer hatte praktisch ein Monopol auf die Organisation von Parteiveranstaltungen. Seine hilfreichen Funktionäre entlohnte er reichlich mit Sportwagen, Luxusuhren und Anzügen. Aznar persönlich konnten die Nachfolger bislang nichts nachweisen. An einer Stelle wird aber noch gebohrt. Es geht um eine Auszeichnung für Aznar durch den amerikanischen Kongress und die Frage: Wie viel Geld aus Spanien wurde an Washingtoner Lobbyisten bezahlt, damit der Geehrte seine Medaille erhielt?

          Ausgerechnet in Italien

          hat man bisher noch nie davon gehört, dass man sich für Geld die Teilnahme an einem Treffen mit einem Politiker erkaufen könnte. Ministerpräsident Silvio Berlusconi lädt bisweilen Unternehmer zum Essen ein, und die bringen gern ihre Frauen mit, um in den Augen des Premiers besser dazustehen. Dem Vernehmen nach kommen die Ehefrauen aber nur ungern, denn solche Treffen mit Berlusconi sollen nicht vergnüglich sein. Nach dem Bericht eines Teilnehmers erzählt der Ministerpräsident gern schlüpfrige Witze oder lässt seine Minister Lieder singen. Dafür kann man wohl kaum Geld verlangen.

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