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Deutschlandreise : Öko-Prinz Charles wandert über Vilm

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Prinz Charles schüttelt Hände in Lübeck Bild:

Prinz Charles wird bei seinem zweitägigen Besuch in Deutschland unter anderem für seinen Verdienst um die ökologische Landwirtschaft ausgezeichnet.

          Der britische Thronfolger Prinz Charles ist am Dienstag erstmals seit sechs Jahren wieder zu einem offiziellen Deutschlandbesuch eingetroffen. Der Prinz von Wales wurde am Mittag auf dem Flughafen von Lübeck von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD), Bundesumweltminister Jürgen Trittin und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (beide Grüne) empfangen.

          Bei seinem zweitägigen Besuch tritt Charles vor allem in seiner Rolle als Öko-Prinz auf. Wenn er am Dienstag und Mittwoch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast und Umweltminister Jürgen Trittin zusammentrifft, wird es ihnen an Gesprächsstoff nicht fehlen: Nachhaltigkeit, Ökologie und Landwirtschaft sind die Lieblingsthemen aller drei. Dabei lässt der britische Botschafter, Paul Lever, keinen Zweifel daran, dass Charles auf diesem Gebiet Vorbild ist. Der Prinz „praktiziert, was er predigt,“ lobt er ihn.

          Königlicher Ökohof

          So ist Charles' Landsitz Highgrove schon seit Jahren auf Bio umgestellt, seine Pächter dürfen kein gentechnisch verändertes Saatgut ausbringen. Mit seiner Stiftung „Prince's Trust“ will er bessere Umweltbedingungen schaffen und für eine Architektur werben, die die Traditionen widerspiegelt. „Gene von Lebewesen zu mischen, die auf natürlichem Wege niemals miteinander gekreuzt werden könnten, führt uns in Bereiche, die wir besser Gott überlassen sollten“, sagt er in seinen Reden. Für seinen Einsatz verleiht die Stiftung Europäisches Naturerbe Charles bei seinem Besuch in Lübeck den Euronatur-Umweltpreis.

          Am Dienstag wird Prinz Charles im Nordosten Deutschlands erwartet. Er will die kleine Ostseeinsel Vilm südöstlich von Rügen ansteuern und dort nächtigen. Eingeladen hat den königlichen Gast ein langjähriger Duz-Freund aus Deutschland. Hartmut Vogtmann, Chef des Bundesamtes für Naturschutz, verbindet schon seit mehr als 20 Jahren eine enge Freundschaft mit dem britischen Thronfolger. 1982 hatte der Professor für ökologischen Landbau maßgeblich mitgeholfen, die königlichen Güter auf eine ökologische Bewirtschaftung umzustellen.

          Privatbesuch beim Ökoprofessor

          Als engster Berater gewann er schnell das Vertrauen des umweltbewussten Charles. Vor fünf Jahren besuchte der Prinz den deutschen Experten in dessen Privatwohnung in Kassel. „Da hab ich ihm von der Naturschutzakademie auf der früheren Honecker-Insel berichtet“, erzählt Vogtmann. Charles habe daraufhin den Wunsch geäußert, einmal selbst die unberührten Wälder auf Vilm sehen zu wollen.

          Nach einem etwa einstündigen Rundgang über die 94 Hektar große Insel will sich der königliche Gast auf gar keinen Fall nehmen lassen. Gleich danach ist ein 45-minütiges Gespräch mit den Chefs der deutschen Umweltverbände Nabu, BUND und WWF geplant, ehe der Prinz zum Abendbankett in das Versammlungshaus der Naturschutzakademie auf Vilm lädt.

          Überblick über ökologische Tierhaltung

          Übernachten wird der Prinz in einem der unlängst modernisierten, reetgedeckten Gästehäuser, allerdings nicht in jenem, in dem einst auch DDR-Staatschef Erich Honecker logiert hatte. Nach der Erledigung von Regierungsgeschäften reist der Gast am Mittwoch weiter zu dem mecklenburgischen Landgut Dalwitz bei Güstrow, wo er sich einen Überblick über die ökologische Tierhaltung und Landwirtschaft verschaffen will. Der Betreiber, Heinrich Graf von Bassewitz, bewirtschaftet das Gut seiner Eltern seit elf Jahren. Vor drei Jahren wurde er dafür mit dem Agrar-Kulturpreis ausgezeichnet.

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