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Jugendorganisation : Mit Crowdfunding Flüchtlinge aus Seenot retten

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Momentan verdient er seinen Lebensunterhalt durch einen Nebenjob im Messebau. Lena Waldhoff, die Zweite Vorsitzende, lernte er in einer Wohngemeinschaft kennen. Sie studiert in Berlin Erziehungswissenschaften und Philosophie. Bei ihrer Arbeit in einem Flüchtlingsheim kam sie mit traumatisierten Flüchtlingen in Kontakt, die die Überfahrt über das Mittelmeer gewagt hatten.

Der Trawler von „Jugend Rettet“, sagt Schoen, soll außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer patrouillieren. Die Basis des zivilen Hilfsprojekts befindet sich auf Malta, von wo aus es etwa 360 Kilometer nach Libyen sind. Für den Einsatz auf hoher See sind 14 bis 16 Tage eingeplant. Danach werde die Crew aus elf Personen - unter ihnen ein Kapitän, ein Steuermann, ein Maschinist, ein Arzt, ein Rettungssanitäter und ein Psychologe - ausgetauscht. Mit an Bord ist außerdem ein Dolmetscher, der Englisch, Französisch und Arabisch spricht. Der Personalpool, aus dem für die Rotation geschöpft werden kann, umfasst 170 Ehrenamtliche.

Viele Risiken

Menschen auf hoher See zu retten ist ein gefährliches Unterfangen, das viele Risiken birgt. Den Ablauf der Seenotrettung stellt sich Schoen im Idealfall folgendermaßen vor: Nach der Entdeckung eines Flüchtlingsbootes wird ein Beiboot zu Wasser gelassen und das „Maritime Rescue Coordination Centre“ (MRCC) in Rom verständigt.

Um zu verhindern, dass unter den Flüchtlingen Panik ausbricht, will man sich ihrem Boot nur von vorne oder hinten nähern. Rettungsinseln sollen die Menschen dann außer Lebensgefahr bringen. Die Menschen an Bord zu nehmen und an Land zu bringen, sagt Schoen, sei Aufgabe eines Unterstützungsschiffes des MRCC.

„Jugend Rettet“ ist nicht die erste private Hilfsorganisation, die ein so riskantes Unternehmen wagt. „Sea Watch“ zum Beispiel geht auf die Initiative eines Brandenburger Kaufmanns zurück, der aus eigenen Mitteln einen alten holländischen Fischkutter zu einem Rettungsboot umfunktionierte.

Austausch mit anderen Hilfsorganisationen

Um den Einsatz so professionell wie möglich zu gestalten, tauschte sich Schoen mit den Hilfsorganisationen „Sea Watch“, „Watch the Med“, „SOS Mediterrane“ und „Sea Eye“ aus. Auch die Bundeswehr zog Schoen zu Rate. Die Soldaten berichteten von ihren Einsätzen auf dem Mittelmeer: worauf bei der Seenotrettung zu achten sei, an welchen Krankheiten die Flüchtlinge womöglich leiden, wie der prozentuale Anteil von Frauen, Männern und Kindern sei.

Der Vorwurf, selbst nur Schlepper zu sein, lässt Schoen kalt. Er begegnet ihm mit dem Argument, nur Menschen zu retten, deren Leben in Gefahr sei. Dazu verpflichte ihn allein schon das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Zudem würde er keine Rettungsaktion ohne Auftrag des MRCC starten.

Bei allem Idealismus gibt sich Jakob Schoen keinesfalls der Illusion hin, die Welt retten zu können. „Wir sind definitiv nicht die Lösung“, konstatiert er nüchtern. Von der Europäischen Union fordert er ein staatliches Seenotrettungsprogramm. Vor den Problemen der Integration verschließt er nicht die Augen. Ihm ist klar, dass Deutschland nicht jedes Jahr eine so große Zahl wie 2015 an Flüchtlingen bewältigen kann. Vielmehr müsse in den Herkunftsländern Hilfe geleistet werden. „Aber wir brauchen das alles nicht diskutieren, wenn wir die Leute da unten sterben lassen“, sagt Schoen.

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