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Die Legende vom Zaubertrank : Vor 125 Jahren erfand ein Apotheker die Coca-Cola-Rezeptur

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Gut im Geschäft: Coca-Cola gibt es seit 125 Jahren Bild: REUTERS

Am 8. Mai 1886, so will es die Firmenlegende, hat der Apotheker John Pemberton die Rezeptur von Coca-Cola entdeckt. Heute, 125 Jahre später, ist die süße Limonade ein Milliardengeschäft. Im Hintergrund läuft eine perfekt geschmierte Marketingmaschine.

          Das Erbe John Pembertons ruht im Safe einer Bank in der amerikanischen Metropole Atlanta und wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Vor 125 Jahren erfand der Apotheker die Rezeptur von Coca-Cola, angeblich wollte er ein Mittel gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit herstellen. Die Heimlichtuerei um die Zutaten gehört zum Marketingkonzept für den Softdrink, der heute in mehr als 200 Ländern in Läden und Getränkeautomaten steht. Die Beratungsfirma Interbrand führt Coca-Cola seit Jahren an der Spitze der einhundert wertvollsten Marken der Welt - im vergangenen Jahr lag der Markenwert des Getränkeriesen bei 70,45 Milliarden Dollar.

          „Die Coca-Cola-Saga wurde über die Jahre ehrfürchtig bewahrt und genährt“, schreibt Mark Pendergrast in seinem Buch „For God, Country and Coca-Cola“, das der Geschichte des Erfolgsgetränks nachgeht. Die offizielle Unternehmensversion verfügt laut Pendergrast über „alle Kennzeichen des klassischen amerikanischen Erfolgsmythos“. Der Brause-Pionier Pemberton werde dabei als armer, aber liebenswürdiger Südstaaten-Apotheker verklärt, der über ein wundersames neues Getränk stolpere - vom Tellerwäscher zum Millionär.

          In Europa wurde die Brause zuerst 1919 in Frankreich verkauft

          Dabei sei Pemberton gar kein kauziger Kräuterdoktor gewesen, der in seinem Hinterhof durch Zufall eine magische Mixtur zusammengebraut habe, schreibt Pendergrast. Coca-Cola sei ein typisches Produkt des „goldenen Zeitalters der Quacksalberei“ gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewesen, als in den Vereinigten Staaten Pharmazeuten an vielen Straßenecken ihre Patentarzneimittel feilboten. Die Menschen in der sich rasant entwickelnden Industriegesellschaft hätten gerne zugegriffen - um Krankheiten günstig zu behandeln, aber durchaus auch, um mit einem Rausch dem Fabrikalltag zu entfliehen. In seiner Ursprungsversion, notiert Pendergrast, habe Coca-Cola einen „ausgeprägten Kokain-Kick“ gehabt.

          Am 8. Mai 1886 soll Pemberton die Rezeptur entdeckt haben, den Namen Coca-Cola und den schwungvollen Schriftzug entwickelte aber sein Buchhalter Frank Robinson. Zunächst verschmähte die Kundschaft aber das Elixier, im ersten Jahr sollen im Schnitt nur neun Gläser pro Tag über die Ladentheke gegangen sein. Der Verkaufserfolg kam mit dem Unternehmer Asa Chandler, der 1888 die Rechte an der Mixtur erwarb, das Arzneimittel als Erfrischungsgetränk in Massenproduktion abfüllen ließ und kräftig die Werbetrommel rührte. Wenige Jahre später wurde Coca-Cola überall in Amerika getrunken. In Europa wurde die Brause zuerst 1919 in Frankreich verkauft, 1929 kam sie nach Deutschland.

          „Unnachgiebige Werbung und cleveres Marketing“

          Heute ist Coca-Cola aus Getränkeregalen kaum wegzudenken. Daran haben auch Kritiker wie Michael Jacobson von der Lobbygruppe Center for Science in the Public Interest nichts ändern können, der Softdrinks wie Coca-Cola als „flüssige Süßigkeit“ und „Gesundheitsdesaster“ für Kinder sieht. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen weltweit mehr als 35 Milliarden Dollar um und fuhr einen Gewinn von fast zwölf Milliarden Dollar ein.

          Neben dem wirtschaftlichen Erfolg ist Coca-Cola aber vor allem ein kulturelles Phänomen. Überall auf der Welt sei das Getränk von einem einfachen Konsumgut zu einem „Objekt der Begierde“ geworden, schreibt Constance Hays in ihrem Buch „The Real Thing: Truth and Power at the Coca-Cola Company“. „Unnachgiebige Werbung und cleveres Marketing“ hätten aus diesem kohlensäurehaltigen Durstlöscher ein Symbol des amerikanischen Lebensstils gemacht.

          Den 125. Geburtstag begeht Coca-Cola am Montag mit einer großen Feier in der Konzernzentrale in Atlanta, die im Internet übertragen wird. Das Originalrezept wird weiter unter Verschluss bleiben, auch wenn immer wieder Leute behaupten, das Geheimnis gelüftet zu haben. Die Coca-Cola-Führung dementiert dann fleißig - und freut sich womöglich insgeheim darüber, dass die Unternehmenssaga unter großem Medieninteresse weitergesponnen wird.

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