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Die Glocken : Sieben Glocken der Frauenkirche geweiht

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Von allen Seiten bestaunt und bewundert: Die neuen Glocken Bild: dpa/dpaweb

Ein lange herbeigesehnter Moment: In einer feierlichen Zeremonie wurden am Sonntag die sieben neuen Glocken der Dresdner Frauenkirche geweiht und mit biblischen Namen benannt.

          Die sieben neuen Glocken der Dresdner Frauenkirche sind am Sonntag feierlich geweiht und in den Dienst des Gotteshauses gestellt worden. Mit dem Anschlagen jeder einzelnen Glocke wurde die Zeremonie innerhalb eines Festgottesdienstes begleitet. Die Freude der Dresdner über das neue Geläut ihrer wiedererstehenden berühmten Kirche erreichte damit nach drei Tagen Feierlichkeiten und vor sonniger Kulisse ihren Höhepunkt.

          Schon in den vergangenen Tagen seit Ankunft der sieben silbern glänzenden Riesen waren Menschenmassen in der Elbestadt auf den Beinen. „Das ist der schönste Moment, den ich seit langem erlebt habe“, sagte eine weißhaarige Frau leise. Sie stand wie Zehntausende andere am Straßenrand, als die neuen Glocken in einer feierlichen Prozession am Freitag über Dresdens Straßen rollten. Dieser Augenblick sei lange erwartet und herbeigesehnt worden, sagte auch Baudirektor Eberhard Burger.

          Mit Tränen der Rührung

          Er spielte auch eine wichtige Rolle bei der sonntäglichen Glockenweihe. Nachdem der evangelische Landesbischof Volker Kreß jeden der sieben Neuankömmlinge mit Namen, seiner Funktion im Glockengestühl und dem gewidmeten Bibelvers begrüßt hatte, brachte Burger die sieben Glocken mit den biblischen Namen Jesaja, Johannes, Jeremia, Josua, David, Philippus und Hanna das erste Mal in der Öffentlichkeit zum Klingen. Die rund zehnminütige Prozedur war der Höhepunkt des Festgottesdienstes. Dem folgte die Uraufführung des Chorals „Jerusalem, Du hochgebaute Stadt“ des Blechbläserensembles Ludwig Güttler, in dem auch die sieben Glocken erklangen.

          Eines der Prachstücke aus nächster Nähe. Sie tragen alle biblische Namen

          In den Chor stimmten auch die Sirenen der Elbschiffe ein und begüßten auf ihre Art die neuen Glocken der Frauenkirche, die auf einem Wagen durch die Straßen gezogen wurden. Bischof Kreß, der als Junge den Angriff auf Dresden miterlebt hatte, sprach schon im Vorfeld der Glockenweihe aus, was viele Besucher dachten: "Daß sie wieder da sind, ist wunderbar." Für seine Generation habe er nicht geahnt, daß er das noch miterleben werde.

          In den Augen der Älteren war manche Träne der Rührung zu entdecken, als der Sattelzug am Freitag mit der tonnenschweren Last durch die Dresdner Innenstadt rollte und der begleitende Chor von Kindern und Jugendlichen „Wir feiern heut' ein Fest“ anstimmte. „Mit den Glocken wird der Wiederaufbau der Frauenkirche auf eine gewisse Weise gekrönt“, sagt ein 68-Jähriger. Er kenne das Gotteshaus noch aus der Zeit vor seiner Zerstörung im Endstadium des Zweiten Weltkriegs. „Aber die Anstrengungen zum Aufbau und besonders die Schönheit der Glocken sind kaum zu übertreffen“, meint er.

          Mißgeschick beim Probelauf

          Viele Dresdner verfolgen den Wiederaufbau „ihrer“ Kirche seit 1994 wie gebannt. Sie war im Februar 1945 nach den Bombenangriffen auf die Stadt ausgebrannt. Langsam, aber stetig ist aus dem ehemaligen Trümmerberg das Gotteshaus neu erstanden. In absehbarer Zeit soll die steinerne Kuppel fertig sein und die Silhouette der Frauenkirche damit kurz vor der Vollendung stehen. 93 Meter hoch wird sich der fertige Bau in den Himmel recken. Die Fertigstellung ist für den Herbst 2005 geplant. Das neue Geläut scheint für die Menschen der greifbarste Aspekt zu sein, daß die geschichtsträchtige protestantische Kirche bald ihre Pforten öffnen wird. „Bald wird die Frauenkirche mit eigener und schöner Stimme zu vernehmen sein“, sagte auch der Pfarrer Stephan Fritz. Die Wiederherstellung der Kirche kostet rund 126 Millionen Euro.

          Mit dem Hall der Glockentöne dürfte auch das Mißgeschick beim Guß endgültig vergessen sein. Der erste Versuch in der Gießerei Bachert in Bad Friedrichshall in Baden-Württemberg war im Dezember nach Plan verlaufen, aber nachdem die Glocken aus ihrem kühlenden Erdmantel geschält worden waren, gab es lange Gesichter. Nur die 1,75 Tonnen schwere Jesaja-Friedensglocke erfüllte die Klangerwartungen, die sechs anderen fielen bei der Probe durch. Zu massive Verzierungen auf ihren Oberflächen verfälschten die Töne. Der zweite Anlauf war trotz Zeitdrucks erfolgreich. Nur bei der 475 Kilogramm schweren David-Gebetsglocke waren geringfügige Nacharbeiten notwendig. Zu Pfingsten sollen die Glocken in luftigen Höhen zum erstem Mal gemeinsam erschallen und die Gläubigenb erstmals wieder zum Gottesdienst rufen.

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