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Die lieben Kleinen (7) : Das reine Kinderspiel

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Typisch Junge oder typisch Mädchen? Eine ewige Frage Bild: Isabel Klett

Was den Nachwuchs den lieben langen Tag beschäftigt, hat selten ein Ziel, aber immer einen Zweck. Regeln gibt es dabei allerdings nur für die Eltern.

          Blumen pflücken, Igel streicheln, im Bach herumplanschen und vom Holzschuppen springen - Britta, Inga, Lasse, Bosse und die übrigen Kinder aus Bullerbü spielen den ganzen Tag. Die Geschichten von Astrid Lindgren sind besonders für viele Erwachsene der Inbegriff von Kindheit.

          Wenn Bullerbü Kindheit ist - ist Kindheit dann vor allem Spielen? Was ist Spielen überhaupt? Nach einer Antwort suchen die Gelehrten seit der Antike. Über folgende Definitionen ist man sich mittlerweile einig: Erstens gibt es das kulturelle Spiel, mit dem sich Erwachsene die Zeit vertreiben. Sie spielen nach festen Regeln beispielsweise Schach oder Fußball, sie spielen mit Form und Farbe, Tönen und Worten und nennen es Kunst. Und zweitens gibt es das evolutionäre Spiel, mit dem sich, egal ob Eichhörnchen oder Giraffe, alle höheren Säugetiere in ihrer Jugendzeit viele Stunden pro Tag beschäftigen. Warum?

          Die Welt erkunden

          Je nach Zeitalter, Gesellschaftsbild und Blickwinkel galt Spielen mal als Spaß oder Entspannung, mal schien es dienlich zum Abbau überschüssiger Energien, mal als Selbstzweck. Heute ist weitgehend unbestritten: Spielen ist die Art des Kindes, die Welt zu erkunden, zu erfahren und zu verstehen. Spielen ist Leben lernen.

          Doch sollte man den Begriff Lernen nicht allzu eng auslegen. "Viele Eltern und Erzieher sind viel zu sehr darauf fixiert", sagt Rainer Korte von der Arbeitsstelle für Spielforschung und Freizeitberatung an der Fachhochschule Dortmund. Auf Dinge also, die den Kleinen später in der Schulzeit gute Noten bringen und im Beruf das Vorankommen erleichtern sollen: Gut sprechen und logisch denken sollen sie lernen, Wissen sammeln, Sozialkompetenzen trainieren und motorische Fähigkeiten. Und so würden Inga und Lasse heute wohl zur musikalischen Frühförderung gehen, die kleine Britta bereits Zahlen und Farben lernen, am Lerncomputer schwedische Grammatik üben oder an einem Brettspiel Teamgeist trainieren. Hinterher würden dann alle chinesische Lieder singen.

          "Kinder spüren solchen pädagogischen Impetus und verlieren leicht den Spaß", warnt Rainer Korte. Besonders wenn sie dabei mit ihren Schwächen konfrontiert werden. Sein Ratschlag: "Lieber die individuellen Stärken fördern. Wer Erfolg hat, behält seine Freude am Tun und kann selbstbewußter mit seinen vermeintlichen Defiziten umgehen."

          Die grauen Zellen verschalten

          Spielen bedeutet, wie gesagt, Leben lernen. Aber auch Entwicklung und Entfaltung. Das ist gerade am Anfang recht wörtlich zu nehmen: Das Gehirn eines Neugeborenen ist zwar fertig angelegt, aber die grauen Zellen müssen sich noch verknüpfen und verschalten. Dazu müssen sie gefordert werden. Ob beim Schauen, beim Betasten, Hören oder Laufen, beim Lesen, beim Essen oder Schuhe anziehen - immer reift eine bestimmte Fähigkeit heran, die das Kind trainiert.

          Lieblingsspielzeug in den ersten Wochen und Monaten sind erst einmal die Eltern. Bei diesem sozialen Spiel lernt das Kind, daß Mama und Papa auf ein bestimmtes Verhalten wie Schreien, Lächeln oder Lallen immer wieder auf ähnliche Art reagieren. Ein paar Monate später ist dann die Umwelt dran: Das Kleine steckt alles in den Mund, schaut es an und betastet es auf Form, Konsistenz und Geschmack. Es folgt die "Behälter-Phase". Was nichts anderes heißt als hartnäckiges Aus- und Einräumen von Legokiste, Portemonnaie oder Sockenschublade.

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