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„Mobile Police“ : Voll vernetzt auf Streife

Moderne Technikausrüstung macht Bayerns Polizei zur „mobile police“. Bild: dpa

„Wir gehören auf die Straße“, lautet die Devise einer bayrischen Polizeihauptmeisterin. Fahrten zur Dienststelle seien lästig und überflüssig. Die Lösung: Hochmoderne Technik und „vollvernetzte Streifenbeamte“.

          Die Polizeihauptmeisterin bringt es auf den Punkt: „Wir gehören auf die Straße. Wir fahren morgens raus und abends wieder rein.“ Auf der Dienststelle hätten sie eigentlich nichts verloren, sagt die Verkehrspolizistin. Doch da müssen sie jedes mal hin, um nach einem Unfall zum Beispiel bestimmte Daten einzugeben. Damit die Streifen aber so viel Zeit wie möglich dort verbringen, wo sie gebraucht und – im Sinne der Prävention – auch gesehen werden, soll die bayerische Polizei zur „mobile Police“ aufgerüstet werden. Dabei helfen sollen speziell entwickelte Smartphones, „Convertibles“ (Tablets mit abnehmbarer Tastatur) sowie mobile Fingerabdruck-Scanner, die der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unlängst in München präsentiert hat.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Während Notebooks und Tablets es ermöglichen, Daten „wie auf der Dienststelle“ einzugeben und abzufragen, soll bald eine neue App für die Personenabfrage über das Handy dazukommen. Mit dieser vom bayerischen Landeskriminalamt entwickelten App können die Polizisten mobil Ausweisdokumente schneller erfassen und die Angaben mit allen relevanten Datenbanken vergleichen – und das bei „fast allen Licht- und Einsatzbedingungen“, wie Herrmann hervorhob. Der Polizist auf der Straße erfährt somit sofort, ob die jeweilige Person zur Fahndung ausgeschrieben ist. Es gebe sogar eine Warnfunktion, die auf eine mögliche Fälschung der Dokumente hinweise, erläutert ein Streifenbeamter. Die App verstärkt demnach „entscheidend die Fahndungsdichte“ und erhöht die Sicherheit der Einsatzkräfte. Smartphones, Laptops sowie „Convertibles“ werden derzeit in das Polizeinetz integriert. Jedes der rund 5000 Einsatzfahrzeuge der bayerischen Polizei soll nach und nach eine „Vollausstattung“ mit Smartphone und Convertibles erhalten. „Mittelfristig“ soll jedoch jeder Polizist über ein eigenes dienstliches Smartphone verfügen.

          Um Kriminalität im Allgemeinen und „irreguläre“ Migration im Besonderen zu bekämpfen, setzt die bayerische Polizei zudem auf den mobilen Fingerabdruck-Scanner. Das kleine Gerät soll bald ebenfalls in allen Streifenwagen vorhanden sein. Die Polizisten können so unterwegs innerhalb kurzer Zeit Personen online „zweifelsfrei“ identifizieren – vorausgesetzt, deren Fingerabdrücke sind schon im automatisierten Fingerabdruckidentifizierungssystem (Afis) gespeichert. Gerade auch im Hinblick auf das für 2022 geplante, laut Herrmann „dringend notwendige“ elektronische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (Etias) der EU brauche die Polizei die Möglichkeit, Fingerabdrücke von jedem zu nehmen, der in den Schengenraum einreist. Auf diese Weise könne man dann schnell feststellen, wann und wo eine Person eingereist ist oder ob vielleicht das Touristenvisum längst abgelaufen ist.

          Mit den mobilen Geräten will die Polizei auch den gewerblichen Personen- und Güterverkehr – Reisebusse und Lastwagen – besser kontrollieren. Eine neue Software ermöglicht es zum Beispiel, im Führerhaus eines Lastwagens die Daten des dort installierten Kontrollgeräts sofort auszulesen. Auf diese Weise kann die Polizei direkt die Lenk- und Ruhezeiten sowie die aufgezeichnete Geschwindigkeit der kontrollierten Fahrzeuge überprüfen. Man hoffe hier zugleich auf einen „erzieherischen Effekt“, der die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen soll.

          In das Programm für den „digitalisierten Streifenwagen“ und den „vollvernetzten Streifenbeamten“ investiert die bayerische Regierung über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 122 Millionen Euro. Eine Investition, die nach Herrmanns Worten „bundesweit einmalig“ ist. Unterstützt wird das Programm durch 86 Stellen für IT-Experten. Besonderen Wert wird demnach auch auf den Datenschutz gelegt. Alle Daten und Apps laufen „in eigenen abgeschirmten Bereichen“, getrennt von den Smartphones. Auf den Handys werden somit keine Daten gespeichert, nur in Ausnahmefällen, wenn kein Mobilfunkempfang besteht. Dann, so Herrmann, würden die ohnehin verschlüsselten Daten „besonders geschützt“ zwischengespeichert. Die Geräte sollen zudem durch biometrische Erkennung vor dem Zugriff Unbefugter geschützt werden. Anerkannte „externe Spezialfirmen“ sollen darüber hinaus laufend die Apps und die Infrastruktur auf mögliche Sicherheitslücken hin überprüfen.

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