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Spanischer König : Auf der Suche nach einem eigenen Stil

Neuer Pomp: Letizia und Felipe VI. im Februar beim Staatsbankett Bild: nordphoto

1000 Tage seiner Regentschaft hat Felipe VI. bereits hinter sich. Diese haben beim spanischen König tiefe Spuren hinterlassen. Der Monarch steht vor der schwierigen Aufgabe, sein Land zu stabilisieren.

          Die Haare seines kurz geschorenen Vollbarts werden langsam grau. Er hat abgenommen. Seine Spontanität zeigt der Neunundvierzigjährige nur noch selten. Höflich, aber auch steif wirken seine Auftritte.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die ersten 1000 Tage als spanischer König haben bei Felipe VI. Spuren hinterlassen. Er sucht noch nach seinem eigenen Stil, seit er am 14.Juni 2014 seinen Vater Juan Carlos auf dem spanischen Thron ablöste. Felipe bewährte sich als Krisenmanager und sorgte für Stabilität, als Spanien zehn Monate lang keine Regierung hatte. Aber von der fast selbstverständlichen Verehrung vieler Spanier für seinen Vater ist er weit entfernt.

          „Juan Carlos spielte eine entscheidende Rolle als ein mächtiges Symbol für den Übergang zur Demokratie. Felipe muss jetzt die Loyalität gegenüber Juan Carlos in Liebe zur spanischen Krone verwandeln“, sagt die Journalistin Ana Romero. Sie hat sich intensiv mit der Königsfamilie befasst und das Buch „Endspiel“ geschrieben. Darin beschreibt sie das jahrelange Doppelleben von Juan Carlos, das bekannt wurde, als er sich mit seiner Geliebten, der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, auf der Elefantenjagd in Botswana die Hüfte brach. Juan Carlos soll zeitweise sogar erwogen haben, sich von Königin Sofia scheiden zu lassen.

          Adelige Skandalfamilie

          Die Eskapaden seines Vaters und der Korruptionsprozess seiner Schwester Cristina lasteten schwer auf Felipe. Er versuchte es zunächst als Gegenbild seines Vaters, das entspricht seinem Charakter – auch wenn ihn deshalb einige als hölzern und langweilig kritisieren. „Felipe tritt nüchterner auf und hat einen leicht untertriebenen Sinn für Humor, ohne laute Witze wie sein Vater“, sagt Ana Romero. „Ihm fehlt auch die Vorliebe für die Jagd und andere Männervergnügen. Er ist eben mehr tranquilo.“

          Doch spätestens seit dem Freispruch der Infantin Cristina zeigen Felipe und Königin Letizia neues Selbstbewusstsein. Im Waffenhof vor dem königlichen Palast in Madrid empfingen beide Ende Februar den argentinischen Staatspräsidenten Mauricio Macri und dessen Frau Juliana Awada mit Pomp und einem Zeremoniell, wie es die Spanier lange nicht mehr gewohnt waren – mit Ehrengarde, historischem Rolls-Royce und 21-Schuss-Salut.

          Spanische Jackie Kennedy

          Felipe hatte angeordnet, nach 30 Jahren Staatsgäste nicht länger im kleinen Pardo-Schloss am Stadtrand willkommen zu heißen, sondern im Bourbonen-Palast aus dem 18. Jahrhundert neben der Kathedrale. Die Feiern zu Ehren der Gäste zogen sich tagelang hin. In den Medien war von einem „Duell der Eleganz“ die Rede. Nach einhelliger Meinung siegte die zwei Jahre ältere Letizia, obwohl es ihr die First Lady, die aus einer libanesisch-syrischen Familie stammt, nicht leichtmachte: Die so kluge wie modebewusste Juliana Awada wird gern mit Jackie Kennedy verglichen.

          Beim Staatsbankett trug Letizia zum schwarzen Samtkleid mit königsblauer Schärpe ein Diadem. König Alfonso XIII. hatte den „Flor de Lis“ einst seiner Ehefrau Victoria Eugenia zur Hochzeit geschenkt. Bei Tisch half Letizia dem argentinischen Präsidenten. Macri hatte versehentlich das Wasser- statt des Sektglases erhoben, als er seinen Toast ausbringen wollte. Sie zeigte ihm das richtige Glas. Das spanische Königspaar überlässt eben nichts dem Zufall. Nach den Skandalen in der Familie tun beide alles, um Kritikern keine Angriffsfläche zu bieten. Und bisher fehlt es wirklich an Fehltritten.

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