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Die „Kleinigkeiten“ : Popgedudel und Evangelisten

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Auflage 15 Millionen: die Sondermarke Bild: dpa

Vieles am Wiederaufbau der Frauenkirche ist wunderbar: Der Kostenrahmen wurde exakt eingehalten, die Weihe findet ein Jahr früher als geplant statt und die Gestaltung der Kuppel gelang trotz des ganzen Popgedudels aus den Arbeiterradios.

          Mit Farbtöpfen hätte Christoph Wetzel manchmal am liebsten aus der Innenkuppel geworfen. Wie solle er sich bei dem Popgedudel, das aus dem Radio der Bauarbeiter zu ihm empordrang, auf seine heikle Aufgabe konzentrieren, die barocken Darstellungen der vier Evangelisten und der vier christlichen Tugenden nachzuempfinden? Erst versuchte der Künstler, mit Chor- und Orgelmusik dagegenzuhalten. Schließlich kam er erst, wenn die anderen Feierabend gemacht hatten. Denn für die Annäherung an den katholischen Venezianer Johann Baptist Grone und sein Werk habe er, der Protestant, seine ganze Kraft gebraucht. "Wenn ich mir heute die Kuppel anschaue, denke ich: Das hast nicht du gemacht, das war ein anderer."

          Einige Verwirrungen gab es, als vor zwei Jahren die Kuppel der Frauenkirche fertig aufgemauert war: Würde das Gotteshaus auch wirklich wieder seine Originalhöhe haben? Grund waren abweichende Angaben in historischen Unterlagen und den Plänen für den Wiederaufbau. Das Rätsel ließ sich lösen: Die Wiederaufbau-Ingenieure hatten für ihre Berechnungen eine andere Nullebene gewählt als ihre Vorgänger. Die Kirche ist genauso hoch wie das Original: 91,23 Meter zwischen Oberkante Rohfußboden und Oberkante Kuppelkreuz.

          Beim Wiederaufbau lief fast alles glatt. Der Kostenrahmen wurde fast exakt eingehalten - für ein solches Bauwerk fast schon ein Wunder. Die Bauarbeiten schritten viel schneller voran als geplant, weshalb die Weihe nun schon am Sonntag und nicht erst im kommenden Jahr stattfindet. Erst als die Organisation der Weihefeiern begann, unterlief der Stiftung Frauenkirche ein Mißgeschick. Allein mit den Tausenden Spendern hätte man jeden Sitzplatz in der Kirche mehrfach belegen können. Also verloste man die Plätze. Doch die Druckerei verschickte auch Glückwunschschreiben an jene, die gar nicht gezogen worden waren. Genau 259 vermeintliche Gewinner freuten sich zu früh - und erhielten zum Trost Plätze für eine andere Veranstaltung beim "Fest der ersten drei Tage".

          Eine Sonderbriefmarke gibt es zur Weihe auch. Das ist Gottfried Eimert aus Radeberg zu verdanken. Eimert war in den Neunzigern Polier auf der Baustelle und ist heute Fremdenführer. Als er vor zwei Jahren ans Finanzministerium schrieb, tat er das auch im eigenen Interesse: Ein Sonderpostwertzeichen wollte der Philatelist auch für die eigene Sammlung.

          Ingrid Biedenkopf, ehemalige First Lady Sachsens, kleidet die Frauenkirche gut ein. Seit 1997 entwirft und verkauft die rührige Rentnerin gemeinsam mit einem Accessoire-Hersteller Seidentücher, die mit Motiven des Gotteshauses versehen sind. Das jüngste Tuch zeigt die Frauenkirche umrankt von Rosen. Vom Kaufpreis von 39 Euro werden 15 Euro gespendet - 1,3 Millionen Euro sind auf diese Weise in den vergangenen acht Jahren schon zusammengekommen.

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