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Die lieben Kleinen (8) : Schritt für Schritt ins Leben stolpern

  • -Aktualisiert am

Der erste Schritt - ein großer Moment

Für die meisten Eltern ist der erste Kinderschritt ein riesengroßer Moment. Davon zeugen ganze Fotoalben voller verwackelter Bilder. "Endlich läufst auch du" steht darunter - als käme es bei den vielen Jahrzehnten auf zwei Beinen auf ein paar Tage oder Wochen an. In der Tat üben viele Eltern mit ihren Kindern, "immer die nächste Stufe", sagt Melanies Mutter. Gerade lockt sie ihre Tochter eine schräge Leiter hoch und drängt sie oben sanft hinunterzuspringen. "Ich habe mit ihr erst Drehen geübt, dann mit Spielzeug zum Krabbeln gelockt. Schließlich haben wir sie hingesetzt und, als sie saß, aufgestellt."

Orthopäden, Sportpädagogen und Entwicklungspsychologen raten von dieser Art der Nachhilfe ab. Laufen lernen heiße nicht, daß man es einem Kind beibringen könne. Der ganze Körper, die Knochen, die Muskeln, die Koordination müssen sich erst entwickeln. Jede Bewegung ist dabei Vorstufe und Training für die nächste. Üben nützt also nichts. Es schadet eher, wenn ein Kind zu Bewegungen animiert wird, für die Körperbau und Muskelkraft noch nicht genügend ausgebildet sind. Das Hingesetztwerden hat Melanie nicht viel genützt - sie mußte es trotzdem wie alle anderen selbständig lernen.

Natürlich darf man einem quengeligen Kerl mal ein paar Kissen in den Rücken stopfen, um ihm einen aufrechten Blick in die Welt zu ermöglichen. Man darf dem Kind beim Laufenlernen mal die Hand, beim Radfahren mal einen Schubs geben. Die Betonung liegt allerdings auf "mal". "Das schadet nicht und macht Spaß", sagt Dietmar Breithecker von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltung und Bewegungsförderung.

Bewegungsdrang ausleben lassen

Am besten ist es ohnehin, die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben zu lassen, wie sie wollen. Der ist wirklich enorm: In einer Studie der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler wurden fünf Kinder zwei- bis dreimal in der Woche über viele Monate hinweg beobachtet, alle 15 Sekunden wurde die Position des Kindes notiert. Ergebnis: Egal ob die Kleinen sich gerade mal umdrehen konnten oder bereits mit dem Laufen begannen, im Schnitt blieben sie zwei Minuten in der gleichen Stellung, oft nur ein paar Sekunden.

Das heißt: Kinder brauchen viel Platz. Der Laufstall ist also nur für den Notfall gedacht, der Kindersitz für die Autofahrt und Lauf-lernhilfen sind ganz tabu. "Das Kind hängt schief und passiv darin herum, statt beim Hinfallen und Wiederaufstehen das Gleichgewicht zu trainieren", sagt Dietmar Breithecker. Außerdem passieren schlimme Unfälle, wenn Kinder damit vor die Wand rasen oder die Treppe hinunterstürzen.

Wer den ersten Schritt geschafft hat, bekommt meist bald die ersten Schühchen. Orthopäden haben zu diesem Thema genau drei Dinge zu sagen: "Barfuß, barfuß, barfuß." Höchstens Schläppchen oder Socken sollten es sein. Auch die extra weichen sogenannten Lauflernschuhe sind zu fest für den zarten Fuß, sie stützen so sehr, daß er zu wenig Muskeln ausbildet. Für draußen brauchen die Kleinen natürlich Schuhe, aber auch die sollten weich und biegsam sein und weit genug, aber nicht so auf Zuwachs gekauft, daß das Kind darin schlurft.

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