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Wiener Helden im Zwielicht : Sie wollten nicht einfach zuschauen

Wie ausgestorben bis auf die Polizei: Das Vergnügungsviertel am Tag nach dem Anschlag Bild: dpa

Zwei türkische Kampfsportler galten nach dem Terroranschlag in Wien als Helden. Bis ihre Sympathie mit den „Grauen Wölfen“ bekannt wurde.

          6 Min.

          Am Tage des Terroranschlags in Wien am Allerseelentag gab es einen Täter und viele Opfer. Es gab aber auch Helden: stille und unerkannte und auch weniger stille, die rasch ins Rampenlicht gerückt sind. Die im Licht werden naturgemäß genauer angeschaut. Und schnell zeigt sich, wie so oft, dass es eine zwiespältige Sache ist. Den makellosen Helden gibt es in der Wirklichkeit nicht oder doch nur sehr selten. Wahrscheinlich ebenso selten wie den puren, abgrundtief bösen Schurken. Ein Blick auf Menschen, die an dem Drama beteiligt waren, zeigt auch einen Ausschnitt der vielschichtigen gesellschaftlichen Realität.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Der Täter war ein 20 Jahre junger gebürtiger Wiener. Seine Familie sind albanische Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem Teil, der heute Nordmazedonien heißt. Er hatte die österreichische und die nordmazedonische Staatsangehörigkeit. Er besuchte die Volksschule, die Hauptschule, eine Fachmittelschule und zum Schluss eine berufsbildende höhere Schule. Er war nicht jemand, der aus dem System gefallen wäre. In einer einschlägig berüchtigten Hinterhofmoschee wurde er offenbar radikalisiert und für die Vorstellung eines bewaffneten Dschihad gegen „Ungläubige“ begeistert. Er versuchte erst in Afghanistan, dann in Syrien für den „Islamischen Staat“ daran teilzunehmen. Nachdem beides gescheitert war und er deswegen für ein paar Monate ins Gefängnis gesteckt worden war, schritt er in seiner Heimatstadt zur Untat.

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