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Deutschlands bester Schlossknacker : „Ich habe mehr Gefühl als ein Einbrecher“

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Manfred Bölker ist im Hauptberuf Zahnarzt. Sein Hobby: Schlösser knacken Bild: Lotte & Ede

Manfred Bölker ist Zahnarzt und Deutschlands bester Schlossöffner. Er versteht seine Arbeit nicht als rabiates Knacken, sondern als eine Mischung aus Sport und Kunst: „Man muss sich hineinversetzen in das Schloss, das man öffnen will.“

          Vor zehn Jahren hat Manfred Bölker sein Hobby entdeckt, Schlösser zu knacken. Seitdem holte er sich schon siebzehn Mal den deutschen Meister-Titel.

          Herr Bölker, wie lange brauchen Sie, um in meine Wohnung einzubrechen?

          So was mache ich natürlich nicht. Aber wenn, hätte ich das Sicherheitsschloss wohl in 30 Sekunden geöffnet. Ein normaler Einbrecher bräuchte länger.

          In 30 Sekunden hat er das Schloss geöffnet

          Was haben Sie dem Ganoven voraus?

          Ich will den durchschnittlichen Einbrecher nicht diskriminieren. Aber die haben einfach zu wenig Gefühl und Zeit, gehen mit dem Schraubendreher oder Kuhfuß ran. Man braucht sehr viel Übung, um das clever zu lösen.

          Die haben Sie wohl - sonst wären Sie nicht siebzehnfacher deutscher Meister im Schlossöffnen. Müssen Sie überhaupt noch trainieren?

          Ja, ich habe in den vergangenen zwei Wochen jeden Tag eineinhalb Stunden geübt. Meinen Europameistertitel konnte ich zwar an diesem Wochenende im niederländischen Vierhouten nicht verteidigen; aber inzwischen bin ich auch weniger ehrgeizig, weil ich schon alle Titel gewonnen habe.

          Sie sind nicht nur Schlossknacker...

          Ich bin kein Schlossknacker. Das klingt so nach Gewalt. Offiziell nennen wir uns "Sportsfreunde der Sperrtechnik". Das ist kein rabiates Knacken, sondern eine Mischung aus Sport und Kunst. Wichtig ist dabei das Gefühl. Man muss sich hineinversetzen in das Schloss, das man öffnen will.

          Im Hauptberuf sind Sie Zahnarzt. Hilft die Feinfühligkeit des Schlossöffners beim Bohren?

          Das ist eine wechselseitige Sache. Im Studium hab ich die Feinmotorik ja schon gelernt, das hat beim Schlossöffnen geholfen, wobei ich die Technik dabei natürlich verbessert habe. Es gibt auch Parallelen: Die Werkzeuge, mit denen wir die Schlösser bearbeiten, sind Zahnarztwerkzeugen sehr ähnlich.

          Welche Künste mussten Sie damit bei der Europameisterschaft zeigen?

          Das war zum einen das Schlossöffnen mit der Hand. Da sind nur Werkzeuge ohne Mechanik und Technik erlaubt. Man muss fühlen, wo im Schloss die Stifte sind. Zum zweiten ging es darum, einen kompletten Schlüssel zu einem Schloss, das einem vorgelegt wird, aus einem Rohling herauszuarbeiten. Und es gibt noch eine Disziplin, in der ich nicht angetreten bin: das Tresoröffnen.

          Warum nicht?

          Ich habe einfach zu wenig Übung. Mir reichen erst mal meine 1500 Schlösser, an denen ich zu Hause trainiere

          Wie sind Sie auf das Hobby gekommen?

          Vor zehn Jahren habe ich einen Artikel darüber gelesen. Mit kniffligen Aufgaben habe ich mich immer schon beschäftigt, zum Beispiel mit Einradfahren und Jonglieren. Herausforderungen reizen mich eben.

          Wie lange haben Sie für Ihr schwierigstes Schloss gebraucht?

          Das hat - mit Unterbrechungen - sechs Wochen gedauert. Ich wollte es unbedingt öffnen! Ich war mittendrin, als das Telefon klingelte. Ich griff danach, die Spannung in der Hand ließ nach, und plötzlich ging das Schloss auf. Man muss auch mal loslassen können.

          Gibt es Schlösser, an denen Sie scheitern?

          Klar. Die Technik entwickelt sich ja weiter. Ich habe schon oft Schlösser auffräsen müssen. Auch wenn eins aufgeht, reicht mir das nicht, ich muss wissen, warum es aufging, wie es funktioniert.

          Den Ehrgeiz in eine Kriminellenkarriere zu investieren hat Sie nie gereizt?

          Nein! Wenn ich ein teures Fahrrad sehe, das mit einem tollen Schloss gesichert ist, interessiert mich das Schloss mehr als das Rad. Das fordert mich sozusagen heraus. Aber ich versuche nicht, es zu öffnen. Ich gucke ja auch in meiner Freizeit nicht allen Leuten auf die Zähne, obwohl viele das denken.

          Können Sie Ihre Künste manchmal privat nutzen?

          Das schon. Als ich von meiner ersten deutschen Meisterschaft zurückkam, stand meine Frau vor der Haustür - sie hatte sich ausgesperrt. Da konnte ich gleich helfen. Bei manchen Nachbarn war ich schon viermal im Haus, weil sie den Schlüssel vergessen hatten.

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