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: Die alten Echsen von Landsweiler

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LANDSWEILER, im Februar. Das Brüllen geht durch Mark und Bein. Wütend hebt das riesige Tier den Kopf, öffnet das Maul mit den dolchscharfen Zähnen und schreit, noch einmal. Der gewaltige Schwanz schlägt wild um sich, da senkt der ...

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          LANDSWEILER, im Februar. Das Brüllen geht durch Mark und Bein. Wütend hebt das riesige Tier den Kopf, öffnet das Maul mit den dolchscharfen Zähnen und schreit, noch einmal. Der gewaltige Schwanz schlägt wild um sich, da senkt der Tyrannosaurus plötzlich den Kopf und taxiert den Eindringling mit seinen gelben Echsen-

          augen. Schnell weiter, durch nebelverhangene Urzeitwälder und vorbei an der Lagune von Solnhofen, wo zwei Raptoren kreischend um ihre Beute streiten. Ein paar Meter weiter, in einem Canyon aus dem Perm, rauscht ein Wasserfall. Die Felsschluchten hallen wider vom Geschrei nie gesehener Kreaturen.

          Als es später nach draußen geht, vorbei an einem vereisten Wald, etlichen Fossilien und dem Skelett eines Argentinosaurus, könnte der Kontrast nicht größer sein: statt Echsen Autos auf einem weitgehend leeren Parkplatz, statt Urwäldern der Förderturm eines Bergwerks. Die Echsen von Landsweiler-Reden sind Teil eines großen strukturpolitischen Experiments. Wo Mitte Dezember der Gondwana-Park seine Tore öffnete, eine Mischung aus naturgeschichtlichem Museum und Themenpark-Erlebniswelt mit animierten Sauriermodellen, Urzeitlandschaften, einem 3-D-Kino und echten Fossilien, schlug bis vor wenigen Jahren noch eines der schwarzen Herzen des Saarlands.

          Im Jahr 1995 wurde die Grube Reden aufgelassen - wie schon so viele in einem Land, das sich langsam von der Kohle löst und gerade sein letztes Bergwerk abwickelt. Über Jahre lag das Gelände brach, bis 2001 die Industriekultur Saar (IKS), eine Gesellschaft des Landes, des Stadtverbands Saarbrücken und der Gemeinde Quierschied, die Immobilien von der RAG Steinkohle AG übernahm - und damit auch die Verantwortung für die ehemaligen Grubenstandorte Göttelborn und Reden. Reden wurde zum "Zukunftsort", mit einer neuen Geothermieanlage, die das Grubenwasser aus dem Bergwerk zur Wärmegewinnung nutzt, neuen Straßen und Restrukturierungsmaßnahmen, die den Standort für Behörden und Tourismus attraktiv machen sollen. Im einstigen Verwaltungsgebäude der Grube siedelten sich unter anderen das Landesdenkmalamt, die Bergbehörde und das Institut für Landeskunde an. Trotzdem blieb die Fläche weitgehend Brachland - bis die IKS 2004 auf den urzeitbegeisterten Dresdner Rechtsanwalt und Investor Matthias Michael Kuhl stieß, der in der Elbestadt einen neuartigen naturhistorischen Park bauen wollte. "Reden? Der Standort ist doch völlig tot", soll Kuhl damals gesagt haben. Ins Saarland fuhr er trotzdem, ließ Expertisen anfertigen - und sich überzeugen, obwohl auch große Namen wie der Tiergarten Schönbrunn Interesse hatten. Denn ein Autobahnanschluss war vorhanden, die Aussicht auf Sonderfördermittel für die Umwidmung eines ehemaligen Grubengebiets verlockend. Auch gefiel Kuhl das Konzept des "Zukunftsorts", für den das Land ordentlich Mittel avisiert hatte. Der Deal: Die IKS sorgt für die nötige Infrastruktur, Kuhl für den Park und die Sanierung der Gebäude.

          Die Erwartungen an das Projekt sind nach gut einjähriger Bauzeit und Investitionen von rund 15 Millionen Euro mindestens so groß wie das Misstrauen: Im strukturschwachen Saarland wird "Gondwana" als Modell für einen erfolgreichen Übergang vom Montan- ins Erlebniszeitalter dargestellt. 30 Arbeitsplätze wurden geschaffen, von einem "Leuchtturmprojekt" für die einstige Montanregion schwärmt IKS-Geschäftsführer Karl Kleineberg. Doch viele im Land zweifeln - nicht zuletzt wegen der hohen Vorgaben, die Investor Kuhl an sein Prestigeobjekt stellt. Mindestens 150 000 Besucher pro Jahr braucht der Park, um sich halbwegs zu tragen. Für eine gute Rendite sind 250 000 Besucher nötig, das wären 1000 pro Tag. "Machbar", meint Kuhl.

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